Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832.Meine Braut. An der duftverlornen Gränze Jener Berge tanzen hold Abendwolken ihre Tänze, Leichtgeschürzt im Strahlengold. Wenn ich nach den lichten Räumen Jener Berg' hinüberseh', Ueberschleicht mich's wie ein Träumen, Faßt mein Herz ein dunkles Weh. Und mir ist, als wohne drüben Meine Braut und harre bang, Daß ich komme, sie zu lieben, Eh' verblüht ist Herz und Wang'. Plötzlich treibt ein wildes Sehnen
Nach den Bergen mich, zu ihr, Fluchtverstreute Wonnethränen Stürzen aus dem Auge mir. Lenau's Gedichte. 4
Meine Braut. An der duftverlornen Graͤnze Jener Berge tanzen hold Abendwolken ihre Taͤnze, Leichtgeſchuͤrzt im Strahlengold. Wenn ich nach den lichten Raͤumen Jener Berg' hinuͤberſeh', Ueberſchleicht mich's wie ein Traͤumen, Faßt mein Herz ein dunkles Weh. Und mir iſt, als wohne druͤben Meine Braut und harre bang, Daß ich komme, ſie zu lieben, Eh' verbluͤht iſt Herz und Wang'. Ploͤtzlich treibt ein wildes Sehnen
Nach den Bergen mich, zu ihr, Fluchtverſtreute Wonnethraͤnen Stuͤrzen aus dem Auge mir. Lenau's Gedichte. 4
<TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <pb facs="#f0063" n="49"/> </div> <div n="2"> <head> <hi rendition="#b #g">Meine Braut.</hi><lb/> </head> <milestone rendition="#hr" unit="section"/> <lg type="poem"> <lg n="1"> <l><hi rendition="#in">A</hi>n der duftverlornen Graͤnze</l><lb/> <l>Jener Berge tanzen hold</l><lb/> <l>Abendwolken ihre Taͤnze,</l><lb/> <l>Leichtgeſchuͤrzt im Strahlengold.</l><lb/> </lg> <lg n="2"> <l>Wenn ich nach den lichten Raͤumen</l><lb/> <l>Jener Berg' hinuͤberſeh',</l><lb/> <l>Ueberſchleicht mich's wie ein Traͤumen,</l><lb/> <l>Faßt mein Herz ein dunkles Weh.</l><lb/> </lg> <lg n="3"> <l>Und mir iſt, als wohne druͤben</l><lb/> <l>Meine Braut und harre bang,</l><lb/> <l>Daß ich komme, ſie zu lieben,</l><lb/> <l>Eh' verbluͤht iſt Herz und Wang'.</l><lb/> </lg> <lg n="4"> <l>Ploͤtzlich treibt ein wildes Sehnen</l><lb/> <l>Nach den Bergen mich, zu ihr,</l><lb/> <l>Fluchtverſtreute Wonnethraͤnen</l><lb/> <l>Stuͤrzen aus dem Auge mir.</l><lb/> </lg> <fw place="bottom" type="sig">Lenau's Gedichte. 4<lb/></fw> </lg> </div> </div> </body> </text> </TEI> [49/0063]
Meine Braut.
An der duftverlornen Graͤnze
Jener Berge tanzen hold
Abendwolken ihre Taͤnze,
Leichtgeſchuͤrzt im Strahlengold.
Wenn ich nach den lichten Raͤumen
Jener Berg' hinuͤberſeh',
Ueberſchleicht mich's wie ein Traͤumen,
Faßt mein Herz ein dunkles Weh.
Und mir iſt, als wohne druͤben
Meine Braut und harre bang,
Daß ich komme, ſie zu lieben,
Eh' verbluͤht iſt Herz und Wang'.
Ploͤtzlich treibt ein wildes Sehnen
Nach den Bergen mich, zu ihr,
Fluchtverſtreute Wonnethraͤnen
Stuͤrzen aus dem Auge mir.
Lenau's Gedichte. 4
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools
|
| URL zu diesem Werk: | https://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832 |
| URL zu dieser Seite: | https://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/63 |
| Zitationshilfe: | Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832, S. 49. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/63>, abgerufen am 10.08.2024. |


