Die Hoffnung, eine arge Dirne, Verbuhlte mir den Augenblick, Bestahl mit frecher Lügenstirne Mein junges Leben um sein Glück.
Nun ist's vorüber; in den Tagen, Als ihr Betrug ins Herz mir schnitt, Hab' ich das süße Kind erschlagen, Und mit dem Leben bin ich quitt.
Nicht mehr zum Lustschloß umgelogen, Scheint mir die Erde, was sie ist: Ein schwankes Zelt, das wir bezogen -- Gott habe Dank! -- auf kurze Frist.
Zu lange doch dünkt mir das Brüten Hier unter diesem schwanken Zelt; Ergreif' es, Sturm, in deinem Wüthen, Und streu die Lappen in die Welt!
Anmuth.
Die Hoffnung, eine arge Dirne, Verbuhlte mir den Augenblick, Beſtahl mit frecher Luͤgenſtirne Mein junges Leben um ſein Gluͤck.
Nun iſt's voruͤber; in den Tagen, Als ihr Betrug ins Herz mir ſchnitt, Hab' ich das ſuͤße Kind erſchlagen, Und mit dem Leben bin ich quitt.
Nicht mehr zum Luſtſchloß umgelogen, Scheint mir die Erde, was ſie iſt: Ein ſchwankes Zelt, das wir bezogen — Gott habe Dank! — auf kurze Friſt.
Zu lange doch duͤnkt mir das Bruͤten Hier unter dieſem ſchwanken Zelt; Ergreif' es, Sturm, in deinem Wuͤthen, Und ſtreu die Lappen in die Welt!
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Anmuth.
Die Hoffnung, eine arge Dirne,
Verbuhlte mir den Augenblick,
Beſtahl mit frecher Luͤgenſtirne
Mein junges Leben um ſein Gluͤck.
Nun iſt's voruͤber; in den Tagen,
Als ihr Betrug ins Herz mir ſchnitt,
Hab' ich das ſuͤße Kind erſchlagen,
Und mit dem Leben bin ich quitt.
Nicht mehr zum Luſtſchloß umgelogen,
Scheint mir die Erde, was ſie iſt:
Ein ſchwankes Zelt, das wir bezogen
— Gott habe Dank! — auf kurze Friſt.
Zu lange doch duͤnkt mir das Bruͤten
Hier unter dieſem ſchwanken Zelt;
Ergreif' es, Sturm, in deinem Wuͤthen,
Und ſtreu die Lappen in die Welt!
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Lenau, Nikolaus: Gedichte. Stuttgart, 1832, S. 80. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lenau_gedichte_1832/94>, abgerufen am 10.08.2024.
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