Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lenz, Jakob Michael Reinhold: Die Soldaten. Leipzig, 1776.

Bild:
<< vorherige Seite


Stolzius (schüttelt mit dem Kopf.')
Mary. Nun denn -- (geht etwas weiter
vorwärts.
)
so sagt nur hier.
Stolzius. Die Ratten haben die vori-
ge Nacht Jhr bestes Antolagen Hemd
zerfressen, eben als ich den Wäschschrank
aufmachte, sprangen mir zwey, drey ent-
gegen.
Mary. Was ist daran gelegen? --
laßt Gift aussetzen.
Stolzius. Da muß ich ein versiegeltes
Zettelchen von Jhnen haben.
Mary (unwillig.) Warum kommt ihr
mir denn just jetzt?
Stolzius. Auf den Abend hab' ich nicht
Zeit, Herr Lieutenant -- ich muß heute
noch bey der Lieferung von den Monti-
rungsstücken seyn.
Mary. Da habt ihr meine Uhr, ihr
könnt ja mit meinem Petschaft zusiegeln.

(Stolzius geht ab -- Mary tritt wieder zur Gesellschaft.)
Eine Symphonie hebt an.
Desportes (der sich in einen Wiukel gestellt hat,
für sich.
)
Jhr Bild steht unaufhörlich vor
mir


Stolzius (ſchuͤttelt mit dem Kopf.’)
Mary. Nun denn — (geht etwas weiter
vorwaͤrts.
)
ſo ſagt nur hier.
Stolzius. Die Ratten haben die vori-
ge Nacht Jhr beſtes Antolagen Hemd
zerfreſſen, eben als ich den Waͤſchſchrank
aufmachte, ſprangen mir zwey, drey ent-
gegen.
Mary. Was iſt daran gelegen? —
laßt Gift ausſetzen.
Stolzius. Da muß ich ein verſiegeltes
Zettelchen von Jhnen haben.
Mary (unwillig.) Warum kommt ihr
mir denn juſt jetzt?
Stolzius. Auf den Abend hab’ ich nicht
Zeit, Herr Lieutenant — ich muß heute
noch bey der Lieferung von den Monti-
rungsſtuͤcken ſeyn.
Mary. Da habt ihr meine Uhr, ihr
koͤnnt ja mit meinem Petſchaft zuſiegeln.

(Stolzius geht ab — Mary tritt wieder zur Geſellſchaft.)
Eine Symphonie hebt an.
Desportes (der ſich in einen Wiukel geſtellt hat,
fuͤr ſich.
)
Jhr Bild ſteht unaufhoͤrlich vor
mir
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0108" n="104"/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          <sp who="#STO">
            <speaker>Stolzius</speaker>
            <stage>(<hi rendition="#fr">&#x017F;chu&#x0364;ttelt mit dem Kopf.&#x2019;</hi>)</stage>
          </sp><lb/>
          <sp who="#MARY">
            <speaker>Mary.</speaker>
            <p>Nun denn &#x2014; <stage>(<hi rendition="#fr">geht etwas weiter<lb/>
vorwa&#x0364;rts.</hi>)</stage> &#x017F;o &#x017F;agt nur hier.</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#STO">
            <speaker>Stolzius.</speaker>
            <p>Die Ratten haben die vori-<lb/>
ge Nacht Jhr be&#x017F;tes Antolagen Hemd<lb/>
zerfre&#x017F;&#x017F;en, eben als ich den Wa&#x0364;&#x017F;ch&#x017F;chrank<lb/>
aufmachte, &#x017F;prangen mir zwey, drey ent-<lb/>
gegen.</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#MARY">
            <speaker>Mary.</speaker>
            <p>Was i&#x017F;t daran gelegen? &#x2014;<lb/>
laßt Gift aus&#x017F;etzen.</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#STO">
            <speaker>Stolzius.</speaker>
            <p>Da muß ich ein ver&#x017F;iegeltes<lb/>
Zettelchen von Jhnen haben.</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#MARY">
            <speaker>Mary</speaker>
            <stage>(<hi rendition="#fr">unwillig.</hi>)</stage>
            <p>Warum kommt ihr<lb/>
mir denn ju&#x017F;t jetzt?</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#STO">
            <speaker>Stolzius.</speaker>
            <p>Auf den Abend hab&#x2019; ich nicht<lb/>
Zeit, Herr Lieutenant &#x2014; ich muß heute<lb/>
noch bey der Lieferung von den Monti-<lb/>
rungs&#x017F;tu&#x0364;cken &#x017F;eyn.</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#MARY">
            <speaker>Mary.</speaker>
            <p>Da habt ihr meine Uhr, ihr<lb/>
ko&#x0364;nnt ja mit meinem Pet&#x017F;chaft zu&#x017F;iegeln.</p><lb/>
            <stage>(<hi rendition="#fr">Stolzius geht ab &#x2014; Mary tritt wieder zur Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft.</hi>)</stage><lb/>
            <stage>Eine Symphonie hebt an.</stage>
          </sp><lb/>
          <sp who="#DES">
            <speaker>Desportes</speaker>
            <stage>(<hi rendition="#fr">der &#x017F;ich in einen Wiukel ge&#x017F;tellt hat,<lb/>
fu&#x0364;r &#x017F;ich.</hi>)</stage>
            <p>Jhr Bild &#x017F;teht unaufho&#x0364;rlich vor<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">mir</fw><lb/></p>
          </sp>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[104/0108] Stolzius (ſchuͤttelt mit dem Kopf.’) Mary. Nun denn — (geht etwas weiter vorwaͤrts.) ſo ſagt nur hier. Stolzius. Die Ratten haben die vori- ge Nacht Jhr beſtes Antolagen Hemd zerfreſſen, eben als ich den Waͤſchſchrank aufmachte, ſprangen mir zwey, drey ent- gegen. Mary. Was iſt daran gelegen? — laßt Gift ausſetzen. Stolzius. Da muß ich ein verſiegeltes Zettelchen von Jhnen haben. Mary (unwillig.) Warum kommt ihr mir denn juſt jetzt? Stolzius. Auf den Abend hab’ ich nicht Zeit, Herr Lieutenant — ich muß heute noch bey der Lieferung von den Monti- rungsſtuͤcken ſeyn. Mary. Da habt ihr meine Uhr, ihr koͤnnt ja mit meinem Petſchaft zuſiegeln. (Stolzius geht ab — Mary tritt wieder zur Geſellſchaft.) Eine Symphonie hebt an. Desportes (der ſich in einen Wiukel geſtellt hat, fuͤr ſich.) Jhr Bild ſteht unaufhoͤrlich vor mir

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/lenz_soldaten_1776
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/lenz_soldaten_1776/108
Zitationshilfe: Lenz, Jakob Michael Reinhold: Die Soldaten. Leipzig, 1776, S. 104. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lenz_soldaten_1776/108>, abgerufen am 16.05.2021.