Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lenz, Jakob Michael Reinhold: Die Soldaten. Leipzig, 1776.

Bild:
<< vorherige Seite


alles durch einander ist, ich werde die Nacht
nicht schlafen können für lauter Vergnü-
gen. Der gute Herr Baron!
Wesener. Was, der Baron hat dich
in die Komödie geführt?
Marie (etwas furchtsam.) Ja, Papa --
lieber Papa!
Wesener (stößt sie von seinem Schoos.) Fort
von mir, du Luder, -- willst die Mä-
tresse vom Baron werden?
Marie (mit dem Gesicht halb abgekehrt, halb
weinend.
)
Jch war bey der Weyhern --
und da stunden wir an der Thür --
(stotternd) und da redt' er uns an.
Wesener. Ja, lüg nur, lüg nur dem
Teufel ein Ohr ab -- geh mir aus den
Augen, du gettlose Seele.
Charlotte. Das hätt' ich dem Papa
wollen voraussagen, daß es so gehen wür-
de. Sie haben immer Heimlichkeiten mit
einander gehabt, sie und der Baron.
Marie (weinend.) Willst du das Maul
halten.
Char-


alles durch einander iſt, ich werde die Nacht
nicht ſchlafen koͤnnen fuͤr lauter Vergnuͤ-
gen. Der gute Herr Baron!
Weſener. Was, der Baron hat dich
in die Komoͤdie gefuͤhrt?
Marie (etwas furchtſam.) Ja, Papa —
lieber Papa!
Weſener (ſtoͤßt ſie von ſeinem Schoos.) Fort
von mir, du Luder, — willſt die Maͤ-
treſſe vom Baron werden?
Marie (mit dem Geſicht halb abgekehrt, halb
weinend.
)
Jch war bey der Weyhern —
und da ſtunden wir an der Thuͤr —
(ſtotternd) und da redt’ er uns an.
Weſener. Ja, luͤg nur, luͤg nur dem
Teufel ein Ohr ab — geh mir aus den
Augen, du gettloſe Seele.
Charlotte. Das haͤtt’ ich dem Papa
wollen vorausſagen, daß es ſo gehen wuͤr-
de. Sie haben immer Heimlichkeiten mit
einander gehabt, ſie und der Baron.
Marie (weinend.) Willſt du das Maul
halten.
Char-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <sp who="#MAR">
            <p><pb facs="#f0030" n="26"/><milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
alles durch einander i&#x017F;t, ich werde die Nacht<lb/>
nicht &#x017F;chlafen ko&#x0364;nnen fu&#x0364;r lauter Vergnu&#x0364;-<lb/>
gen. Der gute Herr Baron!</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#WES">
            <speaker>We&#x017F;ener.</speaker>
            <p>Was, der Baron hat dich<lb/>
in die Komo&#x0364;die gefu&#x0364;hrt?</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#MAR">
            <speaker>Marie</speaker>
            <stage>(<hi rendition="#fr">etwas furcht&#x017F;am.</hi>)</stage>
            <p>Ja, Papa &#x2014;<lb/>
lieber Papa!</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#WES">
            <speaker>We&#x017F;ener</speaker>
            <stage>(<hi rendition="#fr">&#x017F;to&#x0364;ßt &#x017F;ie von &#x017F;einem Schoos.</hi>)</stage>
            <p>Fort<lb/>
von mir, du Luder, &#x2014; will&#x017F;t die Ma&#x0364;-<lb/>
tre&#x017F;&#x017F;e vom Baron werden?</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#MAR">
            <speaker>Marie</speaker>
            <stage>(<hi rendition="#fr">mit dem Ge&#x017F;icht halb abgekehrt, halb<lb/>
weinend.</hi>)</stage>
            <p>Jch war bey der Weyhern &#x2014;<lb/>
und da &#x017F;tunden wir an der Thu&#x0364;r &#x2014;<lb/><stage>(<hi rendition="#fr">&#x017F;totternd</hi>)</stage> und da redt&#x2019; er uns an.</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#WES">
            <speaker>We&#x017F;ener.</speaker>
            <p>Ja, lu&#x0364;g nur, lu&#x0364;g nur dem<lb/>
Teufel ein Ohr ab &#x2014; geh mir aus den<lb/>
Augen, du gettlo&#x017F;e Seele.</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#CHA">
            <speaker>Charlotte.</speaker>
            <p>Das ha&#x0364;tt&#x2019; ich dem Papa<lb/>
wollen voraus&#x017F;agen, daß es &#x017F;o gehen wu&#x0364;r-<lb/>
de. Sie haben immer Heimlichkeiten mit<lb/>
einander gehabt, &#x017F;ie und der Baron.</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#MAR">
            <speaker>Marie</speaker>
            <stage>(<hi rendition="#fr">weinend.</hi>)</stage>
            <p>Will&#x017F;t du das Maul<lb/>
halten.</p>
          </sp><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#fr">Char-</hi> </fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[26/0030] alles durch einander iſt, ich werde die Nacht nicht ſchlafen koͤnnen fuͤr lauter Vergnuͤ- gen. Der gute Herr Baron! Weſener. Was, der Baron hat dich in die Komoͤdie gefuͤhrt? Marie (etwas furchtſam.) Ja, Papa — lieber Papa! Weſener (ſtoͤßt ſie von ſeinem Schoos.) Fort von mir, du Luder, — willſt die Maͤ- treſſe vom Baron werden? Marie (mit dem Geſicht halb abgekehrt, halb weinend.) Jch war bey der Weyhern — und da ſtunden wir an der Thuͤr — (ſtotternd) und da redt’ er uns an. Weſener. Ja, luͤg nur, luͤg nur dem Teufel ein Ohr ab — geh mir aus den Augen, du gettloſe Seele. Charlotte. Das haͤtt’ ich dem Papa wollen vorausſagen, daß es ſo gehen wuͤr- de. Sie haben immer Heimlichkeiten mit einander gehabt, ſie und der Baron. Marie (weinend.) Willſt du das Maul halten. Char-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/lenz_soldaten_1776
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/lenz_soldaten_1776/30
Zitationshilfe: Lenz, Jakob Michael Reinhold: Die Soldaten. Leipzig, 1776, S. 26. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lenz_soldaten_1776/30>, abgerufen am 08.05.2021.