Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lenz, Jakob Michael Reinhold: Die Soldaten. Leipzig, 1776.

Bild:
<< vorherige Seite


Charlotte. Denk doch, vor bir gewiß
nicht; will noch commandiren dazu, und
führt sich so auf.
Marie. Nimm dich nur selber in Acht
mit deinem jungen Herrn Heidevogel.
Wenn ich mich so schlecht aufführte, als
du.
Wesener. Wollt ihr schweigen? (zu
Mariel.
)
Fort in deine Kammer, den Au-
genblick, du sollst heut nicht zu Nacht
essen -- schlechte Seele! (Marie geht fort.)
Und schweig du auch nur, du wirst auch
nicht engelrein seyn. Meynst du, kein
Mensch siehts, warum der Herr Heyde-
vogel so oft ins Haus kommt?
Charlotte. Das ist alles das Mariel
schuld. (weint) Die Gottsvergeßne Alle-
weltshure will honette Mädels in Blame
bringen, weil sie so denkt.
Wesener (sehr laut.) Halts Maul! Ma-
rie hat ein viel zu edles Gemüth, als daß
sie von dir reden sollte, aber du schalusierst
auf deine eigene Schwester; weil du nicht
so schön bist als sie, solltst du zum we-
nigsten besser denken. Schäm' dich --
(zur


Charlotte. Denk doch, vor bir gewiß
nicht; will noch commandiren dazu, und
fuͤhrt ſich ſo auf.
Marie. Nimm dich nur ſelber in Acht
mit deinem jungen Herrn Heidevogel.
Wenn ich mich ſo ſchlecht auffuͤhrte, als
du.
Weſener. Wollt ihr ſchweigen? (zu
Mariel.
)
Fort in deine Kammer, den Au-
genblick, du ſollſt heut nicht zu Nacht
eſſen — ſchlechte Seele! (Marie geht fort.)
Und ſchweig du auch nur, du wirſt auch
nicht engelrein ſeyn. Meynſt du, kein
Menſch ſiehts, warum der Herr Heyde-
vogel ſo oft ins Haus kommt?
Charlotte. Das iſt alles das Mariel
ſchuld. (weint) Die Gottsvergeßne Alle-
weltshure will honette Maͤdels in Blame
bringen, weil ſie ſo denkt.
Weſener (ſehr laut.) Halts Maul! Ma-
rie hat ein viel zu edles Gemuͤth, als daß
ſie von dir reden ſollte, aber du ſchaluſierſt
auf deine eigene Schweſter; weil du nicht
ſo ſchoͤn biſt als ſie, ſolltſt du zum we-
nigſten beſſer denken. Schaͤm’ dich —
(zur
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0031" n="27"/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          <sp who="#CHA">
            <speaker>Charlotte.</speaker>
            <p>Denk doch, vor bir gewiß<lb/>
nicht; will noch commandiren dazu, und<lb/>
fu&#x0364;hrt &#x017F;ich &#x017F;o auf.</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#MAR">
            <speaker>Marie.</speaker>
            <p>Nimm dich nur &#x017F;elber in Acht<lb/>
mit deinem jungen Herrn Heidevogel.<lb/>
Wenn ich mich &#x017F;o &#x017F;chlecht auffu&#x0364;hrte, als<lb/>
du.</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#WES">
            <speaker>We&#x017F;ener.</speaker>
            <p>Wollt ihr &#x017F;chweigen? <stage>(<hi rendition="#fr">zu<lb/>
Mariel.</hi>)</stage> Fort in deine Kammer, den Au-<lb/>
genblick, du &#x017F;oll&#x017F;t heut nicht zu Nacht<lb/>
e&#x017F;&#x017F;en &#x2014; &#x017F;chlechte Seele! <stage>(<hi rendition="#fr">Marie geht fort.</hi>)</stage><lb/>
Und &#x017F;chweig du auch nur, du wir&#x017F;t auch<lb/>
nicht engelrein &#x017F;eyn. Meyn&#x017F;t du, kein<lb/>
Men&#x017F;ch &#x017F;iehts, warum der Herr Heyde-<lb/>
vogel &#x017F;o oft ins Haus kommt?</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#CHA">
            <speaker>Charlotte.</speaker>
            <p>Das i&#x017F;t alles das Mariel<lb/>
&#x017F;chuld. <stage>(<hi rendition="#fr">weint</hi>)</stage> Die Gottsvergeßne Alle-<lb/>
weltshure will honette Ma&#x0364;dels in Blame<lb/>
bringen, weil &#x017F;ie &#x017F;o denkt.</p>
          </sp><lb/>
          <sp who="#WES">
            <speaker>We&#x017F;ener</speaker>
            <stage>(<hi rendition="#fr">&#x017F;ehr laut.</hi>)</stage>
            <p>Halts Maul! Ma-<lb/>
rie hat ein viel zu edles Gemu&#x0364;th, als daß<lb/>
&#x017F;ie von dir reden &#x017F;ollte, aber du &#x017F;chalu&#x017F;ier&#x017F;t<lb/>
auf deine eigene Schwe&#x017F;ter; weil du nicht<lb/>
&#x017F;o &#x017F;cho&#x0364;n bi&#x017F;t als &#x017F;ie, &#x017F;ollt&#x017F;t du zum we-<lb/>
nig&#x017F;ten be&#x017F;&#x017F;er denken. Scha&#x0364;m&#x2019; dich &#x2014;<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">(<hi rendition="#fr">zur</hi></fw><lb/></p>
          </sp>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[27/0031] Charlotte. Denk doch, vor bir gewiß nicht; will noch commandiren dazu, und fuͤhrt ſich ſo auf. Marie. Nimm dich nur ſelber in Acht mit deinem jungen Herrn Heidevogel. Wenn ich mich ſo ſchlecht auffuͤhrte, als du. Weſener. Wollt ihr ſchweigen? (zu Mariel.) Fort in deine Kammer, den Au- genblick, du ſollſt heut nicht zu Nacht eſſen — ſchlechte Seele! (Marie geht fort.) Und ſchweig du auch nur, du wirſt auch nicht engelrein ſeyn. Meynſt du, kein Menſch ſiehts, warum der Herr Heyde- vogel ſo oft ins Haus kommt? Charlotte. Das iſt alles das Mariel ſchuld. (weint) Die Gottsvergeßne Alle- weltshure will honette Maͤdels in Blame bringen, weil ſie ſo denkt. Weſener (ſehr laut.) Halts Maul! Ma- rie hat ein viel zu edles Gemuͤth, als daß ſie von dir reden ſollte, aber du ſchaluſierſt auf deine eigene Schweſter; weil du nicht ſo ſchoͤn biſt als ſie, ſolltſt du zum we- nigſten beſſer denken. Schaͤm’ dich — (zur

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/lenz_soldaten_1776
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/lenz_soldaten_1776/31
Zitationshilfe: Lenz, Jakob Michael Reinhold: Die Soldaten. Leipzig, 1776, S. 27. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lenz_soldaten_1776/31>, abgerufen am 07.10.2022.