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Lessing, Gotthold Ephraim: Fabeln. Berlin, 1759.

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XXVI.
Der junge und der alte Hirsch.

Ein Hirsch, den die gütige Natur Jahrhunderte
leben lassen, sagte einst zu einem seiner Enkel: Ich
kann mich der Zeit noch sehr wohl erinnern, da der
Mensch das donnernde Feuerrohr noch nicht erfun-
den hatte.

Welche glückliche Zeit muß das für unser Ge-
schlecht gewesen seyn! seufzete der Enkel.

Du schliessest zu geschwind! sagte der alte Hirsch.
Die Zeit war anders, aber nicht besser. Der
Mensch hatte da, anstatt des Feuerrohres, Pfeile
und Bogen; und wir waren eben so schlimm daran,
als itzt.



XXVII. Der
XXVI.
Der junge und der alte Hirſch.

Ein Hirſch, den die gütige Natur Jahrhunderte
leben laſſen, ſagte einſt zu einem ſeiner Enkel: Ich
kann mich der Zeit noch ſehr wohl erinnern, da der
Menſch das donnernde Feuerrohr noch nicht erfun-
den hatte.

Welche glückliche Zeit muß das für unſer Ge-
ſchlecht geweſen ſeyn! ſeufzete der Enkel.

Du ſchlieſſeſt zu geſchwind! ſagte der alte Hirſch.
Die Zeit war anders, aber nicht beſſer. Der
Menſch hatte da, anſtatt des Feuerrohres, Pfeile
und Bogen; und wir waren eben ſo ſchlimm daran,
als itzt.



XXVII. Der
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[106/0126] XXVI. Der junge und der alte Hirſch. Ein Hirſch, den die gütige Natur Jahrhunderte leben laſſen, ſagte einſt zu einem ſeiner Enkel: Ich kann mich der Zeit noch ſehr wohl erinnern, da der Menſch das donnernde Feuerrohr noch nicht erfun- den hatte. Welche glückliche Zeit muß das für unſer Ge- ſchlecht geweſen ſeyn! ſeufzete der Enkel. Du ſchlieſſeſt zu geſchwind! ſagte der alte Hirſch. Die Zeit war anders, aber nicht beſſer. Der Menſch hatte da, anſtatt des Feuerrohres, Pfeile und Bogen; und wir waren eben ſo ſchlimm daran, als itzt. XXVII. Der

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Zitationshilfe: Lessing, Gotthold Ephraim: Fabeln. Berlin, 1759, S. 106. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lessing_fabeln_1759/126>, abgerufen am 17.04.2021.