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Lessing, Gotthold Ephraim: Nathan der Weise. Berlin, 1779.

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Macht lange noch den Vater nicht! macht kaum
Den Vater eines Thieres! giebt zum höchsten
Das erste Recht sich diesen Namen zu
Erwerben! -- Las dir doch nicht bange seyn! --
Und weißt du was? Sobald der Väter zwey
Sich um dich streiten: -- laß sie beyde; nimm
Den dritten! -- Nimm dann mich zu deinem Vater!
Sittah.
O thu's! o thu's!
Saladin.
Jch will ein guter Vater,
Recht guter Vater seyn! -- Doch halt! mir fällt
Noch viel was Bessers bey. -- Was brauchst du denn
Der Väter überhaupt? Wenn sie nun sterben?
Bey Zeiten sich nach einem umgesehn,
Der mit uns um die Wette leben will!
Kennst du noch keinen? ...
Sittah.
Mach sie nicht erröthen!
Saladin.
Das habe ich allerdings mir vorgesetzt.
Erröthen macht die Häßlichen so schön:
Und sollte Schöne nicht noch schöner machen? --
Jch habe deinen Vater Nathan; und
Noch einen -- einen noch hierher bestellt.
Erräthst du ihn? -- Hierher! Du wirst mir doch
Erlauben, Sittah?

Sittah.
Macht lange noch den Vater nicht! macht kaum
Den Vater eines Thieres! giebt zum hoͤchſten
Das erſte Recht ſich dieſen Namen zu
Erwerben! — Las dir doch nicht bange ſeyn! —
Und weißt du was? Sobald der Vaͤter zwey
Sich um dich ſtreiten: — laß ſie beyde; nimm
Den dritten! — Nimm dann mich zu deinem Vater!
Sittah.
O thu’s! o thu’s!
Saladin.
Jch will ein guter Vater,
Recht guter Vater ſeyn! — Doch halt! mir faͤllt
Noch viel was Beſſers bey. — Was brauchſt du denn
Der Vaͤter uͤberhaupt? Wenn ſie nun ſterben?
Bey Zeiten ſich nach einem umgeſehn,
Der mit uns um die Wette leben will!
Kennſt du noch keinen? …
Sittah.
Mach ſie nicht erroͤthen!
Saladin.
Das habe ich allerdings mir vorgeſetzt.
Erroͤthen macht die Haͤßlichen ſo ſchoͤn:
Und ſollte Schoͤne nicht noch ſchoͤner machen? —
Jch habe deinen Vater Nathan; und
Noch einen — einen noch hierher beſtellt.
Erraͤthſt du ihn? — Hierher! Du wirſt mir doch
Erlauben, Sittah?

Sittah.
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[226/0234] Macht lange noch den Vater nicht! macht kaum Den Vater eines Thieres! giebt zum hoͤchſten Das erſte Recht ſich dieſen Namen zu Erwerben! — Las dir doch nicht bange ſeyn! — Und weißt du was? Sobald der Vaͤter zwey Sich um dich ſtreiten: — laß ſie beyde; nimm Den dritten! — Nimm dann mich zu deinem Vater! Sittah. O thu’s! o thu’s! Saladin. Jch will ein guter Vater, Recht guter Vater ſeyn! — Doch halt! mir faͤllt Noch viel was Beſſers bey. — Was brauchſt du denn Der Vaͤter uͤberhaupt? Wenn ſie nun ſterben? Bey Zeiten ſich nach einem umgeſehn, Der mit uns um die Wette leben will! Kennſt du noch keinen? … Sittah. Mach ſie nicht erroͤthen! Saladin. Das habe ich allerdings mir vorgeſetzt. Erroͤthen macht die Haͤßlichen ſo ſchoͤn: Und ſollte Schoͤne nicht noch ſchoͤner machen? — Jch habe deinen Vater Nathan; und Noch einen — einen noch hierher beſtellt. Erraͤthſt du ihn? — Hierher! Du wirſt mir doch Erlauben, Sittah? Sittah.

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Zitationshilfe: Lessing, Gotthold Ephraim: Nathan der Weise. Berlin, 1779, S. 226. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lessing_nathan_1779/234>, abgerufen am 22.01.2022.