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Lohenstein, Daniel Casper von: Großmüthiger Feldherr Arminius oder Herrmann. Bd. 1. Leipzig, 1689.

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Arminius und Thußnelda.
[Spaltenumbruch] werden der an der Elbe oberhalb der Stadt
Statio von dem Könige Gambriv aufgerich-
tete und auf einen Stul gesetzte Abgott/ der in
der rechten Hand ein Schwerdt/ in der lincken
Hand einen Königs-Stab führet; dem auff der
rechten Hand aus dem Munde ein Donner-
Keil/ auff der lincken Blitz und Flamme fähret;
auf dessen Haupte ein Adler sitzet/ die Füsse aber
einen Drachen zertreten. Jn der Stadt Me-
sovium ist zwar ein mit einem Myrten-Krantze
gekräntztes Weib/ welche auf der Brust eine
brennende Fackel/ in der rechten Hand die
Welt-Kugel/ in der lincken drey güldene Aepf-
fel hält; und also die natürliche Venus/ welcher
noch darzu drey Holdinnen Aepffel hinreichen/
zu sehen; aber es ist diß nur eine Ehren-Seule
der holdseligen Vandala der Uhrheberin aller
Amazonen. Die zwischen der Weichsel/ Warte
und dem Ascibur gischen Gebürge wohnenden
Lygier und Naharvaler haben von denen Col-
chiern und Amazonen den Gottesdienst des Ca-
stors und Pollux erlernet; welchen sie alle Jah-
re zwey Elend-Thiere opffern; iedoch selbten
keine Bilder aufrichten. Die Sitones/ Svio-
nes und Fennen an der Rubeischen eussersten
Nord-Spitze beten die Sonne an/ schlachten
ihr und andern Abgöttern jährlich/ wenn der
Tag beginnet zu zunehmen/ neun und neunzig
Menschen/ mit so viel Hunden und Hähnen;
Sie betheuern darbey: daß sie daselbst das Ge-
räusche der für ihrem Wagen schäumenden
Pferde des Morgens eigentlich hören; ja auch
ihr strahlendes Haupt genau erkennen kön-
nen.

Rhemetalces konte sich allhier des Lachens
nicht enthalten; und fieng an: Es lohnte für
die Müh diesen Weg dahin zu thun; wenn wir
anders versichert wären: daß wir nicht stumpfe-
re Augen/ als diese Nord-Völcker hätten. Fürst
Adgandester antwortete: Er besorgte sich gleich-
falls diese Reise umsonst zu thun; und hielte die-
ses eben für eine thumme Einbildung des Aber-
[Spaltenumbruch] glaubens; welches die schlimste Kranckheit des
Gemüthes wäre; welche dem Menschen alle
Sinnen verrückte/ und ihn auf einmahl so wie-
derwärtige als unmögliche Dinge beredete.
Denn da eine blosse Furcht offt etliche Sträu-
che für gantze Krieges-Heere/ einen Schatten
für Gespenster ansiehet; ja die Gallier wol ehe
ihnen in der Schlacht eingebildet haben: daß
aus den Augen der Römer Feuer-Strahlen
führen; da die Einwohner der Atlantischen Jn-
sel die zu Pferde sitzenden Friesen für Centauren
gehalten; da ein Miltz-süchtiger ihm aus Ein-
bildung: daß er eine gantze Stadt ersäuffen
würde/ das Wasser nicht lassen wollen/ biß man
ihn die Gefahr eines grossen Brandes überre-
det; da Thrasyllus aus Einbildung: es wären
alle zu Athen an- und ablauffende Schiffe sein
Eigenthum/ selbte täglich bewillkommt und
gesegnet; ein ander Argiver in dem leeren
Schau-Platze die schönsten Spiele zu schauen
sich bedüncken ließ; da ein Traum einem die sel-
tzamsten Ungeheuer fürzumahlen; ja die Mond-
süchtigen zu Uberkletterung der höchsten Thür-
me anzureitzen mächtig ist. Was ist es Wun-
der: daß wenn der Aberglauben die Vernunfft
einschläfft/ wenn die Augen des Leibes und des
Gemüthes verblendet sind; der nicht einst in
die Sonne zugeschweigen in das unermäßliche
Licht der Gottheit zu sehen vermögende Mensch
ihm mehrmahls was lächerliches träumen läst.
Jch wil zwar meinen Landes-Leuten nicht das
Wort reden; aber ich halte den Grichen Ana-
xagoras für blinder; da er die Sonne für einen
Stein angesehen; wie nichts minder die Scy-
then/ welchen kein Mensch ausreden wird: daß
sie Sonn und Monde auf Pferden reiten/ die
andern Sternen aber an güldenen Ketten hen-
cken sehen; die aber für thörichter/ welche ihnen
grausame oder um uns unbekümmerte Götter
einbilden/ als welche ihre Aehnligkeit in Wachs/
Ertzt/ Bein und Marmel ausdrücken wollen.
Athanas und Agave/ welche gemeinet/ ihre Kin-

der
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Arminius und Thußnelda.
[Spaltenumbruch] werden der an der Elbe oberhalb der Stadt
Statio von dem Koͤnige Gambriv aufgerich-
tete und auf einen Stul geſetzte Abgott/ der in
der rechten Hand ein Schwerdt/ in der lincken
Hand einen Koͤnigs-Stab fuͤhret; dem auff der
rechten Hand aus dem Munde ein Donner-
Keil/ auff der lincken Blitz und Flamme faͤhret;
auf deſſen Haupte ein Adler ſitzet/ die Fuͤſſe aber
einen Drachen zertreten. Jn der Stadt Me-
ſovium iſt zwar ein mit einem Myrten-Krantze
gekraͤntztes Weib/ welche auf der Bruſt eine
brennende Fackel/ in der rechten Hand die
Welt-Kugel/ in der lincken drey guͤldene Aepf-
fel haͤlt; und alſo die natuͤrliche Venus/ welcher
noch darzu drey Holdinnen Aepffel hinreichen/
zu ſehen; aber es iſt diß nur eine Ehren-Seule
der holdſeligen Vandala der Uhrheberin aller
Amazonen. Die zwiſchen der Weichſel/ Warte
und dem Aſcibur giſchen Gebuͤrge wohnenden
Lygier und Naharvaler haben von denen Col-
chiern und Amazonen den Gottesdienſt des Ca-
ſtors und Pollux erlernet; welchen ſie alle Jah-
re zwey Elend-Thiere opffern; iedoch ſelbten
keine Bilder aufrichten. Die Sitones/ Svio-
nes und Fennen an der Rubeiſchen euſſerſten
Nord-Spitze beten die Sonne an/ ſchlachten
ihr und andern Abgoͤttern jaͤhrlich/ wenn der
Tag beginnet zu zunehmen/ neun und neunzig
Menſchen/ mit ſo viel Hunden und Haͤhnen;
Sie betheuern darbey: daß ſie daſelbſt das Ge-
raͤuſche der fuͤr ihrem Wagen ſchaͤumenden
Pferde des Morgens eigentlich hoͤren; ja auch
ihr ſtrahlendes Haupt genau erkennen koͤn-
nen.

Rhemetalces konte ſich allhier des Lachens
nicht enthalten; und fieng an: Es lohnte fuͤr
die Muͤh dieſen Weg dahin zu thun; wenn wir
anders verſichert waͤren: daß wir nicht ſtumpfe-
re Augen/ als dieſe Nord-Voͤlcker haͤtten. Fuͤrſt
Adgandeſter antwortete: Er beſorgte ſich gleich-
falls dieſe Reiſe umſonſt zu thun; und hielte die-
ſes eben fuͤr eine thumme Einbildung des Aber-
[Spaltenumbruch] glaubens; welches die ſchlimſte Kranckheit des
Gemuͤthes waͤre; welche dem Menſchen alle
Sinnen verruͤckte/ und ihn auf einmahl ſo wie-
derwaͤrtige als unmoͤgliche Dinge beredete.
Denn da eine bloſſe Furcht offt etliche Straͤu-
che fuͤr gantze Krieges-Heere/ einen Schatten
fuͤr Geſpenſter anſiehet; ja die Gallier wol ehe
ihnen in der Schlacht eingebildet haben: daß
aus den Augen der Roͤmer Feuer-Strahlen
fuͤhren; da die Einwohner der Atlantiſchen Jn-
ſel die zu Pferde ſitzenden Frieſen fuͤr Centauꝛen
gehalten; da ein Miltz-ſuͤchtiger ihm aus Ein-
bildung: daß er eine gantze Stadt erſaͤuffen
wuͤrde/ das Waſſer nicht laſſen wollen/ biß man
ihn die Gefahr eines groſſen Brandes uͤberre-
det; da Thraſyllus aus Einbildung: es waͤren
alle zu Athen an- und ablauffende Schiffe ſein
Eigenthum/ ſelbte taͤglich bewillkommt und
geſegnet; ein ander Argiver in dem leeren
Schau-Platze die ſchoͤnſten Spiele zu ſchauen
ſich beduͤncken ließ; da ein Traum einem die ſel-
tzamſten Ungeheuer fuͤrzumahlen; ja die Mond-
ſuͤchtigen zu Uberkletterung der hoͤchſten Thuͤr-
me anzureitzen maͤchtig iſt. Was iſt es Wun-
der: daß wenn der Aberglauben die Vernunfft
einſchlaͤfft/ wenn die Augen des Leibes und des
Gemuͤthes verblendet ſind; der nicht einſt in
die Sonne zugeſchweigen in das unermaͤßliche
Licht der Gottheit zu ſehen vermoͤgende Menſch
ihm mehrmahls was laͤcherliches traͤumen laͤſt.
Jch wil zwar meinen Landes-Leuten nicht das
Wort reden; aber ich halte den Grichen Ana-
xagoras fuͤr blinder; da er die Sonne fuͤr einen
Stein angeſehen; wie nichts minder die Scy-
then/ welchen kein Menſch ausreden wird: daß
ſie Sonn und Monde auf Pferden reiten/ die
andern Sternen aber an guͤldenen Ketten hen-
cken ſehen; die aber fuͤr thoͤrichter/ welche ihnen
grauſame oder um uns unbekuͤmmerte Goͤtter
einbilden/ als welche ihre Aehnligkeit in Wachs/
Ertzt/ Bein und Marmel ausdruͤcken wollen.
Athanas und Agave/ welche gemeinet/ ihre Kin-

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[979[981]/1043] Arminius und Thußnelda. werden der an der Elbe oberhalb der Stadt Statio von dem Koͤnige Gambriv aufgerich- tete und auf einen Stul geſetzte Abgott/ der in der rechten Hand ein Schwerdt/ in der lincken Hand einen Koͤnigs-Stab fuͤhret; dem auff der rechten Hand aus dem Munde ein Donner- Keil/ auff der lincken Blitz und Flamme faͤhret; auf deſſen Haupte ein Adler ſitzet/ die Fuͤſſe aber einen Drachen zertreten. Jn der Stadt Me- ſovium iſt zwar ein mit einem Myrten-Krantze gekraͤntztes Weib/ welche auf der Bruſt eine brennende Fackel/ in der rechten Hand die Welt-Kugel/ in der lincken drey guͤldene Aepf- fel haͤlt; und alſo die natuͤrliche Venus/ welcher noch darzu drey Holdinnen Aepffel hinreichen/ zu ſehen; aber es iſt diß nur eine Ehren-Seule der holdſeligen Vandala der Uhrheberin aller Amazonen. Die zwiſchen der Weichſel/ Warte und dem Aſcibur giſchen Gebuͤrge wohnenden Lygier und Naharvaler haben von denen Col- chiern und Amazonen den Gottesdienſt des Ca- ſtors und Pollux erlernet; welchen ſie alle Jah- re zwey Elend-Thiere opffern; iedoch ſelbten keine Bilder aufrichten. Die Sitones/ Svio- nes und Fennen an der Rubeiſchen euſſerſten Nord-Spitze beten die Sonne an/ ſchlachten ihr und andern Abgoͤttern jaͤhrlich/ wenn der Tag beginnet zu zunehmen/ neun und neunzig Menſchen/ mit ſo viel Hunden und Haͤhnen; Sie betheuern darbey: daß ſie daſelbſt das Ge- raͤuſche der fuͤr ihrem Wagen ſchaͤumenden Pferde des Morgens eigentlich hoͤren; ja auch ihr ſtrahlendes Haupt genau erkennen koͤn- nen. Rhemetalces konte ſich allhier des Lachens nicht enthalten; und fieng an: Es lohnte fuͤr die Muͤh dieſen Weg dahin zu thun; wenn wir anders verſichert waͤren: daß wir nicht ſtumpfe- re Augen/ als dieſe Nord-Voͤlcker haͤtten. Fuͤrſt Adgandeſter antwortete: Er beſorgte ſich gleich- falls dieſe Reiſe umſonſt zu thun; und hielte die- ſes eben fuͤr eine thumme Einbildung des Aber- glaubens; welches die ſchlimſte Kranckheit des Gemuͤthes waͤre; welche dem Menſchen alle Sinnen verruͤckte/ und ihn auf einmahl ſo wie- derwaͤrtige als unmoͤgliche Dinge beredete. Denn da eine bloſſe Furcht offt etliche Straͤu- che fuͤr gantze Krieges-Heere/ einen Schatten fuͤr Geſpenſter anſiehet; ja die Gallier wol ehe ihnen in der Schlacht eingebildet haben: daß aus den Augen der Roͤmer Feuer-Strahlen fuͤhren; da die Einwohner der Atlantiſchen Jn- ſel die zu Pferde ſitzenden Frieſen fuͤr Centauꝛen gehalten; da ein Miltz-ſuͤchtiger ihm aus Ein- bildung: daß er eine gantze Stadt erſaͤuffen wuͤrde/ das Waſſer nicht laſſen wollen/ biß man ihn die Gefahr eines groſſen Brandes uͤberre- det; da Thraſyllus aus Einbildung: es waͤren alle zu Athen an- und ablauffende Schiffe ſein Eigenthum/ ſelbte taͤglich bewillkommt und geſegnet; ein ander Argiver in dem leeren Schau-Platze die ſchoͤnſten Spiele zu ſchauen ſich beduͤncken ließ; da ein Traum einem die ſel- tzamſten Ungeheuer fuͤrzumahlen; ja die Mond- ſuͤchtigen zu Uberkletterung der hoͤchſten Thuͤr- me anzureitzen maͤchtig iſt. Was iſt es Wun- der: daß wenn der Aberglauben die Vernunfft einſchlaͤfft/ wenn die Augen des Leibes und des Gemuͤthes verblendet ſind; der nicht einſt in die Sonne zugeſchweigen in das unermaͤßliche Licht der Gottheit zu ſehen vermoͤgende Menſch ihm mehrmahls was laͤcherliches traͤumen laͤſt. Jch wil zwar meinen Landes-Leuten nicht das Wort reden; aber ich halte den Grichen Ana- xagoras fuͤr blinder; da er die Sonne fuͤr einen Stein angeſehen; wie nichts minder die Scy- then/ welchen kein Menſch ausreden wird: daß ſie Sonn und Monde auf Pferden reiten/ die andern Sternen aber an guͤldenen Ketten hen- cken ſehen; die aber fuͤr thoͤrichter/ welche ihnen grauſame oder um uns unbekuͤmmerte Goͤtter einbilden/ als welche ihre Aehnligkeit in Wachs/ Ertzt/ Bein und Marmel ausdruͤcken wollen. Athanas und Agave/ welche gemeinet/ ihre Kin- der H h h h h h 2

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Zitationshilfe: Lohenstein, Daniel Casper von: Großmüthiger Feldherr Arminius oder Herrmann. Bd. 1. Leipzig, 1689, S. 979[981]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lohenstein_feldherr01_1689/1043>, abgerufen am 26.09.2024.