Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Lohenstein, Daniel Casper von: Ibrahim Sultan. Leipzig, 1673.

Bild:
<< vorherige Seite
des Schau-Spiels.

Die badenden Frauen loben die ehliche Liebe und Wollust/ rühmen auch
die Glückseligkeit der Ambre. Die badenden Jungfrauen aber loben die
Keuschheit/ verdammen die Uppigkeit.

Die vierdte Abhandlung.

DEr Mufti, Bassa Mehemet, Bectas und andere verfluchen den vom Achmet
begangenen Raub der Ambre, beschlüssen den Achmet durch Aufruhr
von Würde und Leben zu bringen. Achmet bringet die geschändete Ambre
in Huren-Tracht mit schimpfflichen Worten dem Vater nach Hause.

Ambre muntert sie beweglich zur Rache wider den Jbrahim auf/ und
ersticht sich. Worüber der Mufti sich ebensfals zu tödten vor hat/ der aber
hievon abgehalten und endlich beschlossen wird/ nach dem Achmet auch den
Jbrahim zu stürtzen. Und verspricht der Mufti, des Käysers Mutter Kiosem
selbst mit in ihr Bündniß zu bringen.

Käyser Amuraths IV. Geist/ verweiset der schlummernden Kiosem: daß
sie wider seinem auf dem Todbette gethanen Befehl dem Ibrahim auß dem
Kercker auf den Thron geholffen/ und deutet ihr grosse Gefahr vom Ibrahim
an. Darüber sie sich heftig entsetzet. Hierzu kommt der Mufti und bere-
det sie: daß sie so wohl in ihres Sohns Ibrahims (doch daß er beym Leben
bleibe) als des Achmets Absetzung stimmet/ und hierzu zu helffen angelobet.

Jm Reyen verkleidet auf Begehren der Mord-Lust die List die drey
Furien in ein Liebes-Kleid/ in Mantel des gemeinen Besten/ in einen Priester-
Rock/ und schicket sie wider den Sultan Jbrahim auß.

Die fünfte Abhandlung.

KIosem bittet beym Ibrahim: daß er den Mufti wieder begnädigen solle/
aber ohne Frucht. Hierüber dringt der Mufti nebst den Cadileschieren
und Janitscharen mit Gewalt in das Käyserliche Gemach/ und nöthigen
nebst Kiosems Zuredung den Käyser: daß er den Achmet vom Ammte ab-
setzen/ den Bassa Mehemet aber zum Groß-Visir machen muß.

Bectas eröfnet denen in des Mufti Hause versammleten Janitscharen/
die Schändung der Ambre, und bewegt sie des Ibrahims und Achmets Un-
tergang zu beschlüssen. Und/ als inzwischen der abgesetzte Achmet sich in
des Mufti Haus/ bey diesem Schutz zu suchen/ flüchtet/ wird er in der Versam-
lung des Mufti, der Cadileschier und Janitscharen geführet und erwürget.

Ibrahim bejammert des Achmets Ermordung/ wird hierauf dreymal
für den Divan/ dem Volcke wegen seiner Regierung Rechenschafft zu thun/
bey Verlust der Käyserlichen Würde gefodert. Nachdem er aber der Kio-
sem
Rath: daß er sich dahin gestellen solle/ verwirfft/ die Forder-Zettel po-

chende
des Schau-Spiels.

Die badenden Frauen loben die ehliche Liebe und Wolluſt/ ruͤhmen auch
die Gluͤckſeligkeit der Ambre. Die badenden Jungfrauen aber loben die
Keuſchheit/ verdammen die Uppigkeit.

Die vierdte Abhandlung.

DEr Mufti, Baſſa Mehemet, Bectas und andere verfluchen den vom Achmet
begangenen Raub der Ambre, beſchluͤſſen den Achmet durch Aufruhr
von Wuͤrde und Leben zu bringen. Achmet bringet die geſchaͤndete Ambre
in Huren-Tracht mit ſchimpfflichen Worten dem Vater nach Hauſe.

Ambre muntert ſie beweglich zur Rache wider den Jbrahim auf/ und
erſticht ſich. Woruͤber der Mufti ſich ebensfals zu toͤdten vor hat/ der aber
hievon abgehalten und endlich beſchloſſen wird/ nach dem Achmet auch den
Jbrahim zu ſtuͤrtzen. Und verſpricht der Mufti, des Kaͤyſers Mutter Kioſem
ſelbſt mit in ihr Buͤndniß zu bringen.

Kaͤyſer Amuraths IV. Geiſt/ verweiſet der ſchlummernden Kioſem: daß
ſie wider ſeinem auf dem Todbette gethanen Befehl dem Ibrahim auß dem
Kercker auf den Thron geholffen/ und deutet ihr groſſe Gefahr vom Ibrahim
an. Daruͤber ſie ſich heftig entſetzet. Hierzu kommt der Mufti und bere-
det ſie: daß ſie ſo wohl in ihres Sohns Ibrahims (doch daß er beym Leben
bleibe) als des Achmets Abſetzung ſtimmet/ und hierzu zu helffen angelobet.

Jm Reyen verkleidet auf Begehren der Mord-Luſt die Liſt die drey
Furien in ein Liebes-Kleid/ in Mantel des gemeinen Beſten/ in einen Prieſter-
Rock/ und ſchicket ſie wider den Sultan Jbrahim auß.

Die fuͤnfte Abhandlung.

KIoſem bittet beym Ibrahim: daß er den Mufti wieder begnaͤdigen ſolle/
aber ohne Frucht. Hieruͤber dringt der Mufti nebſt den Cadileſchieren
und Janitſcharen mit Gewalt in das Kaͤyſerliche Gemach/ und noͤthigen
nebſt Kioſems Zuredung den Kaͤyſer: daß er den Achmet vom Ammte ab-
ſetzen/ den Baſſa Mehemet aber zum Groß-Viſir machen muß.

Bectas eroͤfnet denen in des Mufti Hauſe verſammleten Janitſcharen/
die Schaͤndung der Ambre, und bewegt ſie des Ibrahims und Achmets Un-
tergang zu beſchluͤſſen. Und/ als inzwiſchen der abgeſetzte Achmet ſich in
des Mufti Haus/ bey dieſem Schutz zu ſuchen/ fluͤchtet/ wird er in der Verſam-
lung des Mufti, der Cadileſchier und Janitſcharen gefuͤhret und erwuͤrget.

Ibrahim bejammert des Achmets Ermordung/ wird hierauf dreymal
fuͤr den Divan/ dem Volcke wegen ſeiner Regierung Rechenſchafft zu thun/
bey Verluſt der Kaͤyſerlichen Wuͤrde gefodert. Nachdem er aber der Kio-
ſem
Rath: daß er ſich dahin geſtellen ſolle/ verwirfft/ die Forder-Zettel po-

chende
<TEI>
  <text>
    <front>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0015"/>
          <fw place="top" type="header">des Schau-Spiels.</fw><lb/>
          <p>Die badenden Frauen loben die ehliche Liebe und Wollu&#x017F;t/ ru&#x0364;hmen auch<lb/>
die Glu&#x0364;ck&#x017F;eligkeit der <hi rendition="#aq">Ambre.</hi> Die badenden Jungfrauen aber loben die<lb/>
Keu&#x017F;chheit/ verdammen die Uppigkeit.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>Die vierdte Abhandlung.</head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi>Er <hi rendition="#aq">Mufti, Ba&#x017F;&#x017F;a Mehemet, Bectas</hi> und andere verfluchen den vom <hi rendition="#aq">Achmet</hi><lb/>
begangenen Raub der <hi rendition="#aq">Ambre,</hi> be&#x017F;chlu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en den <hi rendition="#aq">Achmet</hi> durch Aufruhr<lb/>
von Wu&#x0364;rde und Leben zu bringen. <hi rendition="#aq">Achmet</hi> bringet die ge&#x017F;cha&#x0364;ndete <hi rendition="#aq">Ambre</hi><lb/>
in Huren-Tracht mit &#x017F;chimpfflichen Worten dem Vater nach Hau&#x017F;e.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Ambre</hi> muntert &#x017F;ie beweglich zur Rache wider den Jbrahim auf/ und<lb/>
er&#x017F;ticht &#x017F;ich. Woru&#x0364;ber der <hi rendition="#aq">Mufti</hi> &#x017F;ich ebensfals zu to&#x0364;dten vor hat/ der aber<lb/>
hievon abgehalten und endlich be&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en wird/ nach dem <hi rendition="#aq">Achmet</hi> auch den<lb/>
Jbrahim zu &#x017F;tu&#x0364;rtzen. Und ver&#x017F;pricht der <hi rendition="#aq">Mufti,</hi> des Ka&#x0364;y&#x017F;ers Mutter <hi rendition="#aq">Kio&#x017F;em</hi><lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t mit in ihr Bu&#x0364;ndniß zu bringen.</p><lb/>
          <p>Ka&#x0364;y&#x017F;er <hi rendition="#aq">Amuraths IV.</hi> Gei&#x017F;t/ verwei&#x017F;et der &#x017F;chlummernden <hi rendition="#aq">Kio&#x017F;em:</hi> daß<lb/>
&#x017F;ie wider &#x017F;einem auf dem Todbette gethanen Befehl dem <hi rendition="#aq">Ibrahim</hi> auß dem<lb/>
Kercker auf den Thron geholffen/ und deutet ihr gro&#x017F;&#x017F;e Gefahr vom <hi rendition="#aq">Ibrahim</hi><lb/>
an. Daru&#x0364;ber &#x017F;ie &#x017F;ich heftig ent&#x017F;etzet. Hierzu kommt der <hi rendition="#aq">Mufti</hi> und bere-<lb/>
det &#x017F;ie: daß &#x017F;ie &#x017F;o wohl in ihres Sohns <hi rendition="#aq">Ibrahims</hi> (doch daß er beym Leben<lb/>
bleibe) als des <hi rendition="#aq">Achmets</hi> Ab&#x017F;etzung &#x017F;timmet/ und hierzu zu helffen angelobet.</p><lb/>
          <p>Jm Reyen verkleidet auf Begehren der Mord-Lu&#x017F;t die Li&#x017F;t die drey<lb/>
Furien in ein Liebes-Kleid/ in Mantel des gemeinen Be&#x017F;ten/ in einen Prie&#x017F;ter-<lb/>
Rock/ und &#x017F;chicket &#x017F;ie wider den Sultan Jbrahim auß.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>Die fu&#x0364;nfte Abhandlung.</head><lb/>
          <p><hi rendition="#aq"><hi rendition="#in">K</hi>Io&#x017F;em</hi> bittet beym <hi rendition="#aq">Ibrahim:</hi> daß er den <hi rendition="#aq">Mufti</hi> wieder begna&#x0364;digen &#x017F;olle/<lb/>
aber ohne Frucht. Hieru&#x0364;ber dringt der <hi rendition="#aq">Mufti</hi> neb&#x017F;t den <hi rendition="#aq">Cadile&#x017F;chier</hi>en<lb/>
und Janit&#x017F;charen mit Gewalt in das Ka&#x0364;y&#x017F;erliche Gemach/ und no&#x0364;thigen<lb/>
neb&#x017F;t <hi rendition="#aq">Kio&#x017F;ems</hi> Zuredung den Ka&#x0364;y&#x017F;er: daß er den <hi rendition="#aq">Achmet</hi> vom Ammte ab-<lb/>
&#x017F;etzen/ den <hi rendition="#aq">Ba&#x017F;&#x017F;a Mehemet</hi> aber zum Groß-Vi&#x017F;ir machen muß.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Bectas</hi> ero&#x0364;fnet denen in des <hi rendition="#aq">Mufti</hi> Hau&#x017F;e ver&#x017F;ammleten Janit&#x017F;charen/<lb/>
die Scha&#x0364;ndung der <hi rendition="#aq">Ambre,</hi> und bewegt &#x017F;ie des <hi rendition="#aq">Ibrahims</hi> und <hi rendition="#aq">Achmets</hi> Un-<lb/>
tergang zu be&#x017F;chlu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en. Und/ als inzwi&#x017F;chen der abge&#x017F;etzte <hi rendition="#aq">Achmet</hi> &#x017F;ich in<lb/>
des <hi rendition="#aq">Mufti</hi> Haus/ bey die&#x017F;em Schutz zu &#x017F;uchen/ flu&#x0364;chtet/ wird er in der Ver&#x017F;am-<lb/>
lung des <hi rendition="#aq">Mufti,</hi> der <hi rendition="#aq">Cadile&#x017F;chier</hi> und Janit&#x017F;charen gefu&#x0364;hret und erwu&#x0364;rget.</p><lb/>
          <p><hi rendition="#aq">Ibrahim</hi> bejammert des <hi rendition="#aq">Achmets</hi> Ermordung/ wird hierauf dreymal<lb/>
fu&#x0364;r den Divan/ dem Volcke wegen &#x017F;einer Regierung Rechen&#x017F;chafft zu thun/<lb/>
bey Verlu&#x017F;t der Ka&#x0364;y&#x017F;erlichen Wu&#x0364;rde gefodert. Nachdem er aber der <hi rendition="#aq">Kio-<lb/>
&#x017F;em</hi> Rath: daß er &#x017F;ich dahin ge&#x017F;tellen &#x017F;olle/ verwirfft/ die Forder-Zettel po-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">chende</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[0015] des Schau-Spiels. Die badenden Frauen loben die ehliche Liebe und Wolluſt/ ruͤhmen auch die Gluͤckſeligkeit der Ambre. Die badenden Jungfrauen aber loben die Keuſchheit/ verdammen die Uppigkeit. Die vierdte Abhandlung. DEr Mufti, Baſſa Mehemet, Bectas und andere verfluchen den vom Achmet begangenen Raub der Ambre, beſchluͤſſen den Achmet durch Aufruhr von Wuͤrde und Leben zu bringen. Achmet bringet die geſchaͤndete Ambre in Huren-Tracht mit ſchimpfflichen Worten dem Vater nach Hauſe. Ambre muntert ſie beweglich zur Rache wider den Jbrahim auf/ und erſticht ſich. Woruͤber der Mufti ſich ebensfals zu toͤdten vor hat/ der aber hievon abgehalten und endlich beſchloſſen wird/ nach dem Achmet auch den Jbrahim zu ſtuͤrtzen. Und verſpricht der Mufti, des Kaͤyſers Mutter Kioſem ſelbſt mit in ihr Buͤndniß zu bringen. Kaͤyſer Amuraths IV. Geiſt/ verweiſet der ſchlummernden Kioſem: daß ſie wider ſeinem auf dem Todbette gethanen Befehl dem Ibrahim auß dem Kercker auf den Thron geholffen/ und deutet ihr groſſe Gefahr vom Ibrahim an. Daruͤber ſie ſich heftig entſetzet. Hierzu kommt der Mufti und bere- det ſie: daß ſie ſo wohl in ihres Sohns Ibrahims (doch daß er beym Leben bleibe) als des Achmets Abſetzung ſtimmet/ und hierzu zu helffen angelobet. Jm Reyen verkleidet auf Begehren der Mord-Luſt die Liſt die drey Furien in ein Liebes-Kleid/ in Mantel des gemeinen Beſten/ in einen Prieſter- Rock/ und ſchicket ſie wider den Sultan Jbrahim auß. Die fuͤnfte Abhandlung. KIoſem bittet beym Ibrahim: daß er den Mufti wieder begnaͤdigen ſolle/ aber ohne Frucht. Hieruͤber dringt der Mufti nebſt den Cadileſchieren und Janitſcharen mit Gewalt in das Kaͤyſerliche Gemach/ und noͤthigen nebſt Kioſems Zuredung den Kaͤyſer: daß er den Achmet vom Ammte ab- ſetzen/ den Baſſa Mehemet aber zum Groß-Viſir machen muß. Bectas eroͤfnet denen in des Mufti Hauſe verſammleten Janitſcharen/ die Schaͤndung der Ambre, und bewegt ſie des Ibrahims und Achmets Un- tergang zu beſchluͤſſen. Und/ als inzwiſchen der abgeſetzte Achmet ſich in des Mufti Haus/ bey dieſem Schutz zu ſuchen/ fluͤchtet/ wird er in der Verſam- lung des Mufti, der Cadileſchier und Janitſcharen gefuͤhret und erwuͤrget. Ibrahim bejammert des Achmets Ermordung/ wird hierauf dreymal fuͤr den Divan/ dem Volcke wegen ſeiner Regierung Rechenſchafft zu thun/ bey Verluſt der Kaͤyſerlichen Wuͤrde gefodert. Nachdem er aber der Kio- ſem Rath: daß er ſich dahin geſtellen ſolle/ verwirfft/ die Forder-Zettel po- chende

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/lohenstein_ibrahim_1673
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/lohenstein_ibrahim_1673/15
Zitationshilfe: Lohenstein, Daniel Casper von: Ibrahim Sultan. Leipzig, 1673, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lohenstein_ibrahim_1673/15>, abgerufen am 28.09.2021.