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Lohenstein, Daniel Casper von: Ibrahim Sultan. Leipzig, 1673.

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Sisig. Mit Amurathen fiel mein Stern schon in die See.
10
Ibrah. Versinckt ein Stern/ so steigt ein ander in die Höh'.
Sisig. Mein Geist fleucht neues Liecht/ und buhlt mit seinem Schatten.
Ibrah. Solch Liebreitz kommt nicht Jhr/ auch Todten nicht zu statten.
Sisig. Jn seiner Asch und Gruft schöpft meine Seele Lust.
Ibrah. Schüt auß dein Liebes-Oel in eine glimme Brust.
15
Sisig. Die Liebe glimmet noch in Amurathens Aschen.
Ibrah. Der Tod hat/ was ja glam/ wie Lauge weggewaschen.
Sisig. Sein Tod vertilgt in mir/ was Brand und Eitel heisst.
Ibrah. Wohl! so bestrahle sie aufs neu/ ein reger Geist.
Sisig. So Sonn' als Brunst verraucht/ wo Hertz und Lust ist trübe.
20
Ibrah. Hier brennet Jbrahim mit unverfälschter Liebe.
Sisig. Hat Sonn' und Fürst an Dunst und Mir was liebens-werth?
Ibrah. Durch deinen Liebreitz wird mein lodernd Hertz verzehrt.
Sisig. Mag/ die das kalte Leid entseelet/ Feuer zeugen?
Ibrah. Man sieht auß Heelens Eiß- und Schnee-kluft Flammen steigen.
25
Sisig. Jn meiner Seele glimm't kein Funcken frembder Brunst.
Ibrah. So Blitz als Liebe wird gezeugt auß Kält' und Dunst.
Sisig. Was sol für Anmuth blühn auf diesen welcken Wangen/
Auff dieser schlaffen Brust? Ein Garn/ das Löwen fangen
Und Riesen' fässeln sol/ ja Käyser schlingen ein/
30Muß nicht auß schlechtem Zeug und ird'schem Drate seyn.
Der Agstein zeucht nur Spreu/ Magnete ziehn nur Eisen/
Nicht schwer und schätzbar Gold. Die Flamm' und Glut beweisen
An Zedern ihre Krafft; sind gegen Golde kalt.
Und Sisigambis sol mit welckender Gestalt
35Den grossen Sultan ziehn? des Käysers Hertze zünden
Durch lauen Liebreitz an? Wir selber wir empfinden:
Daß unser Armuths-Trieb zu schlechter Weyrauch sey
Auff Jbrahims Altar.
Ibrah. Die Demuth wohnet bey
Meist der Vollkommenheit; und die pflegt eigne Sachen/
40Die gleich unschätzbar sind/ im Urtheil klein zu machen.
Sie Sisigambis spricht die Schönheit schlecht in Jhr/
Mein Geist macht aber sie zu einem Abgott mir.
Die Marmel/ die von nichts alß Kält und Härte wißen/
Zerschmeltzen/ wenn auff sie die Augen-Strahlen schüßen;
45Die Bäch' und Kräuter sind ehrsüchtig deinen Fuß
Mit Küssen zu verehr'n. Jch/ Sisigambis/ muß
Dein Englisch Antlitz nicht nur einen Garten rühmen/
Da Lilgen Stirn und Halß/ die Wangen Rosen blümen/
Den Mund Granaten ziern; von dem Verhängnüs ist
50Die Sisigambis uns zum Paradis erkiest.
Weil wir ja/ ausser Jhr/ nicht Heil/ nicht Ruhe finden.
Sisig. Mag in Jhm Alima nicht süssern Brand anzünden?
Ja diese gantze Burg ist ein recht Himmelreich/
Das tausend Sonnen hegt.
Ibrah. Ach! keine kein' ist gleich
55Und reicht den Schatten dir! Die guldnen Himmel werden
Von einer Sonn' erhellt. Der grosse Kräyß der Erden
Hegt einen Fenix nur: Und in Stambuldens Stadt
Jst eine Gottheit nur/ die uns zum Priester hat.
O Sonne meiner Seel'/ und Abgott meines Hertzen.

60.
Sisig. Man siht ein Jrrlicht an offt für gestirnte-Kertzen.
Ibrah. Wer nicht die Schönheit kenn't und prüfet/ ist stockblind;
Wer sie nicht preiß't und lieb't/ ein Stock/ ein alber Kind.
Sie/ Sisigambis/ ist/ ein Zirckel aller Zierden/
Ein Engel dieser Welt/ ein Labsal der Begierden/
65.Ein Kleinod unsrer Zeit/ der Mensch und Himmel spricht
Den güldnen Apffel zu.
Sisig. Der Käyser kiese nicht
Für Demant schlechtes Glaß. Jn wenig Zeit erbleichet
Des falschen Purpers Glantz/ den uns Begierde streichet
Für blöden Augen an. Nach einst-gebüßter Lust/
70Wird er schon Eckel fühl'n für Sisigambens Brust;
Ja die Vernunfft in Jhm für Blind- und Thorheit schelten/
Was Ubereilung itzt läßt für Vergnügung gelten.
Ibrah. Wahr ist's: daß/ was bald wächst/ auch plötzlich sich verliert.
Das Thier beym Hyppanis/ das eine Nacht gebiert/
75.Stirbt mit dem Abende. Ach! aber/ ach du fehlest/
Wenn du des Sultans Brand zur Ubereilung zehlest.
Du kenn'st des Käysers Arth: wie vieler Frauen Trieb/
Wie mancher Jahre Reitz bey uns ohnmächtig blieb/
Nur einen süssen Brand in unser Hertz zu stecken.
Das
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Siſig. Mit Amurathen fiel mein Stern ſchon in die See.
10
Ibrah. Verſinckt ein Stern/ ſo ſteigt ein ander in die Hoͤh’.
Siſig. Mein Geiſt fleucht neues Liecht/ und buhlt mit ſeinem Schatten.
Ibrah. Solch Liebreitz kom̃t nicht Jhr/ auch Todten nicht zu ſtatten.
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Ibrah. Schuͤt auß dein Liebes-Oel in eine glimme Bruſt.
15
Siſig. Die Liebe glimmet noch in Amurathens Aſchen.
Ibrah. Der Tod hat/ was ja glam/ wie Lauge weggewaſchen.
Siſig. Sein Tod vertilgt in mir/ was Brand und Eitel heiſſt.
Ibrah. Wohl! ſo beſtrahle ſie aufs neu/ ein reger Geiſt.
Siſig. So Sonn’ als Brunſt verraucht/ wo Hertz und Luſt iſt truͤbe.
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Ibrah. Hier brennet Jbrahim mit unverfaͤlſchter Liebe.
Siſig. Hat Sonn’ und Fuͤrſt an Dunſt und Mir was liebens-werth?
Ibrah. Durch deinen Liebreitz wird mein lodernd Hertz verzehrt.
Siſig. Mag/ die das kalte Leid entſeelet/ Feuer zeugen?
Ibrah. Man ſieht auß Heelens Eiß- und Schnee-kluft Flammen ſteigen.
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Siſig. Jn meiner Seele glim̃’t kein Funcken frembder Brunſt.
Ibrah. So Blitz als Liebe wird gezeugt auß Kaͤlt’ und Dunſt.
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Und Siſigambis ſol mit welckender Geſtalt
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Durch lauen Liebreitz an? Wir ſelber wir empfinden:
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Auff Jbrahims Altar.
Ibrah. Die Demuth wohnet bey
Meiſt der Vollkommenheit; und die pflegt eigne Sachen/
40Die gleich unſchaͤtzbar ſind/ im Urtheil klein zu machen.
Sie Siſigambis ſpricht die Schoͤnheit ſchlecht in Jhr/
Mein Geiſt macht aber ſie zu einem Abgott mir.
Die Marmel/ die von nichts alß Kaͤlt und Haͤrte wißen/
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Dein Engliſch Antlitz nicht nur einen Garten ruͤhmen/
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Weil wir ja/ auſſer Jhr/ nicht Heil/ nicht Ruhe finden.
Siſig. Mag in Jhm Alima nicht ſuͤſſern Brand anzuͤnden?
Ja dieſe gantze Burg iſt ein recht Himmelreich/
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Ibrah. Ach! keine kein’ iſt gleich
55Und reicht den Schatten dir! Die guldnen Himmel werden
Von einer Sonn’ erhellt. Der groſſe Kraͤyß der Erden
Hegt einen Fenix nur: Und in Stambuldens Stadt
Jſt eine Gottheit nur/ die uns zum Prieſter hat.
O Sonne meiner Seel’/ und Abgott meines Hertzen.

60.
Siſig. Man ſiht ein Jrrlicht an offt fuͤr geſtirnte-Kertzen.
Ibrah. Wer nicht die Schoͤnheit kenn’t und pruͤfet/ iſt ſtockblind;
Wer ſie nicht preiß’t und lieb’t/ ein Stock/ ein alber Kind.
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Ein Engel dieſer Welt/ ein Labſal der Begierden/
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Den guͤldnen Apffel zu.
Siſig. Der Kaͤyſer kieſe nicht
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Des falſchen Purpers Glantz/ den uns Begierde ſtreichet
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[3/0021] Siſig. Mit Amurathen fiel mein Stern ſchon in die See. Ibrah. Verſinckt ein Stern/ ſo ſteigt ein ander in die Hoͤh’. Siſig. Mein Geiſt fleucht neues Liecht/ und buhlt mit ſeinem Schatten. Ibrah. Solch Liebreitz kom̃t nicht Jhr/ auch Todten nicht zu ſtatten. Siſig. Jn ſeiner Aſch und Gruft ſchoͤpft meine Seele Luſt. Ibrah. Schuͤt auß dein Liebes-Oel in eine glimme Bruſt. Siſig. Die Liebe glimmet noch in Amurathens Aſchen. Ibrah. Der Tod hat/ was ja glam/ wie Lauge weggewaſchen. Siſig. Sein Tod vertilgt in mir/ was Brand und Eitel heiſſt. Ibrah. Wohl! ſo beſtrahle ſie aufs neu/ ein reger Geiſt. Siſig. So Sonn’ als Brunſt verraucht/ wo Hertz und Luſt iſt truͤbe. Ibrah. Hier brennet Jbrahim mit unverfaͤlſchter Liebe. Siſig. Hat Sonn’ und Fuͤrſt an Dunſt und Mir was liebens-werth? Ibrah. Durch deinen Liebreitz wird mein lodernd Hertz verzehrt. Siſig. Mag/ die das kalte Leid entſeelet/ Feuer zeugen? Ibrah. Man ſieht auß Heelens Eiß- und Schnee-kluft Flammen ſteigen. Siſig. Jn meiner Seele glim̃’t kein Funcken frembder Brunſt. Ibrah. So Blitz als Liebe wird gezeugt auß Kaͤlt’ und Dunſt. Siſig. Was ſol fuͤr Anmuth bluͤhn auf dieſen welcken Wangen/ Auff dieſer ſchlaffen Bruſt? Ein Garn/ das Loͤwen fangen Und Rieſen’ faͤſſeln ſol/ ja Kaͤyſer ſchlingen ein/ Muß nicht auß ſchlechtem Zeug und ird’ſchem Drate ſeyn. Der Agſtein zeucht nur Spreu/ Magnete ziehn nur Eiſen/ Nicht ſchwer und ſchaͤtzbar Gold. Die Flamm’ und Glut beweiſen An Zedern ihre Krafft; ſind gegen Golde kalt. Und Siſigambis ſol mit welckender Geſtalt Den groſſen Sultan ziehn? des Kaͤyſers Hertze zuͤnden Durch lauen Liebreitz an? Wir ſelber wir empfinden: Daß unſer Armuths-Trieb zu ſchlechter Weyrauch ſey Auff Jbrahims Altar. Ibrah. Die Demuth wohnet bey Meiſt der Vollkommenheit; und die pflegt eigne Sachen/ Die gleich unſchaͤtzbar ſind/ im Urtheil klein zu machen. Sie Siſigambis ſpricht die Schoͤnheit ſchlecht in Jhr/ Mein Geiſt macht aber ſie zu einem Abgott mir. Die Marmel/ die von nichts alß Kaͤlt und Haͤrte wißen/ Zerſchmeltzen/ wenn auff ſie die Augen-Strahlen ſchuͤßen; Die Baͤch’ und Kraͤuter ſind ehrſuͤchtig deinen Fuß Mit Kuͤſſen zu verehr’n. Jch/ Siſigambis/ muß Dein Engliſch Antlitz nicht nur einen Garten ruͤhmen/ Da Lilgen Stirn und Halß/ die Wangen Roſen bluͤmen/ Den Mund Granaten ziern; von dem Verhaͤngnuͤs iſt Die Siſigambis uns zum Paradis erkieſt. Weil wir ja/ auſſer Jhr/ nicht Heil/ nicht Ruhe finden. Siſig. Mag in Jhm Alima nicht ſuͤſſern Brand anzuͤnden? Ja dieſe gantze Burg iſt ein recht Himmelreich/ Das tauſend Sonnen hegt. Ibrah. Ach! keine kein’ iſt gleich Und reicht den Schatten dir! Die guldnen Himmel werden Von einer Sonn’ erhellt. Der groſſe Kraͤyß der Erden Hegt einen Fenix nur: Und in Stambuldens Stadt Jſt eine Gottheit nur/ die uns zum Prieſter hat. O Sonne meiner Seel’/ und Abgott meines Hertzen. Siſig. Man ſiht ein Jrrlicht an offt fuͤr geſtirnte-Kertzen. Ibrah. Wer nicht die Schoͤnheit kenn’t und pruͤfet/ iſt ſtockblind; Wer ſie nicht preiß’t und lieb’t/ ein Stock/ ein alber Kind. Sie/ Siſigambis/ iſt/ ein Zirckel aller Zierden/ Ein Engel dieſer Welt/ ein Labſal der Begierden/ Ein Kleinod unſrer Zeit/ der Menſch und Himmel ſpricht Den guͤldnen Apffel zu. Siſig. Der Kaͤyſer kieſe nicht Fuͤr Demant ſchlechtes Glaß. Jn wenig Zeit erbleichet Des falſchen Purpers Glantz/ den uns Begierde ſtreichet Fuͤr bloͤden Augen an. Nach einſt-gebuͤßter Luſt/ Wird er ſchon Eckel fuͤhl’n fuͤr Siſigambens Bruſt; Ja die Vernunfft in Jhm fuͤr Blind- und Thorheit ſchelten/ Was Ubereilung itzt laͤßt fuͤr Vergnuͤgung gelten. Ibrah. Wahr iſt’s: daß/ was bald waͤchſt/ auch ploͤtzlich ſich verliert. Das Thier beym Hyppanis/ das eine Nacht gebiert/ Stirbt mit dem Abende. Ach! aber/ ach du fehleſt/ Wenn du des Sultans Brand zur Ubereilung zehleſt. Du kenn’ſt des Kaͤyſers Arth: wie vieler Frauen Trieb/ Wie mancher Jahre Reitz bey uns ohnmaͤchtig blieb/ Nur einen ſuͤſſen Brand in unſer Hertz zu ſtecken. Das A ij

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Zitationshilfe: Lohenstein, Daniel Casper von: Ibrahim Sultan. Leipzig, 1673, S. 3. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lohenstein_ibrahim_1673/21>, abgerufen am 24.09.2021.