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Lucius, Samuel: Das Schweitzerische Von Milch und Honig fliessende Canaan. Bern, 1731.

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Das Schweitzerische Canaan.
Essen seye dadurch du in GOtt erstarckest,
in allen Stücken reich werdest und wach-
sest in der Gnad und Erkanntniß JEsu
Christi unsers Heilands, Gen. 17: Matth.
5: 29, 30. Luc. 1: 74. 1. Cor. 1: 5. Die
Kuhe briescher/ wann ihr die safftige/
schmackhaffte Weide versperrt ist.
Ach!
daß es mit dem Gebett gleiche Bewandt-
niß hätte, daß du auch unablässig zu GOtt
schreyest, so offt du etwelche Entfernung
vom innigen Genuß der Liebe GOttes, deß
Lebens Christi und deß Friedens im H.
Geist, in dir verspürest, so lang biß dir
würcklich von GOtt auffgethan wurde das
Thor der Gerechtigkeit, und du hineingehest
dein Heil ferners in stillem Vernügenzu ge-
niessen. Ps. 42: und 63. und 102. Luc. 11: 8.

Daß aber alles, was bißher gesagt, in
GOttes Krafft auß der neuen Creatur mög-
lich seye, nutzlich und nöhtig, das sihest du
in diesem täglichen Geschäfft; Ein Unwis-
sender, der Milch in ihr weissen Farb sehe,
könnte nicht wohl glauben, daß sie auß grü-
nem Graß zubereitet worden; Also, wann
er flüssige Milch und so vesten Käß neben
einandern sehe, wäre er nicht leicht zu bere-
den, daß dieses auß jener gemacht seye;
Wann nun in der Natur selbs viele unmög-
lich scheinende Dinge dennoch täglich ge-
schehen, wie solte es denn GOtt unmöglich

seyn

Das Schweitzeriſche Canaan.
Eſſen ſeye dadurch du in GOtt erſtarckeſt,
in allen Stuͤcken reich werdeſt und wach-
ſeſt in der Gnad und Erkanntniß JEſu
Chriſti unſers Heilands, Gen. 17: Matth.
5: 29, 30. Luc. 1: 74. 1. Cor. 1: 5. Die
Kuhe brieſcher/ wann ihr die ſafftige/
ſchmackhaffte Weide verſperrt iſt.
Ach!
daß es mit dem Gebett gleiche Bewandt-
niß haͤtte, daß du auch unablaͤſſig zu GOtt
ſchreyeſt, ſo offt du etwelche Entfernung
vom innigen Genuß der Liebe GOttes, deß
Lebens Chriſti und deß Friedens im H.
Geiſt, in dir verſpuͤreſt, ſo lang biß dir
wuͤrcklich von GOtt auffgethan wurde das
Thor der Gerechtigkeit, und du hineingeheſt
dein Heil ferners in ſtillem Vernuͤgenzu ge-
nieſſen. Pſ. 42: und 63. und 102. Luc. 11: 8.

Daß aber alles, was bißher geſagt, in
GOttes Krafft auß der neuen Creatur moͤg-
lich ſeye, nutzlich und noͤhtig, das ſiheſt du
in dieſem taͤglichen Geſchaͤfft; Ein Unwiſ-
ſender, der Milch in ihr weiſſen Farb ſehe,
koͤnnte nicht wohl glauben, daß ſie auß gruͤ-
nem Graß zubereitet worden; Alſo, wann
er fluͤſſige Milch und ſo veſten Kaͤß neben
einandern ſehe, waͤre er nicht leicht zu bere-
den, daß dieſes auß jener gemacht ſeye;
Wann nun in der Natur ſelbs viele unmoͤg-
lich ſcheinende Dinge dennoch taͤglich ge-
ſchehen, wie ſolte es denn GOtt unmoͤglich

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[138/0206] Das Schweitzeriſche Canaan. Eſſen ſeye dadurch du in GOtt erſtarckeſt, in allen Stuͤcken reich werdeſt und wach- ſeſt in der Gnad und Erkanntniß JEſu Chriſti unſers Heilands, Gen. 17: Matth. 5: 29, 30. Luc. 1: 74. 1. Cor. 1: 5. Die Kuhe brieſcher/ wann ihr die ſafftige/ ſchmackhaffte Weide verſperrt iſt. Ach! daß es mit dem Gebett gleiche Bewandt- niß haͤtte, daß du auch unablaͤſſig zu GOtt ſchreyeſt, ſo offt du etwelche Entfernung vom innigen Genuß der Liebe GOttes, deß Lebens Chriſti und deß Friedens im H. Geiſt, in dir verſpuͤreſt, ſo lang biß dir wuͤrcklich von GOtt auffgethan wurde das Thor der Gerechtigkeit, und du hineingeheſt dein Heil ferners in ſtillem Vernuͤgenzu ge- nieſſen. Pſ. 42: und 63. und 102. Luc. 11: 8. Daß aber alles, was bißher geſagt, in GOttes Krafft auß der neuen Creatur moͤg- lich ſeye, nutzlich und noͤhtig, das ſiheſt du in dieſem taͤglichen Geſchaͤfft; Ein Unwiſ- ſender, der Milch in ihr weiſſen Farb ſehe, koͤnnte nicht wohl glauben, daß ſie auß gruͤ- nem Graß zubereitet worden; Alſo, wann er fluͤſſige Milch und ſo veſten Kaͤß neben einandern ſehe, waͤre er nicht leicht zu bere- den, daß dieſes auß jener gemacht ſeye; Wann nun in der Natur ſelbs viele unmoͤg- lich ſcheinende Dinge dennoch taͤglich ge- ſchehen, wie ſolte es denn GOtt unmoͤglich ſeyn

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Zitationshilfe: Lucius, Samuel: Das Schweitzerische Von Milch und Honig fliessende Canaan. Bern, 1731, S. 138. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/lucius_canaan_1731/206>, abgerufen am 27.06.2022.