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Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 2. Heidelberg und Leipzig, 1856.

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Accessorische Samendrüsen; Ruthe.
des Samenstrangs (Cremaster) ist ein unwillkührlich beweglicher. -- Die
tunica dartos, welche aus einer Lage gekreuzter Muskelzellen besteht,
verkürzt sich meist nur dann, wenn sie abgekühlt oder mit Elektrizität
geschlagen wird. Zuweilen auch unter der Einwirkung eines Druckes
auf dieselbe. Ueber eine Art von rhytmischer Bewegung in derselben
siehe Betz *).

C. Accessorische Samendrüsen

(vas deferens, Samenblasen,
Prostata).

Ueber ihre Ernährung und die in ihr vorgehende Säftebildung ist
so gut wie nichts bekannt. Die beiden ersten Gebilde sondern eine den
Hodensaft verdünnende Flüssigkeit ab (E. H. Weber) **); denn es ist,
wie das Mikroskop lehrt, die Zahl der Samenfäden im gleichen Volum
des Inhalts der vasa deferentia viel bedeutender, als desjenigen der ve-
siculae seminales. Da man nun keinen Grund hat, anzunehmen, dass
Samenfäden sich in den Bläschen auflösen, so kann die Erscheinung nur
von einer Verdünnung des Hodensaftes durch Zusatz neuer Flüssigkeit
erklärt werden.

D. Das männliche Glied.

Nachdem schon an verschiedenen Stellen von den Schweiss- und
Schleimdrüsen des Penis gehandelt wurde, beschränken wir uns hier auf
die Erektion und die Betheiligung des Gliedes an Samen- und Harn-
entleerung.

1. Die Erektion ***) ist eine von den Veränderungen des Blutstroms
im Penis abhängige Erscheinung, die durch die Nerven desselben eingelei-
tet wird. Die Lumina der Gefässröhren sind nemlich in dem Penis so
angeordnet, dass sich sogleich sehr enge Arterien in relativ weite, von
Balken durchzogene Säcke (corpora cavernosa) münden, welche wieder in
enge Venen übergehen. In diesem Röhrenwerk strömt das Blut nun
entweder in der Art, dass sein Seitendruck nicht genügt, um die Cavernen
auszuspannen, oder dass er beträchtlich genug wird, um sie straff zu pres-
sen gegen die fibrösen Häute bis zur vollkommenen Steifigkeit des Glie-
des. Der Zusammenhang dieser Strömungsänderungen und der Penisnerven
ist durch die Folgen ihrer Zerschneidung bei Pferden erwiesen worden
(Günther); diese Operation beschränkt nemlich ebensowohl die voll-
kommene Steifung, als die vollkommene Erschlaffung des Gliedes. Der
Strom scheint also eine mittlere Spannung anzunehmen. -- Der Mecha-
nismus, welcher diese Stromveränderung einleitet, kann, so weit unsere

*) Henle's u. Pfeufer's Zeitschrift. N. F. I. Bd. 331.
**) Zusätze zur Lehre vom Baue u. d. Verrichtungen der Geschlechtsorgane. Leipzig 1846. 397.
***) Krause, Müller's Archiv. 1837. p. 1. -- Günther, Untersuchungen und Erfahrungen im
Gebiete der Anatomie u. s. w. Hannover 1837. -- Arnold, Anatomie des Menschen. -- Ko-
belt
, Das Wollustorgan. Freiburg 1844. -- Kohlrausch, Zur Anatomie und Physiologie der
Beckenorgane. Leipzig 1854. -- Kölliker, Würzburger Verhandlungen. II. Bd. N. 8 u. 9. --
Hausmann, Ueber die Zeugung und Entstehung des wahren weiblichen Eies u. s. w. Hanno-
ver 1840.

Accessorische Samendrüsen; Ruthe.
des Samenstrangs (Cremaster) ist ein unwillkührlich beweglicher. — Die
tunica dartos, welche aus einer Lage gekreuzter Muskelzellen besteht,
verkürzt sich meist nur dann, wenn sie abgekühlt oder mit Elektrizität
geschlagen wird. Zuweilen auch unter der Einwirkung eines Druckes
auf dieselbe. Ueber eine Art von rhytmischer Bewegung in derselben
siehe Betz *).

C. Accessorische Samendrüsen

(vas deferens, Samenblasen,
Prostata).

Ueber ihre Ernährung und die in ihr vorgehende Säftebildung ist
so gut wie nichts bekannt. Die beiden ersten Gebilde sondern eine den
Hodensaft verdünnende Flüssigkeit ab (E. H. Weber) **); denn es ist,
wie das Mikroskop lehrt, die Zahl der Samenfäden im gleichen Volum
des Inhalts der vasa deferentia viel bedeutender, als desjenigen der ve-
siculae seminales. Da man nun keinen Grund hat, anzunehmen, dass
Samenfäden sich in den Bläschen auflösen, so kann die Erscheinung nur
von einer Verdünnung des Hodensaftes durch Zusatz neuer Flüssigkeit
erklärt werden.

D. Das männliche Glied.

Nachdem schon an verschiedenen Stellen von den Schweiss- und
Schleimdrüsen des Penis gehandelt wurde, beschränken wir uns hier auf
die Erektion und die Betheiligung des Gliedes an Samen- und Harn-
entleerung.

1. Die Erektion ***) ist eine von den Veränderungen des Blutstroms
im Penis abhängige Erscheinung, die durch die Nerven desselben eingelei-
tet wird. Die Lumina der Gefässröhren sind nemlich in dem Penis so
angeordnet, dass sich sogleich sehr enge Arterien in relativ weite, von
Balken durchzogene Säcke (corpora cavernosa) münden, welche wieder in
enge Venen übergehen. In diesem Röhrenwerk strömt das Blut nun
entweder in der Art, dass sein Seitendruck nicht genügt, um die Cavernen
auszuspannen, oder dass er beträchtlich genug wird, um sie straff zu pres-
sen gegen die fibrösen Häute bis zur vollkommenen Steifigkeit des Glie-
des. Der Zusammenhang dieser Strömungsänderungen und der Penisnerven
ist durch die Folgen ihrer Zerschneidung bei Pferden erwiesen worden
(Günther); diese Operation beschränkt nemlich ebensowohl die voll-
kommene Steifung, als die vollkommene Erschlaffung des Gliedes. Der
Strom scheint also eine mittlere Spannung anzunehmen. — Der Mecha-
nismus, welcher diese Stromveränderung einleitet, kann, so weit unsere

*) Henle’s u. Pfeufer’s Zeitschrift. N. F. I. Bd. 331.
**) Zusätze zur Lehre vom Baue u. d. Verrichtungen der Geschlechtsorgane. Leipzig 1846. 397.
***) Krause, Müller’s Archiv. 1837. p. 1. — Günther, Untersuchungen und Erfahrungen im
Gebiete der Anatomie u. s. w. Hannover 1837. — Arnold, Anatomie des Menschen. — Ko-
belt
, Das Wollustorgan. Freiburg 1844. — Kohlrausch, Zur Anatomie und Physiologie der
Beckenorgane. Leipzig 1854. — Kölliker, Würzburger Verhandlungen. II. Bd. N. 8 u. 9. —
Hausmann, Ueber die Zeugung und Entstehung des wahren weiblichen Eies u. s. w. Hanno-
ver 1840.
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[281/0297] Accessorische Samendrüsen; Ruthe. des Samenstrangs (Cremaster) ist ein unwillkührlich beweglicher. — Die tunica dartos, welche aus einer Lage gekreuzter Muskelzellen besteht, verkürzt sich meist nur dann, wenn sie abgekühlt oder mit Elektrizität geschlagen wird. Zuweilen auch unter der Einwirkung eines Druckes auf dieselbe. Ueber eine Art von rhytmischer Bewegung in derselben siehe Betz *). C. Accessorische Samendrüsen (vas deferens, Samenblasen, Prostata). Ueber ihre Ernährung und die in ihr vorgehende Säftebildung ist so gut wie nichts bekannt. Die beiden ersten Gebilde sondern eine den Hodensaft verdünnende Flüssigkeit ab (E. H. Weber) **); denn es ist, wie das Mikroskop lehrt, die Zahl der Samenfäden im gleichen Volum des Inhalts der vasa deferentia viel bedeutender, als desjenigen der ve- siculae seminales. Da man nun keinen Grund hat, anzunehmen, dass Samenfäden sich in den Bläschen auflösen, so kann die Erscheinung nur von einer Verdünnung des Hodensaftes durch Zusatz neuer Flüssigkeit erklärt werden. D. Das männliche Glied. Nachdem schon an verschiedenen Stellen von den Schweiss- und Schleimdrüsen des Penis gehandelt wurde, beschränken wir uns hier auf die Erektion und die Betheiligung des Gliedes an Samen- und Harn- entleerung. 1. Die Erektion ***) ist eine von den Veränderungen des Blutstroms im Penis abhängige Erscheinung, die durch die Nerven desselben eingelei- tet wird. Die Lumina der Gefässröhren sind nemlich in dem Penis so angeordnet, dass sich sogleich sehr enge Arterien in relativ weite, von Balken durchzogene Säcke (corpora cavernosa) münden, welche wieder in enge Venen übergehen. In diesem Röhrenwerk strömt das Blut nun entweder in der Art, dass sein Seitendruck nicht genügt, um die Cavernen auszuspannen, oder dass er beträchtlich genug wird, um sie straff zu pres- sen gegen die fibrösen Häute bis zur vollkommenen Steifigkeit des Glie- des. Der Zusammenhang dieser Strömungsänderungen und der Penisnerven ist durch die Folgen ihrer Zerschneidung bei Pferden erwiesen worden (Günther); diese Operation beschränkt nemlich ebensowohl die voll- kommene Steifung, als die vollkommene Erschlaffung des Gliedes. Der Strom scheint also eine mittlere Spannung anzunehmen. — Der Mecha- nismus, welcher diese Stromveränderung einleitet, kann, so weit unsere *) Henle’s u. Pfeufer’s Zeitschrift. N. F. I. Bd. 331. **) Zusätze zur Lehre vom Baue u. d. Verrichtungen der Geschlechtsorgane. Leipzig 1846. 397. ***) Krause, Müller’s Archiv. 1837. p. 1. — Günther, Untersuchungen und Erfahrungen im Gebiete der Anatomie u. s. w. Hannover 1837. — Arnold, Anatomie des Menschen. — Ko- belt, Das Wollustorgan. Freiburg 1844. — Kohlrausch, Zur Anatomie und Physiologie der Beckenorgane. Leipzig 1854. — Kölliker, Würzburger Verhandlungen. II. Bd. N. 8 u. 9. — Hausmann, Ueber die Zeugung und Entstehung des wahren weiblichen Eies u. s. w. Hanno- ver 1840.

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Zitationshilfe: Ludwig, Carl: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. Bd. 2. Heidelberg und Leipzig, 1856, S. 281. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ludwig_physiologie02_1856/297>, abgerufen am 15.04.2021.