Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.hat / was ist das anders als ein viehisches Sterben? Er fähret davon wie ein Vieh. Ja es wirt einen welt-liebenden noch vnerträglicher fallen als dem Vieh / gieng es dem Menschen nicht anders als ein Vieh / vnd hätte kein ander Leben zu erwarten / were er zu entschuldigen / daß er nach einem andern Leben nicht getrachtet habe / weil aber gewißlich nach diesem ein anders Leben zu erwarten ist / ists freylich kein Lob / nur leben vnnd sterben wie das Vieh. Darauß ist nun dieser Schluß zu fassen / daß derselbe vbel bey sich thue / der nicht nach geistlicher Weißheit trachtet / er lebe auff Erden in Würden oder nicht / lebt er in der Würde vnd gedencket / als wann er nichts mehr bedürffe / vnd an seiner weltlichen Würde genug habe / betriegt er sich gar zu sehr in seinen eignen Gedancken. Die zeitliche Glückseligkeit solte einen Menschen billig dahin treiben / daß er Gott so viel mehr danckbar were / so viel höher er über andere an zeitlichem Glück erhaben / da entgegen findet man leyder in der gantzen Welt dise schändliche Vnart / dz der grosse Gott für seine Güter von keinen Menschen weniger Danck bekommet als von denen / die er mit zeitlichem Glück für andern angesehen hat / wiewol solches gemein / solts darumm klüglich gethan heissen? Solt ein vernünfftiger Mensch nicht weiter sehen / als auff das / was für Augen ist? Solte er nit daran hat / was ist das anders als ein viehisches Sterben? Er fähret davon wie ein Vieh. Ja es wirt einẽ welt-liebenden noch vnerträglicher fallen als dem Vieh / gieng es dem Menschen nicht anders als ein Vieh / vnd hätte kein ander Leben zu erwarten / were er zu entschuldigen / daß er nach einem andern Leben nicht getrachtet habe / weil aber gewißlich nach diesem ein anders Leben zu erwarten ist / ists freylich kein Lob / nur leben vnnd sterben wie das Vieh. Darauß ist nun dieser Schluß zu fassen / daß derselbe vbel bey sich thue / der nicht nach geistlicher Weißheit trachtet / er lebe auff Erden in Würden oder nicht / lebt er in der Würde vnd gedencket / als wann er nichts mehr bedürffe / vnd an seiner weltlichen Würde genug habe / betriegt er sich gar zu sehr in seinen eignen Gedancken. Die zeitliche Glückseligkeit solte einen Menschen billig dahin treiben / daß er Gott so viel mehr danckbar were / so viel höher er über andere an zeitlichem Glück erhaben / da entgegen findet man leyder in der gantzẽ Welt dise schändliche Vnart / dz der grosse Gott für seine Güter von keinẽ Menschen weniger Danck bekom̃et als von denen / die er mit zeitlichem Glück für andern angesehen hat / wiewol solches gemein / solts darum̃ klüglich gethan heissen? Solt ein vernünfftiger Mensch nicht weiter sehen / als auff das / was für Augen ist? Solte er nit daran <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0010" n="10"/> hat / was ist das anders als ein viehisches Sterben? Er fähret davon wie ein Vieh. Ja es wirt einẽ welt-liebenden noch vnerträglicher fallen als dem Vieh / gieng es dem Menschen nicht anders als ein Vieh / vnd hätte kein ander Leben zu erwarten / were er zu entschuldigen / daß er nach einem andern Leben nicht getrachtet habe / weil aber gewißlich nach diesem ein anders Leben zu erwarten ist / ists freylich kein Lob / nur leben vnnd sterben wie das Vieh.</p> <p>Darauß ist nun dieser Schluß zu fassen / daß derselbe vbel bey sich thue / der nicht nach geistlicher Weißheit trachtet / er lebe auff Erden in Würden oder nicht / lebt er in der Würde vnd gedencket / als wann er nichts mehr bedürffe / vnd an seiner weltlichen Würde genug habe / betriegt er sich gar zu sehr in seinen eignen Gedancken. Die zeitliche Glückseligkeit solte einen Menschen billig dahin treiben / daß er Gott so viel mehr danckbar were / so viel höher er über andere an zeitlichem Glück erhaben / da entgegen findet man leyder in der gantzẽ Welt dise schändliche Vnart / dz der grosse Gott für seine Güter von keinẽ Menschen weniger Danck bekom̃et als von denen / die er mit zeitlichem Glück für andern angesehen hat / wiewol solches gemein / solts darum̃ klüglich gethan heissen? Solt ein vernünfftiger Mensch nicht weiter sehen / als auff das / was für Augen ist? Solte er nit daran </p> </div> </body> </text> </TEI> [10/0010]
hat / was ist das anders als ein viehisches Sterben? Er fähret davon wie ein Vieh. Ja es wirt einẽ welt-liebenden noch vnerträglicher fallen als dem Vieh / gieng es dem Menschen nicht anders als ein Vieh / vnd hätte kein ander Leben zu erwarten / were er zu entschuldigen / daß er nach einem andern Leben nicht getrachtet habe / weil aber gewißlich nach diesem ein anders Leben zu erwarten ist / ists freylich kein Lob / nur leben vnnd sterben wie das Vieh.
Darauß ist nun dieser Schluß zu fassen / daß derselbe vbel bey sich thue / der nicht nach geistlicher Weißheit trachtet / er lebe auff Erden in Würden oder nicht / lebt er in der Würde vnd gedencket / als wann er nichts mehr bedürffe / vnd an seiner weltlichen Würde genug habe / betriegt er sich gar zu sehr in seinen eignen Gedancken. Die zeitliche Glückseligkeit solte einen Menschen billig dahin treiben / daß er Gott so viel mehr danckbar were / so viel höher er über andere an zeitlichem Glück erhaben / da entgegen findet man leyder in der gantzẽ Welt dise schändliche Vnart / dz der grosse Gott für seine Güter von keinẽ Menschen weniger Danck bekom̃et als von denen / die er mit zeitlichem Glück für andern angesehen hat / wiewol solches gemein / solts darum̃ klüglich gethan heissen? Solt ein vernünfftiger Mensch nicht weiter sehen / als auff das / was für Augen ist? Solte er nit daran
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 10. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/10>, abgerufen am 06.08.2024. |


