Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.haben / so wäre es doch zu leicht / so mans würde auff die Wage legen / gegen der zukünfftigen Herrligkeit. Das Leyden / wie lang es auch wehret / ist doch nur zeitlich / die Frewde aber ist ewig. Wie nun eine Feder nicht kan gerechnet werden gegen einem Centner / ein Sandkörnlein gegen einem grossen Berg / ein Tröpflein gegen dem grossen Meer / also auch gilt kein Leyden gegen die künfftige Seligkeit / ja jenes gilt noch etwas / denn das Meer ist nicht vnendlich / vnd wie es bestehet auß vielen Tröpflein / also wächset es auch durch viele Tröpflein / aber vnsere Herrligkeit / die wir hoffen / ist vnendlich allezeit / da ist die vnmäßliche Fülle aller Güter / vnd erstrecket sich biß in die vnendliche Seligkeit. Denn es wird da erfüllet / was Christus seinen Glaubigen zusaget: Ihr habet nun zwar Trawrigkeit / aber ich will euchJoh. 16, 22. wieder sehen / vnd ewer Hertz soll sich frewen / vnd ewer Frewde soll niemand von euch nehmen. Also weiß Paulus der Christen Trübsal anzusehen / wann er saget: Wir haltens dafür / daß dieser Zeit Leyden nicht werth sey der Herrligkeit / die an vns soll offenbaret werden. Solchen Sinn sollen wir auch haben / denn gleich wie in der that vnser Leyden der künfftigen Herrligkeit vnwerth ist / also sollen wir es auch für vnwerth halten / vnd sagen / Ich halte diß mein Leyden viel zu gering gegen der Herrligkeit / die darunter verborgen ist / denn es ist der Christen Trübsal gleichsam eine heßliche Larve / darunter ein schön Bild verborgen ist / Da spricht die glaubige Seele / nur her / du erschreckest mich nicht / ich kenne dich wol. Vnd in solcher Betrachtung übergeben wir vns dem Leyden deste williger / da es sonst der Natur was hart würde für kommen. Nun folget das Exempel der Creaturen vnd der Heiligen /II. Patientis expectationis duplex exemplum. die mit Gedult jhr Creutze tragen / in Hoffnung der endlichen Erlösung / darnach sie auch seufftzen vnd sehnen. Welches denn nicht allein zum Exempel der Gedult vnd Hoffnung vns für gestellet ist / sondern auch zu einem gewissen Gezeugnüß. Es zeuget ja GOtt haben / so wäre es doch zu leicht / so mans würde auff die Wage legen / gegen der zukünfftigen Herrligkeit. Das Leyden / wie lang es auch wehret / ist doch nur zeitlich / die Frewde aber ist ewig. Wie nun eine Feder nicht kan gerechnet werden gegen einem Centner / ein Sandkörnlein gegen einem grossen Berg / ein Tröpflein gegen dem grossen Meer / also auch gilt kein Leyden gegen die künfftige Seligkeit / ja jenes gilt noch etwas / denn das Meer ist nicht vnendlich / vnd wie es bestehet auß vielen Tröpflein / also wächset es auch durch viele Tröpflein / aber vnsere Herrligkeit / die wir hoffen / ist vnendlich allezeit / da ist die vnmäßliche Fülle aller Güter / vnd erstrecket sich biß in die vnendliche Seligkeit. Denn es wird da erfüllet / was Christus seinen Glaubigen zusaget: Ihr habet nun zwar Trawrigkeit / aber ich will euchJoh. 16, 22. wieder sehen / vnd ewer Hertz soll sich frewen / vnd ewer Frewde soll niemand von euch nehmen. Also weiß Paulus der Christen Trübsal anzusehen / wann er saget: Wir haltens dafür / daß dieser Zeit Leyden nicht werth sey der Herrligkeit / die an vns soll offenbaret werden. Solchen Sinn sollen wir auch haben / denn gleich wie in der that vnser Leyden der künfftigen Herrligkeit vnwerth ist / also sollen wir es auch für vnwerth halten / vnd sagen / Ich halte diß mein Leyden viel zu gering gegen der Herrligkeit / die darunter verborgen ist / denn es ist der Christen Trübsal gleichsam eine heßliche Larve / darunter ein schön Bild verborgen ist / Da spricht die glaubige Seele / nur her / du erschreckest mich nicht / ich kenne dich wol. Vnd in solcher Betrachtung übergeben wir vns dem Leyden deste williger / da es sonst der Natur was hart würde für kommen. Nun folget das Exempel der Creaturen vnd der Heiligen /II. Patientis expectationis duplex exemplum. die mit Gedult jhr Creutze tragen / in Hoffnung der endlichen Erlösung / darnach sie auch seufftzen vnd sehnen. Welches denn nicht allein zum Exempel der Gedult vnd Hoffnung vns für gestellet ist / sondern auch zu einem gewissen Gezeugnüß. Es zeuget ja GOtt <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0107" n="91"/> haben / so wäre es doch zu leicht / so mans würde auff die Wage legen / gegen der zukünfftigen Herrligkeit. Das Leyden / wie lang es auch wehret / ist doch nur zeitlich / die Frewde aber ist ewig. Wie nun eine Feder nicht kan gerechnet werden gegen einem Centner / ein Sandkörnlein gegen einem grossen Berg / ein Tröpflein gegen dem grossen Meer / also auch gilt kein Leyden gegen die künfftige Seligkeit / ja jenes gilt noch etwas / denn das Meer ist nicht vnendlich / vnd wie es bestehet auß vielen Tröpflein / also wächset es auch durch viele Tröpflein / aber vnsere Herrligkeit / die wir hoffen / ist vnendlich allezeit / da ist die vnmäßliche Fülle aller Güter / vnd erstrecket sich biß in die vnendliche Seligkeit. Denn es wird da erfüllet / was Christus seinen Glaubigen zusaget: Ihr habet nun zwar Trawrigkeit / aber ich will euch<note place="right">Joh. 16, 22.</note> wieder sehen / vnd ewer Hertz soll sich frewen / vnd ewer Frewde soll niemand von euch nehmen.</p> <p>Also weiß Paulus der Christen Trübsal anzusehen / wann er saget: Wir haltens dafür / daß dieser Zeit Leyden nicht werth sey der Herrligkeit / die an vns soll offenbaret werden. Solchen Sinn sollen wir auch haben / denn gleich wie in der that vnser Leyden der künfftigen Herrligkeit vnwerth ist / also sollen wir es auch für vnwerth halten / vnd sagen / Ich halte diß mein Leyden viel zu gering gegen der Herrligkeit / die darunter verborgen ist / denn es ist der Christen Trübsal gleichsam eine heßliche Larve / darunter ein schön Bild verborgen ist / Da spricht die glaubige Seele / nur her / du erschreckest mich nicht / ich kenne dich wol. Vnd in solcher Betrachtung übergeben wir vns dem Leyden deste williger / da es sonst der Natur was hart würde für kommen.</p> <p>Nun folget das Exempel der Creaturen vnd der Heiligen /<note place="right">II. Patientis expectationis duplex exemplum.</note> die mit Gedult jhr Creutze tragen / in Hoffnung der endlichen Erlösung / darnach sie auch seufftzen vnd sehnen. Welches denn nicht allein zum Exempel der Gedult vnd Hoffnung vns für gestellet ist / sondern auch zu einem gewissen Gezeugnüß. Es zeuget ja GOtt </p> </div> </body> </text> </TEI> [91/0107]
haben / so wäre es doch zu leicht / so mans würde auff die Wage legen / gegen der zukünfftigen Herrligkeit. Das Leyden / wie lang es auch wehret / ist doch nur zeitlich / die Frewde aber ist ewig. Wie nun eine Feder nicht kan gerechnet werden gegen einem Centner / ein Sandkörnlein gegen einem grossen Berg / ein Tröpflein gegen dem grossen Meer / also auch gilt kein Leyden gegen die künfftige Seligkeit / ja jenes gilt noch etwas / denn das Meer ist nicht vnendlich / vnd wie es bestehet auß vielen Tröpflein / also wächset es auch durch viele Tröpflein / aber vnsere Herrligkeit / die wir hoffen / ist vnendlich allezeit / da ist die vnmäßliche Fülle aller Güter / vnd erstrecket sich biß in die vnendliche Seligkeit. Denn es wird da erfüllet / was Christus seinen Glaubigen zusaget: Ihr habet nun zwar Trawrigkeit / aber ich will euch wieder sehen / vnd ewer Hertz soll sich frewen / vnd ewer Frewde soll niemand von euch nehmen.
Joh. 16, 22. Also weiß Paulus der Christen Trübsal anzusehen / wann er saget: Wir haltens dafür / daß dieser Zeit Leyden nicht werth sey der Herrligkeit / die an vns soll offenbaret werden. Solchen Sinn sollen wir auch haben / denn gleich wie in der that vnser Leyden der künfftigen Herrligkeit vnwerth ist / also sollen wir es auch für vnwerth halten / vnd sagen / Ich halte diß mein Leyden viel zu gering gegen der Herrligkeit / die darunter verborgen ist / denn es ist der Christen Trübsal gleichsam eine heßliche Larve / darunter ein schön Bild verborgen ist / Da spricht die glaubige Seele / nur her / du erschreckest mich nicht / ich kenne dich wol. Vnd in solcher Betrachtung übergeben wir vns dem Leyden deste williger / da es sonst der Natur was hart würde für kommen.
Nun folget das Exempel der Creaturen vnd der Heiligen / die mit Gedult jhr Creutze tragen / in Hoffnung der endlichen Erlösung / darnach sie auch seufftzen vnd sehnen. Welches denn nicht allein zum Exempel der Gedult vnd Hoffnung vns für gestellet ist / sondern auch zu einem gewissen Gezeugnüß. Es zeuget ja GOtt
II. Patientis expectationis duplex exemplum.
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools
|
| URL zu diesem Werk: | https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652 |
| URL zu dieser Seite: | https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/107 |
| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 91. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/107>, abgerufen am 06.08.2024. |


