Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.vnd fast keine Creatur ist / die nicht eine Portion jhres Gutes vnd jhres Wesens in den Menschen geleget habe. Wann dann der menschliche Leib geehret wird / so werden in jhme auch die Creaturen geehret / solches werden sie mit lust anschawen / vnd sich frewen. Doch aber das fürnembste / darauff sie sehen in jhrem ängsilichen harren / ist die Hoffnung der Erfreyung von dem vergänglichen Wesen / von welchem sie nicht erfreyet werden / biß daß komme die Offenbarung in Erfreyung der Kinder Gottes. Damit wir aber nicht meynen / es sey nur eine verblümbte3. Expectationis certitudo. Rede / was der Apostel vom Leyden / Gedult / Hoffnung vnd Harren gesagt hat / bekräfftiget er seine Rede mit diesem Zusatz: WirV. 22. wissen / daß alle Creatur sehnet sich mit vns / vnd ängstiget sich noch jmmerdar. Vorhin hat der Apostel die Creaturen vns fürgestellet / als eine menge Volcks / die mit auffgerecktem Halse warten auff den Einzug jhres Fürsten / als wolten sie sagen: Kompt er nicht balde? Hie stellek er sie vns für / als ein gebärendes Weib / dem angst zur Geburt wird / vnd nichts lieber sihet / als daß die Stunde fürüber wäre / darin sie gebären solle: denn eben also schreyet vnd ängstiget sich die Creatur / vnd wolte jhrer Bürde gern loß seyn. Vor der Sünde dieneten die Creaturen dem Menschen mit lust / aber nach der Sünde ist die Creatur mit beschweret / in dem sie der Eitelkeit dienen muß / davon begehret sie / als von einer schweren Last / gern loß zu seyn. Darumb seufftzet sie. Wann die Creaturen den Gottlosen dienen müssen / wider den Frommen / oder zu Schmach deß Schöpffers / darüber seufftzen sie / sampt den Frommen. Die Erde trifft der Fluch mit nach den Sünden / vnd muß noch dazu den Sündern in jhren Sünden dienen / sie tragen vnd nehren / das ist jhre Angst / darüber seufftzet sie. Das Meer vnd alle Wasser seynd beschweret / die Schandlappen in jhrem Vnflat zu reinigen / in Hitze zu kühlen / in Durst zu träncken / sie wolten dieselbe lieber verschlingen / oder selbst gar versiegen vnd vertrocknen; weil sie vnd fast keine Creatur ist / die nicht eine Portion jhres Gutes vnd jhres Wesens in den Menschen geleget habe. Wann dann der menschliche Leib geehret wird / so werden in jhme auch die Creaturen geehret / solches werden sie mit lust anschawen / vnd sich frewen. Doch aber das fürnembste / darauff sie sehen in jhrem ängsilichen harren / ist die Hoffnung der Erfreyung von dem vergänglichen Wesen / von welchem sie nicht erfreyet werden / biß daß komme die Offenbarung in Erfreyung der Kinder Gottes. Damit wir aber nicht meynen / es sey nur eine verblümbte3. Expectationis certitudo. Rede / was der Apostel vom Leyden / Gedult / Hoffnung vnd Harren gesagt hat / bekräfftiget er seine Rede mit diesem Zusatz: WirV. 22. wissen / daß alle Creatur sehnet sich mit vns / vnd ängstiget sich noch jmmerdar. Vorhin hat der Apostel die Creaturen vns fürgestellet / als eine menge Volcks / die mit auffgerecktem Halse warten auff den Einzug jhres Fürsten / als wolten sie sagen: Kompt er nicht balde? Hie stellek er sie vns für / als ein gebärendes Weib / dem angst zur Geburt wird / vnd nichts lieber sihet / als daß die Stunde fürüber wäre / darin sie gebären solle: denn eben also schreyet vnd ängstiget sich die Creatur / vnd wolte jhrer Bürde gern loß seyn. Vor der Sünde dieneten die Creaturen dem Menschen mit lust / aber nach der Sünde ist die Creatur mit beschweret / in dem sie der Eitelkeit dienen muß / davon begehret sie / als von einer schweren Last / gern loß zu seyn. Darumb seufftzet sie. Wann die Creaturen den Gottlosen dienen müssen / wider den Frommen / oder zu Schmach deß Schöpffers / darüber seufftzen sie / sampt den Frommen. Die Erde trifft der Fluch mit nach den Sünden / vnd muß noch dazu den Sündern in jhren Sünden dienen / sie tragen vnd nehren / das ist jhre Angst / darüber seufftzet sie. Das Meer vnd alle Wasser seynd beschweret / die Schandlappen in jhrem Vnflat zu reinigen / in Hitze zu kühlen / in Durst zu träncken / sie wolten dieselbe lieber verschlingen / oder selbst gar versiegen vnd vertrocknen; weil sie <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0113" n="97"/> vnd fast keine Creatur ist / die nicht eine Portion jhres Gutes vnd jhres Wesens in den Menschen geleget habe. Wann dann der menschliche Leib geehret wird / so werden in jhme auch die Creaturen geehret / solches werden sie mit lust anschawen / vnd sich frewen. 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Hie stellek er sie vns für / als ein gebärendes Weib / dem angst zur Geburt wird / vnd nichts lieber sihet / als daß die Stunde fürüber wäre / darin sie gebären solle: denn eben also schreyet vnd ängstiget sich die Creatur / vnd wolte jhrer Bürde gern loß seyn. Vor der Sünde dieneten die Creaturen dem Menschen mit lust / aber nach der Sünde ist die Creatur mit beschweret / in dem sie der Eitelkeit dienen muß / davon begehret sie / als von einer schweren Last / gern loß zu seyn. Darumb seufftzet sie. Wann die Creaturen den Gottlosen dienen müssen / wider den Frommen / oder zu Schmach deß Schöpffers / darüber seufftzen sie / sampt den Frommen. Die Erde trifft der Fluch mit nach den Sünden / vnd muß noch dazu den Sündern in jhren Sünden dienen / sie tragen vnd nehren / das ist jhre Angst / darüber seufftzet sie. Das Meer vnd alle Wasser seynd beschweret / die Schandlappen in jhrem Vnflat zu reinigen / in Hitze zu kühlen / in Durst zu träncken / sie wolten dieselbe lieber verschlingen / oder selbst gar versiegen vnd vertrocknen; weil sie </p> </div> </body> </text> </TEI> [97/0113]
vnd fast keine Creatur ist / die nicht eine Portion jhres Gutes vnd jhres Wesens in den Menschen geleget habe. Wann dann der menschliche Leib geehret wird / so werden in jhme auch die Creaturen geehret / solches werden sie mit lust anschawen / vnd sich frewen. Doch aber das fürnembste / darauff sie sehen in jhrem ängsilichen harren / ist die Hoffnung der Erfreyung von dem vergänglichen Wesen / von welchem sie nicht erfreyet werden / biß daß komme die Offenbarung in Erfreyung der Kinder Gottes.
Damit wir aber nicht meynen / es sey nur eine verblümbte Rede / was der Apostel vom Leyden / Gedult / Hoffnung vnd Harren gesagt hat / bekräfftiget er seine Rede mit diesem Zusatz: Wir wissen / daß alle Creatur sehnet sich mit vns / vnd ängstiget sich noch jmmerdar.
3. Expectationis certitudo.
V. 22. Vorhin hat der Apostel die Creaturen vns fürgestellet / als eine menge Volcks / die mit auffgerecktem Halse warten auff den Einzug jhres Fürsten / als wolten sie sagen: Kompt er nicht balde? Hie stellek er sie vns für / als ein gebärendes Weib / dem angst zur Geburt wird / vnd nichts lieber sihet / als daß die Stunde fürüber wäre / darin sie gebären solle: denn eben also schreyet vnd ängstiget sich die Creatur / vnd wolte jhrer Bürde gern loß seyn. Vor der Sünde dieneten die Creaturen dem Menschen mit lust / aber nach der Sünde ist die Creatur mit beschweret / in dem sie der Eitelkeit dienen muß / davon begehret sie / als von einer schweren Last / gern loß zu seyn. Darumb seufftzet sie. Wann die Creaturen den Gottlosen dienen müssen / wider den Frommen / oder zu Schmach deß Schöpffers / darüber seufftzen sie / sampt den Frommen. Die Erde trifft der Fluch mit nach den Sünden / vnd muß noch dazu den Sündern in jhren Sünden dienen / sie tragen vnd nehren / das ist jhre Angst / darüber seufftzet sie. Das Meer vnd alle Wasser seynd beschweret / die Schandlappen in jhrem Vnflat zu reinigen / in Hitze zu kühlen / in Durst zu träncken / sie wolten dieselbe lieber verschlingen / oder selbst gar versiegen vnd vertrocknen; weil sie
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 97. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/113>, abgerufen am 06.08.2024. |


