Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.aber dienen müssen / so ängstigen sie sich / vnd seufftzen. Ein Pferd seufftzet / wann es einen Lasterbalg tragen soll / vnd wolte jhm viel lieber den Halß zerbrechen / als tragen. Ein Ochs seufftzet vnter seiner Last / darunter er gedruckt wird / zum Bauch dienst so vieler gottlosen Menschen. Eine Kuhe seufftzet / wann sie jhre süsse Milch muß von sich lassen / vnd wolte lieber Gifft für Milch geben. Ein Schaaff seufftzet / wann es beschoren wird / vnd wolte gerne Disteln vnd Dorn für Wolle tragen. Vnd was wollen wir von dem herrlichen Schein der Sonnen sagen / wie muß sie seufftzen / wann sie so vielem bösen in der gantzen Welt muß zusehen / vnd jhren Schein dazu verleihen? In Summa / alle Creaturen mit einander seufftzen vnd schreyen: Ach / ach / ist noch kein ende deß Jammers? seynd wir doch eitel gefangene Knechte der Eitelkeit. Mit solchem schreyen klagen sie die Gottlosen für GOtt an / als Tyrannen. So mannichmal ein Mensch sündiget / so mannichmal macht er / daß alle die Crcaturen / die bey seiner Sünde jhm dienen müssen / als die Lufft / darin er lebet / vnd die Erde / die jhn muß tragen / vnd was jhm mehr dienet / das alles seufftzet wider jhn / vnd klaget jhn an für GOtt / als jhren Tyrannen / der die Creaturen belästige / also daß sie viel lieber nicht wolten seyn / denn also beschweret seyn. Solch Zettergeschrey der Creaturen ist nicht außzusprechen. Denn wie viel seynd der Creaturen / die also vnter jhrer Last seufftzen vnd schreyen? Wer kan sie alle zehlen. Vnd solch Geschrey wird grösser / so mannichmal auffs newe eine Sünde begangen wird. Das muß ein Geschrey geben! Wer solte wol den Creaturen angesehen haben / daß sie sich so ängstigen? Wer solte glauben / daß sie also schreyen? Doch ists wahr / der Apostel sagt: Wir wissens / daß es also sey. Ob wol die Creaturen nicht haben eine Zunge vnd Sprach / die du verstehest / so haben sie doch eine solche Zunge vnd Sprach / die der Geist Gottes höret vnd verstehet. Kein Mensch kans glauben / aber dienen müssen / so ängstigen sie sich / vnd seufftzen. Ein Pferd seufftzet / wann es einen Lasterbalg tragen soll / vnd wolte jhm viel lieber den Halß zerbrechen / als tragen. Ein Ochs seufftzet vnter seiner Last / darunter er gedruckt wird / zum Bauch dienst so vieler gottlosen Menschen. Eine Kuhe seufftzet / wann sie jhre süsse Milch muß von sich lassen / vnd wolte lieber Gifft für Milch geben. Ein Schaaff seufftzet / wann es beschoren wird / vnd wolte gerne Disteln vnd Dorn für Wolle tragen. Vnd was wollen wir von dem herrlichen Schein der Sonnen sagen / wie muß sie seufftzen / wann sie so vielem bösen in der gantzen Welt muß zusehen / vnd jhren Schein dazu verleihen? In Summa / alle Creaturen mit einander seufftzen vnd schreyen: Ach / ach / ist noch kein ende deß Jammers? seynd wir doch eitel gefangene Knechte der Eitelkeit. Mit solchem schreyen klagen sie die Gottlosen für GOtt an / als Tyrannen. So mannichmal ein Mensch sündiget / so mannichmal macht er / daß alle die Crcaturen / die bey seiner Sünde jhm dienen müssen / als die Lufft / darin er lebet / vnd die Erde / die jhn muß tragen / vnd was jhm mehr dienet / das alles seufftzet wider jhn / vnd klaget jhn an für GOtt / als jhren Tyrannen / der die Creaturen belästige / also daß sie viel lieber nicht wolten seyn / denn also beschweret seyn. Solch Zettergeschrey der Creaturen ist nicht außzusprechen. Denn wie viel seynd der Creaturen / die also vnter jhrer Last seufftzen vnd schreyen? Wer kan sie alle zehlen. Vnd solch Geschrey wird grösser / so mannichmal auffs newe eine Sünde begangen wird. Das muß ein Geschrey geben! Wer solte wol den Creaturen angesehen haben / daß sie sich so ängstigen? Wer solte glauben / daß sie also schreyen? Doch ists wahr / der Apostel sagt: Wir wissens / daß es also sey. Ob wol die Creaturen nicht haben eine Zunge vnd Sprach / die du verstehest / so haben sie doch eine solche Zunge vnd Sprach / die der Geist Gottes höret vnd verstehet. Kein Mensch kans glauben / <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0114" n="98"/> aber dienen müssen / so ängstigen sie sich / vnd seufftzen. Ein Pferd seufftzet / wann es einen Lasterbalg tragen soll / vnd wolte jhm viel lieber den Halß zerbrechen / als tragen. Ein Ochs seufftzet vnter seiner Last / darunter er gedruckt wird / zum Bauch dienst so vieler gottlosen Menschen. Eine Kuhe seufftzet / wann sie jhre süsse Milch muß von sich lassen / vnd wolte lieber Gifft für Milch geben. Ein Schaaff seufftzet / wann es beschoren wird / vnd wolte gerne Disteln vnd Dorn für Wolle tragen. Vnd was wollen wir von dem herrlichen Schein der Sonnen sagen / wie muß sie seufftzen / wann sie so vielem bösen in der gantzen Welt muß zusehen / vnd jhren Schein dazu verleihen? In Summa / alle Creaturen mit einander seufftzen vnd schreyen: Ach / ach / ist noch kein ende deß Jammers? seynd wir doch eitel gefangene Knechte der Eitelkeit. Mit solchem schreyen klagen sie die Gottlosen für GOtt an / als Tyrannen. So mannichmal ein Mensch sündiget / so mannichmal macht er / daß alle die Crcaturen / die bey seiner Sünde jhm dienen müssen / als die Lufft / darin er lebet / vnd die Erde / die jhn muß tragen / vnd was jhm mehr dienet / das alles seufftzet wider jhn / vnd klaget jhn an für GOtt / als jhren Tyrannen / der die Creaturen belästige / also daß sie viel lieber nicht wolten seyn / denn also beschweret seyn. Solch Zettergeschrey der Creaturen ist nicht außzusprechen. Denn wie viel seynd der Creaturen / die also vnter jhrer Last seufftzen vnd schreyen? Wer kan sie alle zehlen. 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aber dienen müssen / so ängstigen sie sich / vnd seufftzen. Ein Pferd seufftzet / wann es einen Lasterbalg tragen soll / vnd wolte jhm viel lieber den Halß zerbrechen / als tragen. Ein Ochs seufftzet vnter seiner Last / darunter er gedruckt wird / zum Bauch dienst so vieler gottlosen Menschen. Eine Kuhe seufftzet / wann sie jhre süsse Milch muß von sich lassen / vnd wolte lieber Gifft für Milch geben. Ein Schaaff seufftzet / wann es beschoren wird / vnd wolte gerne Disteln vnd Dorn für Wolle tragen. Vnd was wollen wir von dem herrlichen Schein der Sonnen sagen / wie muß sie seufftzen / wann sie so vielem bösen in der gantzen Welt muß zusehen / vnd jhren Schein dazu verleihen? In Summa / alle Creaturen mit einander seufftzen vnd schreyen: Ach / ach / ist noch kein ende deß Jammers? seynd wir doch eitel gefangene Knechte der Eitelkeit. Mit solchem schreyen klagen sie die Gottlosen für GOtt an / als Tyrannen. So mannichmal ein Mensch sündiget / so mannichmal macht er / daß alle die Crcaturen / die bey seiner Sünde jhm dienen müssen / als die Lufft / darin er lebet / vnd die Erde / die jhn muß tragen / vnd was jhm mehr dienet / das alles seufftzet wider jhn / vnd klaget jhn an für GOtt / als jhren Tyrannen / der die Creaturen belästige / also daß sie viel lieber nicht wolten seyn / denn also beschweret seyn. Solch Zettergeschrey der Creaturen ist nicht außzusprechen. Denn wie viel seynd der Creaturen / die also vnter jhrer Last seufftzen vnd schreyen? Wer kan sie alle zehlen. Vnd solch Geschrey wird grösser / so mannichmal auffs newe eine Sünde begangen wird. Das muß ein Geschrey geben!
Wer solte wol den Creaturen angesehen haben / daß sie sich so ängstigen? Wer solte glauben / daß sie also schreyen? Doch ists wahr / der Apostel sagt: Wir wissens / daß es also sey. Ob wol die Creaturen nicht haben eine Zunge vnd Sprach / die du verstehest / so haben sie doch eine solche Zunge vnd Sprach / die der Geist Gottes höret vnd verstehet. Kein Mensch kans glauben /
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 98. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/114>, abgerufen am 06.08.2024. |


