Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.So bezeuget nun der Apostel / daß alle Glaubige / die deß2. Expectationis causa. Geistes Erstling empfangen haben / warten / vnd bey jhnen selbsten sich sehnen nach jhrem Erbe / vnd völligen Genieß der Kindschafft / wie auch nach jhres Leibes Erlösung. Die Creaturen warten auch auff jhre Erfreyung / aber an der Kindschafft haben sie kein theil. Wir warten nicht alle darauff / daß wir von der Last erfreyet werden; sondern auch / daß wir das Erbe an Gottes Reich einnehmen / als Kinder Gottes / die Fülle alles guten / vnd aller Seligkeit / vnd aller Herrligkeit. Die Vrsach solches Verlangens ist eben dasselbe / daß wir deß Geistes Erstling empfangen haben. Weil wir den Geist Christi haben / erkennen wir den gegenwärtigen Jammer im Fleisch vnd in der Welt / vnd die Seligkeit / die in GOtt verborgen ist. Weil wir aber nur die erste Frucht deß Geistes haben / macht vns das durstig / noch mehr vom Reich Gottes zu geniessen. Daher entspringt das Verlangen. Vnd eben diß ists / das Paulus selbsten an diese Legion hinan hänget: Wir sind wol selig / doch in der Hoffnung.V. 24. 25. Die Hoffnung aber / die man sihet / ist nicht Hoffnung; denn wie kan man deß hoffen / das man sihet? So wir aber deß hoffen / das wir nicht sehen / so warten wir sein durch Gedult. Ist so viel gesaget: Was man hoffet / vnd nicht sihet / deß muß man warten durch Gedult. Nun ists aber mit vnser Seligkeit so beschaffen / wir hoffen sie / vnd sehen sie nicht. Darumb kans anders nicht seyn / wir müssen vnser Seligkeit warten durch Gedult. Hie merck die Art deiner Seligkeit. Wir seynd wol selig / doch in der Hoffnung. Wir heissen die Todten selig; wie man sagt: Mein seliger Vatter / mein seliger Bruder; vnd reden recht daran / so sie nur im Glauben Jesu Christi entschlaffen seyn; denn selig seynd die Todten / die im HERRN sterben. Wie aber / seynd So bezeuget nun der Apostel / daß alle Glaubige / die deß2. Expectationis causa. Geistes Erstling empfangen haben / warten / vnd bey jhnen selbsten sich sehnen nach jhrem Erbe / vnd völligen Genieß der Kindschafft / wie auch nach jhres Leibes Erlösung. Die Creaturen warten auch auff jhre Erfreyung / aber an der Kindschafft haben sie kein theil. Wir warten nicht alle darauff / daß wir von der Last erfreyet werden; sondern auch / daß wir das Erbe an Gottes Reich einnehmen / als Kinder Gottes / die Fülle alles guten / vnd aller Seligkeit / vnd aller Herrligkeit. Die Vrsach solches Verlangens ist eben dasselbe / daß wir deß Geistes Erstling empfangen haben. Weil wir den Geist Christi haben / erkennen wir den gegenwärtigen Jammer im Fleisch vnd in der Welt / vnd die Seligkeit / die in GOtt verborgen ist. Weil wir aber nur die erste Frucht deß Geistes haben / macht vns das durstig / noch mehr vom Reich Gottes zu geniessen. Daher entspringt das Verlangen. Vnd eben diß ists / das Paulus selbsten an diese Legion hinan hänget: Wir sind wol selig / doch in der Hoffnung.V. 24. 25. Die Hoffnung aber / die man sihet / ist nicht Hoffnung; denn wie kan man deß hoffen / das man sihet? So wir aber deß hoffen / das wir nicht sehen / so warten wir sein durch Gedult. Ist so viel gesaget: Was man hoffet / vnd nicht sihet / deß muß man warten durch Gedult. Nun ists aber mit vnser Seligkeit so beschaffen / wir hoffen sie / vnd sehen sie nicht. Darumb kans anders nicht seyn / wir müssen vnser Seligkeit warten durch Gedult. Hie merck die Art deiner Seligkeit. Wir seynd wol selig / doch in der Hoffnung. Wir heissen die Todten selig; wie man sagt: Mein seliger Vatter / mein seliger Bruder; vnd reden recht daran / so sie nur im Glauben Jesu Christi entschlaffen seyn; denn selig seynd die Todten / die im HERRN sterben. Wie aber / seynd <TEI> <text> <body> <div> <pb facs="#f0117" n="101"/> <p>So bezeuget nun der Apostel / daß alle Glaubige / die deß<note place="right">2. Expectationis causa.</note> Geistes Erstling empfangen haben / warten / vnd bey jhnen selbsten sich sehnen nach jhrem Erbe / vnd völligen Genieß der Kindschafft / wie auch nach jhres Leibes Erlösung. Die Creaturen warten auch auff jhre Erfreyung / aber an der Kindschafft haben sie kein theil. Wir warten nicht alle darauff / daß wir von der Last erfreyet werden; sondern auch / daß wir das Erbe an Gottes Reich einnehmen / als Kinder Gottes / die Fülle alles guten / vnd aller Seligkeit / vnd aller Herrligkeit. Die Vrsach solches Verlangens ist eben dasselbe / daß wir deß Geistes Erstling empfangen haben. Weil wir den Geist Christi haben / erkennen wir den gegenwärtigen Jammer im Fleisch vnd in der Welt / vnd die Seligkeit / die in GOtt verborgen ist. Weil wir aber nur die erste Frucht deß Geistes haben / macht vns das durstig / noch mehr vom Reich Gottes zu geniessen. Daher entspringt das Verlangen.</p> <p>Vnd eben diß ists / das Paulus selbsten an diese Legion hinan hänget: Wir sind wol selig / doch in der Hoffnung.<note place="right">V. 24. 25.</note> Die Hoffnung aber / die man sihet / ist nicht Hoffnung; denn wie kan man deß hoffen / das man sihet? So wir aber deß hoffen / das wir nicht sehen / so warten wir sein durch Gedult. Ist so viel gesaget: Was man hoffet / vnd nicht sihet / deß muß man warten durch Gedult. Nun ists aber mit vnser Seligkeit so beschaffen / wir hoffen sie / vnd sehen sie nicht. Darumb kans anders nicht seyn / wir müssen vnser Seligkeit warten durch Gedult.</p> <p>Hie merck die Art deiner Seligkeit. Wir seynd wol selig / doch in der Hoffnung. 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So bezeuget nun der Apostel / daß alle Glaubige / die deß Geistes Erstling empfangen haben / warten / vnd bey jhnen selbsten sich sehnen nach jhrem Erbe / vnd völligen Genieß der Kindschafft / wie auch nach jhres Leibes Erlösung. Die Creaturen warten auch auff jhre Erfreyung / aber an der Kindschafft haben sie kein theil. Wir warten nicht alle darauff / daß wir von der Last erfreyet werden; sondern auch / daß wir das Erbe an Gottes Reich einnehmen / als Kinder Gottes / die Fülle alles guten / vnd aller Seligkeit / vnd aller Herrligkeit. Die Vrsach solches Verlangens ist eben dasselbe / daß wir deß Geistes Erstling empfangen haben. Weil wir den Geist Christi haben / erkennen wir den gegenwärtigen Jammer im Fleisch vnd in der Welt / vnd die Seligkeit / die in GOtt verborgen ist. Weil wir aber nur die erste Frucht deß Geistes haben / macht vns das durstig / noch mehr vom Reich Gottes zu geniessen. Daher entspringt das Verlangen.
2. Expectationis causa. Vnd eben diß ists / das Paulus selbsten an diese Legion hinan hänget: Wir sind wol selig / doch in der Hoffnung. Die Hoffnung aber / die man sihet / ist nicht Hoffnung; denn wie kan man deß hoffen / das man sihet? So wir aber deß hoffen / das wir nicht sehen / so warten wir sein durch Gedult. Ist so viel gesaget: Was man hoffet / vnd nicht sihet / deß muß man warten durch Gedult. Nun ists aber mit vnser Seligkeit so beschaffen / wir hoffen sie / vnd sehen sie nicht. Darumb kans anders nicht seyn / wir müssen vnser Seligkeit warten durch Gedult.
V. 24. 25. Hie merck die Art deiner Seligkeit. Wir seynd wol selig / doch in der Hoffnung. Wir heissen die Todten selig; wie man sagt: Mein seliger Vatter / mein seliger Bruder; vnd reden recht daran / so sie nur im Glauben Jesu Christi entschlaffen seyn; denn selig seynd die Todten / die im HERRN sterben. Wie aber / seynd
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 101. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/117>, abgerufen am 06.08.2024. |


