Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.ist der Todt. Nun jhr aber seyd von der Sünden frey / vnd Gottes Knechte worden / habt jhr ewre Frucht / daß jhr heilig werdet / das Ende aber / das ewige Leben. Da merck / lieber Christ / was du bey deinem Dienst zu erwarten hast / du dienest der Gerechtigkeit oder der Sünden. In dem Sündendienst findestu zweyerley / 1. eine Freyheit / 2. den Nutzen / den du endlich davon bringest. Von der Freyheit sagt Paulus: Da jhr der Sünden Knecht waret / da waret jhr frey von der Gerechtigkeit. Ein Knecht Gottes muß in allem seinem Leben sich hüten / daß er nicht thue seinen Willen / ja muß auch seine Gedancken wissen im Zaum zu halten; davon ist ein Sündendiener frey / der mag gedencken / reden vnd thun nach aller Lust seines fleischlichen Hertzen. Ein Knecht Gottes hat eine einige Richtschnur / darnach muß er sich richten in allem seinem Leben / das ist jhm Gottes Wort vnd Wille. Der Sündenknecht ist an solcher Richtsehnur nicht verbunden / darff nicht sehen auff GOtt oder Gewissen / sondern nur / wanns jhm so eben fällt / seinen Begierden vollen lauff lassen. Solches zu verstehen / mustu wissen / daß im Gesetz zwey Stück zum Zweck dem natürlichen Menschen vorgesetzet seyn / so lang er vnter deß Gesetzes Zwang vnd Bottmässigkeit ist; deren eines er nothwendig erwehlen / vnd auff sich nehmen muß / also / daß wann er eines erwehlet / er vom andern frey ist. Diese Stücke heissen Gerechtigkeit / oder Fluch. So lang nun der Mensch in vollkommener Gehorsamkeit der Gerechtigkeit sich vntergibet / ist er frey vom Fluch; so bald er aber vnter den Fluch gerathen / ist er frey von der Gerechtigkeit. Denn das ist die Stimme deß Gesetzes; Diß soltu halten / oder sterben. Wann dann der Sünder sich ergibet zu sterben / darff er vom Gesetz zur Gerechtigkeit sich nicht mehr zwingen lassen / sondern mag leben jmmer hin / nach deß Fleisches Freyheit. ist der Todt. Nun jhr aber seyd von der Sünden frey / vnd Gottes Knechte worden / habt jhr ewre Frucht / daß jhr heilig werdet / das Ende aber / das ewige Leben. Da merck / lieber Christ / was du bey deinem Dienst zu erwarten hast / du dienest der Gerechtigkeit oder der Sünden. In dem Sündendienst findestu zweyerley / 1. eine Freyheit / 2. den Nutzen / den du endlich davon bringest. Von der Freyheit sagt Paulus: Da jhr der Sünden Knecht waret / da waret jhr frey von der Gerechtigkeit. Ein Knecht Gottes muß in allem seinem Leben sich hüten / daß er nicht thue seinen Willen / ja muß auch seine Gedancken wissen im Zaum zu halten; davon ist ein Sündendiener frey / der mag gedencken / reden vnd thun nach aller Lust seines fleischlichen Hertzen. Ein Knecht Gottes hat eine einige Richtschnur / darnach muß er sich richten in allem seinem Leben / das ist jhm Gottes Wort vnd Wille. Der Sündenknecht ist an solcher Richtsehnur nicht verbunden / darff nicht sehen auff GOtt oder Gewissen / sondern nur / wanns jhm so eben fällt / seinen Begierden vollen lauff lassen. Solches zu verstehen / mustu wissen / daß im Gesetz zwey Stück zum Zweck dem natürlichen Menschen vorgesetzet seyn / so lang er vnter deß Gesetzes Zwang vnd Bottmässigkeit ist; deren eines er nothwendig erwehlen / vnd auff sich nehmen muß / also / daß wann er eines erwehlet / er vom andern frey ist. Diese Stücke heissen Gerechtigkeit / oder Fluch. So lang nun der Mensch in vollkommener Gehorsamkeit der Gerechtigkeit sich vntergibet / ist er frey vom Fluch; so bald er aber vnter den Fluch gerathen / ist er frey von der Gerechtigkeit. Denn das ist die Stimme deß Gesetzes; Diß soltu halten / oder sterben. Wann dann der Sünder sich ergibet zu sterben / darff er vom Gesetz zur Gerechtigkeit sich nicht mehr zwingen lassen / sondern mag leben jmmer hin / nach deß Fleisches Freyheit. <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0161" n="145"/> ist der Todt. Nun jhr aber seyd von der Sünden frey / vnd Gottes Knechte worden / habt jhr ewre Frucht / daß jhr heilig werdet / das Ende aber / das ewige Leben.</p> <p>Da merck / lieber Christ / was du bey deinem Dienst zu erwarten hast / du dienest der Gerechtigkeit oder der Sünden. In dem Sündendienst findestu zweyerley / 1. eine Freyheit / 2. den Nutzen / den du endlich davon bringest. Von der Freyheit sagt Paulus: Da jhr der Sünden Knecht waret / da waret jhr frey von der Gerechtigkeit. Ein Knecht Gottes muß in allem seinem Leben sich hüten / daß er nicht thue seinen Willen / ja muß auch seine Gedancken wissen im Zaum zu halten; davon ist ein Sündendiener frey / der mag gedencken / reden vnd thun nach aller Lust seines fleischlichen Hertzen. Ein Knecht Gottes hat eine einige Richtschnur / darnach muß er sich richten in allem seinem Leben / das ist jhm Gottes Wort vnd Wille. Der Sündenknecht ist an solcher Richtsehnur nicht verbunden / darff nicht sehen auff GOtt oder Gewissen / sondern nur / wanns jhm so eben fällt / seinen Begierden vollen lauff lassen. Solches zu verstehen / mustu wissen / daß im Gesetz zwey Stück zum Zweck dem natürlichen Menschen vorgesetzet seyn / so lang er vnter deß Gesetzes Zwang vnd Bottmässigkeit ist; deren eines er nothwendig erwehlen / vnd auff sich nehmen muß / also / daß wann er eines erwehlet / er vom andern frey ist. Diese Stücke heissen Gerechtigkeit / oder Fluch. So lang nun der Mensch in vollkommener Gehorsamkeit der Gerechtigkeit sich vntergibet / ist er frey vom Fluch; so bald er aber vnter den Fluch gerathen / ist er frey von der Gerechtigkeit. Denn das ist die Stimme deß Gesetzes; Diß soltu halten / oder sterben. Wann dann der Sünder sich ergibet zu sterben / darff er vom Gesetz zur Gerechtigkeit sich nicht mehr zwingen lassen / sondern mag leben jmmer hin / nach deß Fleisches Freyheit. </p> </div> </body> </text> </TEI> [145/0161]
ist der Todt. Nun jhr aber seyd von der Sünden frey / vnd Gottes Knechte worden / habt jhr ewre Frucht / daß jhr heilig werdet / das Ende aber / das ewige Leben.
Da merck / lieber Christ / was du bey deinem Dienst zu erwarten hast / du dienest der Gerechtigkeit oder der Sünden. In dem Sündendienst findestu zweyerley / 1. eine Freyheit / 2. den Nutzen / den du endlich davon bringest. Von der Freyheit sagt Paulus: Da jhr der Sünden Knecht waret / da waret jhr frey von der Gerechtigkeit. Ein Knecht Gottes muß in allem seinem Leben sich hüten / daß er nicht thue seinen Willen / ja muß auch seine Gedancken wissen im Zaum zu halten; davon ist ein Sündendiener frey / der mag gedencken / reden vnd thun nach aller Lust seines fleischlichen Hertzen. Ein Knecht Gottes hat eine einige Richtschnur / darnach muß er sich richten in allem seinem Leben / das ist jhm Gottes Wort vnd Wille. Der Sündenknecht ist an solcher Richtsehnur nicht verbunden / darff nicht sehen auff GOtt oder Gewissen / sondern nur / wanns jhm so eben fällt / seinen Begierden vollen lauff lassen. Solches zu verstehen / mustu wissen / daß im Gesetz zwey Stück zum Zweck dem natürlichen Menschen vorgesetzet seyn / so lang er vnter deß Gesetzes Zwang vnd Bottmässigkeit ist; deren eines er nothwendig erwehlen / vnd auff sich nehmen muß / also / daß wann er eines erwehlet / er vom andern frey ist. Diese Stücke heissen Gerechtigkeit / oder Fluch. So lang nun der Mensch in vollkommener Gehorsamkeit der Gerechtigkeit sich vntergibet / ist er frey vom Fluch; so bald er aber vnter den Fluch gerathen / ist er frey von der Gerechtigkeit. Denn das ist die Stimme deß Gesetzes; Diß soltu halten / oder sterben. Wann dann der Sünder sich ergibet zu sterben / darff er vom Gesetz zur Gerechtigkeit sich nicht mehr zwingen lassen / sondern mag leben jmmer hin / nach deß Fleisches Freyheit.
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 145. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/161>, abgerufen am 06.08.2024. |


