Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.auff vnd opfferten. Darnach setzet sich das Volck / zu essen vnd zu trincken / vnd stunden auff zu spielen. Denn bey solcher Abgötterey hielt man Reigen mit jauchzen vnd singen / dabey allerhand Leichtfertigkeit mit vorgelauffen / wie abzunehmen auß den Gastereyen / die die Moabitische Weiber den Kindern Israel angestellet. Sihe / wie grewlich vnd schleunig dahin gefallen die fürtreffliche Leute / die Gottes grosse Wunder gesehen / vnd seine Stimme auff dem Berge Sinai vor wenig Tagen gehöret hatten; wiewol sie meyneten / sie dieneten dem lebendigen GOTT. Bey Christen wird Abgötterey auff zweyerley weise getrieben: erstlich im offentlichen Gottesdienst / wann man einen Gottesdienst anstellet / nicht nach Gottes Wort. Wann man Gottes Wort auß den Augen schlägt / dann erwehlet Menschenwitz eigen Gottesdienst / hält solches für köstlich ding / vnd solches soll denn GOtt gefallen / gleich wie es den Menschen wol gefällt. Hernach wird Abgötterey begangen im Gemüth vnd Vertrawen / wann ich an Gottes Trost / Hülff vnd Beystand mich nicht will begnügen lassen / vnd sehe auff äusserliche Mittel / als auff Geld / Menschen Macht vnd Freundschafft. So lang wir äusserliche Mittel für Augen sehen / haben wir ein gut Vertrawen; wann die äusserliche Mittel verschwinden / ist auch der Muth verlohren. Das ist das wahre Zeichen der geistlichen Abgötterey; denn die Seele / die sich solte an GOtt halten / suchet jhr Auffenthalt bey den Creaturen / vnd damit daß sie jhr Lieb vnd Vertrawen / die GOtt gebüret / auff das wendet / das nicht GOtt ist / macht sie die Creatur zum Abgott. Diß aber soll nicht seyn: Werdet nicht abgöttisch / gleich wie jener etliche wurden. Machet euch nicht Brunnen hie vnd da / die doch kein Wasser halten. Warumb setzet jhr ewer Vertrawen auff das / das nicht helffen kan? Wie Moses die Abgötterey deß Volcks gesehen / ist er zornig geworden / vnd hat auff vnd opfferten. Darnach setzet sich das Volck / zu essen vnd zu trincken / vnd stunden auff zu spielen. Denn bey solcher Abgötterey hielt man Reigen mit jauchzen vnd singen / dabey allerhand Leichtfertigkeit mit vorgelauffen / wie abzunehmen auß den Gastereyen / die die Moabitische Weiber den Kindern Israel angestellet. Sihe / wie grewlich vnd schleunig dahin gefallen die fürtreffliche Leute / die Gottes grosse Wunder gesehen / vnd seine Stimme auff dem Berge Sinai vor wenig Tagen gehöret hatten; wiewol sie meyneten / sie dieneten dem lebendigen GOTT. Bey Christen wird Abgötterey auff zweyerley weise getrieben: erstlich im offentlichen Gottesdienst / wann man einen Gottesdienst anstellet / nicht nach Gottes Wort. Wann man Gottes Wort auß den Augen schlägt / dann erwehlet Menschenwitz eigen Gottesdienst / hält solches für köstlich ding / vnd solches soll denn GOtt gefallen / gleich wie es den Menschen wol gefällt. Hernach wird Abgötterey begangen im Gemüth vnd Vertrawen / wann ich an Gottes Trost / Hülff vnd Beystand mich nicht will begnügen lassen / vnd sehe auff äusserliche Mittel / als auff Geld / Menschen Macht vnd Freundschafft. So lang wir äusserliche Mittel für Augen sehen / haben wir ein gut Vertrawen; wann die äusserliche Mittel verschwinden / ist auch der Muth verlohren. Das ist das wahre Zeichen der geistlichen Abgötterey; denn die Seele / die sich solte an GOtt halten / suchet jhr Auffenthalt bey den Creaturen / vnd damit daß sie jhr Lieb vnd Vertrawen / die GOtt gebüret / auff das wendet / das nicht GOtt ist / macht sie die Creatur zum Abgott. Diß aber soll nicht seyn: Werdet nicht abgöttisch / gleich wie jener etliche wurden. Machet euch nicht Brunnen hie vnd da / die doch kein Wasser halten. Warumb setzet jhr ewer Vertrawen auff das / das nicht helffen kan? Wie Moses die Abgötterey deß Volcks gesehen / ist er zornig geworden / vnd hat <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0198" n="182"/> auff vnd opfferten. Darnach setzet sich das Volck / zu essen vnd zu trincken / vnd stunden auff zu spielen. Denn bey solcher Abgötterey hielt man Reigen mit jauchzen vnd singen / dabey allerhand Leichtfertigkeit mit vorgelauffen / wie abzunehmen auß den Gastereyen / die die Moabitische Weiber den Kindern Israel angestellet. 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Das ist das wahre Zeichen der geistlichen Abgötterey; denn die Seele / die sich solte an GOtt halten / suchet jhr Auffenthalt bey den Creaturen / vnd damit daß sie jhr Lieb vnd Vertrawen / die GOtt gebüret / auff das wendet / das nicht GOtt ist / macht sie die Creatur zum Abgott.</p> <p>Diß aber soll nicht seyn: Werdet nicht abgöttisch / gleich wie jener etliche wurden. Machet euch nicht Brunnen hie vnd da / die doch kein Wasser halten. Warumb setzet jhr ewer Vertrawen auff das / das nicht helffen kan? Wie Moses die Abgötterey deß Volcks gesehen / ist er zornig geworden / vnd hat </p> </div> </body> </text> </TEI> [182/0198]
auff vnd opfferten. Darnach setzet sich das Volck / zu essen vnd zu trincken / vnd stunden auff zu spielen. Denn bey solcher Abgötterey hielt man Reigen mit jauchzen vnd singen / dabey allerhand Leichtfertigkeit mit vorgelauffen / wie abzunehmen auß den Gastereyen / die die Moabitische Weiber den Kindern Israel angestellet. Sihe / wie grewlich vnd schleunig dahin gefallen die fürtreffliche Leute / die Gottes grosse Wunder gesehen / vnd seine Stimme auff dem Berge Sinai vor wenig Tagen gehöret hatten; wiewol sie meyneten / sie dieneten dem lebendigen GOTT.
Bey Christen wird Abgötterey auff zweyerley weise getrieben: erstlich im offentlichen Gottesdienst / wann man einen Gottesdienst anstellet / nicht nach Gottes Wort. Wann man Gottes Wort auß den Augen schlägt / dann erwehlet Menschenwitz eigen Gottesdienst / hält solches für köstlich ding / vnd solches soll denn GOtt gefallen / gleich wie es den Menschen wol gefällt. Hernach wird Abgötterey begangen im Gemüth vnd Vertrawen / wann ich an Gottes Trost / Hülff vnd Beystand mich nicht will begnügen lassen / vnd sehe auff äusserliche Mittel / als auff Geld / Menschen Macht vnd Freundschafft. So lang wir äusserliche Mittel für Augen sehen / haben wir ein gut Vertrawen; wann die äusserliche Mittel verschwinden / ist auch der Muth verlohren. Das ist das wahre Zeichen der geistlichen Abgötterey; denn die Seele / die sich solte an GOtt halten / suchet jhr Auffenthalt bey den Creaturen / vnd damit daß sie jhr Lieb vnd Vertrawen / die GOtt gebüret / auff das wendet / das nicht GOtt ist / macht sie die Creatur zum Abgott.
Diß aber soll nicht seyn: Werdet nicht abgöttisch / gleich wie jener etliche wurden. Machet euch nicht Brunnen hie vnd da / die doch kein Wasser halten. Warumb setzet jhr ewer Vertrawen auff das / das nicht helffen kan? Wie Moses die Abgötterey deß Volcks gesehen / ist er zornig geworden / vnd hat
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 182. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/198>, abgerufen am 06.08.2024. |


