Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.sich geringer oder grösser in Christo achten solle. Zum dritten / ermahnet er gleichwol / daß ein jeglicher nach den besten Gaben trachten / vnd macht eine solche Ordnung / daß man vor allen erstlich trachte nach der Liebe / damit alle Gaben in der Liebe geschehen / weil ohne die Liebe alle Gaben nichts seyn; hernach daß man allermeist solche Gaben liebe / damit die Gemeine zum meisten erbawet wird. Es scheinet / als sey solche Lehre bey vns nicht so gar nothwendigUtilitas doctrinae de donis. / denn wer achtet das / daß er durch den H. Geist möge gute geistliche Gaben haben / vnd durch heilsame Gaben viel gutes wircken? Dennoch werden gleichwol etzliche seyn / die hertzlich wünschen / in GOtt viel gutes zu thun. Auch befindet sich das noch allezeit / wo herrliche Gaben seyn / da folget bald Hochmuth vnd Verachtung / nicht allein bey Zuhörern / sondern auch bey Lehrern. Ist einer / dem ein sonderliches Liecht gegeben ist / die Schrifft zu verstehen vnd außzulegen / der lässt sich bald groß düncken / will niemands Gaben neben sich leiden / alldieweil er meynet / daß niemand gegen jhm etwas sey / daher begehret er das Volck allein an sich zu hängen / vnd gehöret zu seyn. Also nimpt das Fleisch auß Gottes Gaben Gelegenheit zum Hochmuth / zur Begierde sich herfür zu thun / zur Verachtung / darauff folget auch gemeiniglich Trennung / das ist denn ein schändlicher vnd schädlicher Mißbrauch der guten Gaben Gottes. Auch findet sich das wol / so ein schwacher in einem andern fürtrefflichere Gaben vnd Erzeigung deß Geistes spüret / daß er gedencket: Ey was bin ich / ich muß ja kein theil an Christo haben / wie hat der Mensch so viel herrlichere Gaben / als ich? Da ists ja von nöthen / daß man gedencke an die Lehre Pauli / wie der Vnterscheid der Gaben von GOtt sey / vnd wir dennoch alle durch einen Geist zu einem Leibe getauffet seyn / daß wir eines Leibes Glieder seyn. Darumb wollen wir zu der Erklärung dieser Epistel schreitten / darinnen vns Paulus lehret / wie der Vnterscheid der sich geringer oder grösser in Christo achten solle. Zum dritten / ermahnet er gleichwol / daß ein jeglicher nach den besten Gaben trachten / vnd macht eine solche Ordnung / daß man vor allen erstlich trachte nach der Liebe / damit alle Gaben in der Liebe geschehen / weil ohne die Liebe alle Gaben nichts seyn; hernach daß man allermeist solche Gaben liebe / damit die Gemeine zum meisten erbawet wird. Es scheinet / als sey solche Lehre bey vns nicht so gar nothwendigUtilitas doctrinae de donis. / denn wer achtet das / daß er durch den H. Geist möge gute geistliche Gaben haben / vnd durch heilsame Gaben viel gutes wircken? Dennoch werden gleichwol etzliche seyn / die hertzlich wünschen / in GOtt viel gutes zu thun. Auch befindet sich das noch allezeit / wo herrliche Gaben seyn / da folget bald Hochmuth vnd Verachtung / nicht allein bey Zuhörern / sondern auch bey Lehrern. Ist einer / dem ein sonderliches Liecht gegeben ist / die Schrifft zu verstehen vnd außzulegen / der lässt sich bald groß düncken / will niemands Gaben neben sich leiden / alldieweil er meynet / daß niemand gegen jhm etwas sey / daher begehret er das Volck allein an sich zu hängen / vnd gehöret zu seyn. Also nimpt das Fleisch auß Gottes Gaben Gelegenheit zum Hochmuth / zur Begierde sich herfür zu thun / zur Verachtung / darauff folget auch gemeiniglich Trennung / das ist denn ein schändlicher vnd schädlicher Mißbrauch der guten Gaben Gottes. Auch findet sich das wol / so ein schwacher in einem andern fürtrefflichere Gaben vnd Erzeigung deß Geistes spüret / daß er gedencket: Ey was bin ich / ich muß ja kein theil an Christo haben / wie hat der Mensch so viel herrlichere Gaben / als ich? Da ists ja von nöthen / daß man gedencke an die Lehre Pauli / wie der Vnterscheid der Gaben von GOtt sey / vnd wir dennoch alle durch einen Geist zu einem Leibe getauffet seyn / daß wir eines Leibes Glieder seyn. Darumb wollen wir zu der Erklärung dieser Epistel schreitten / darinnen vns Paulus lehret / wie der Vnterscheid der <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0219" n="203"/> sich geringer oder grösser in Christo achten solle. 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Ist einer / dem ein sonderliches Liecht gegeben ist / die Schrifft zu verstehen vnd außzulegen / der lässt sich bald groß düncken / will niemands Gaben neben sich leiden / alldieweil er meynet / daß niemand gegen jhm etwas sey / daher begehret er das Volck allein an sich zu hängen / vnd gehöret zu seyn. Also nimpt das Fleisch auß Gottes Gaben Gelegenheit zum Hochmuth / zur Begierde sich herfür zu thun / zur Verachtung / darauff folget auch gemeiniglich Trennung / das ist denn ein schändlicher vnd schädlicher Mißbrauch der guten Gaben Gottes. Auch findet sich das wol / so ein schwacher in einem andern fürtrefflichere Gaben vnd Erzeigung deß Geistes spüret / daß er gedencket: Ey was bin ich / ich muß ja kein theil an Christo haben / wie hat der Mensch so viel herrlichere Gaben / als ich? 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sich geringer oder grösser in Christo achten solle. Zum dritten / ermahnet er gleichwol / daß ein jeglicher nach den besten Gaben trachten / vnd macht eine solche Ordnung / daß man vor allen erstlich trachte nach der Liebe / damit alle Gaben in der Liebe geschehen / weil ohne die Liebe alle Gaben nichts seyn; hernach daß man allermeist solche Gaben liebe / damit die Gemeine zum meisten erbawet wird.
Es scheinet / als sey solche Lehre bey vns nicht so gar nothwendig / denn wer achtet das / daß er durch den H. Geist möge gute geistliche Gaben haben / vnd durch heilsame Gaben viel gutes wircken? Dennoch werden gleichwol etzliche seyn / die hertzlich wünschen / in GOtt viel gutes zu thun. Auch befindet sich das noch allezeit / wo herrliche Gaben seyn / da folget bald Hochmuth vnd Verachtung / nicht allein bey Zuhörern / sondern auch bey Lehrern. Ist einer / dem ein sonderliches Liecht gegeben ist / die Schrifft zu verstehen vnd außzulegen / der lässt sich bald groß düncken / will niemands Gaben neben sich leiden / alldieweil er meynet / daß niemand gegen jhm etwas sey / daher begehret er das Volck allein an sich zu hängen / vnd gehöret zu seyn. Also nimpt das Fleisch auß Gottes Gaben Gelegenheit zum Hochmuth / zur Begierde sich herfür zu thun / zur Verachtung / darauff folget auch gemeiniglich Trennung / das ist denn ein schändlicher vnd schädlicher Mißbrauch der guten Gaben Gottes. Auch findet sich das wol / so ein schwacher in einem andern fürtrefflichere Gaben vnd Erzeigung deß Geistes spüret / daß er gedencket: Ey was bin ich / ich muß ja kein theil an Christo haben / wie hat der Mensch so viel herrlichere Gaben / als ich? Da ists ja von nöthen / daß man gedencke an die Lehre Pauli / wie der Vnterscheid der Gaben von GOtt sey / vnd wir dennoch alle durch einen Geist zu einem Leibe getauffet seyn / daß wir eines Leibes Glieder seyn.
Utilitas doctrinae de donis. Darumb wollen wir zu der Erklärung dieser Epistel schreitten / darinnen vns Paulus lehret / wie der Vnterscheid der
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 203. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/219>, abgerufen am 06.08.2024. |


