Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.hätt vnd vermöcht. Gleich wie die Zierligkeit deß menschlichen Leibes bey weitem so wunderbar nicht wäre / wann in allen Gliedern nur einerley Form / Kräfft vnd Wirckung wären. Wie mannigfaltiger aber die Glieder / vnd wie weiter dieselbigen in Kräfften vnd Tugenden vnterschieden / je mehr man sich über den gantzen Leib verwundern muß. Damit haben wir ein Apostolisch Zeugnüß / daß keinCompendiosa repetitio. Mensch von jhm selbst eine heilsame nützliche Gabe haben könne / alldieweil er von sich selbsten / ohn Wirckung deß H. Geistes / auch JEsum nicht mag einen HERRN heissen / was aber der Mensch gutes hat vnd thut / das alles kompt her von dem H. Geist / der einem jeglichen seines zutheilet / nach dem er will / alles aber zu dem gemeinen Nutzen / vnd zur Zierd deß geistlichen Leibes Christi. Das soll von vns also angenommen werden / daß für erst einUsus 1. Ad gratan donorum agnitionen. jeglicher seine Gaben mit Demuth vnd Danck erkenne. In einem jeglichen erzeigen sich die Gaben deß Geistes / dieselbe soll der Mensch erkennen / als Gottes Gabe; wann der eine predigt / der ander zuhöret / da ist das Ampt vnd Werck vnterschieden. Dennoch so dienet der Zuhörer mit seinem zuhören so wol GOtt / als der Prediger mit seinem predigen / sie seynd in eines HERRN Dienst / vnd mag wol seyn / daß zuweilen der Zuhörer viel besser GOtt diene / vnd in seinem Dienst seinem HERRN viel angenehmlicher ist / als der Prediger / der nicht mit solcher Begierde vnd Liebe GOtt zu dienen da stehet / vnd das seine thut / als der Zuhörer. Eben so wird GOtt gedienet / so wol durch den / der die Sacrament empfanget / als von dem / der sie außtheilet. Ist etwan ein armer Mann / der mit Geld vnd Gut niemand kan dienen / so kan es seyn / daß er einen starcken Glauben habe / durch welchen er im Gebet Statt vnd Land kan erhalten: hingegen ist einer / der im Vertrawen schwach ist / vnd nicht mächtig / sich vnd andere wider allen feindseligen Anblick deß Glücks großmütig zu machen vnd zu stärcken / derselbe kan haben die Gabe / mit seinem Geld vnd hätt vnd vermöcht. Gleich wie die Zierligkeit deß menschlichen Leibes bey weitem so wunderbar nicht wäre / wann in allen Gliedern nur einerley Form / Kräfft vnd Wirckung wären. Wie mannigfaltiger aber die Glieder / vnd wie weiter dieselbigen in Kräfften vnd Tugenden vnterschieden / je mehr man sich über den gantzen Leib verwundern muß. Damit haben wir ein Apostolisch Zeugnüß / daß keinCompendiosa repetitio. Mensch von jhm selbst eine heilsame nützliche Gabe haben könne / alldieweil er von sich selbsten / ohn Wirckung deß H. Geistes / auch JEsum nicht mag einen HERRN heissen / was aber der Mensch gutes hat vnd thut / das alles kompt her von dem H. Geist / der einem jeglichen seines zutheilet / nach dem er will / alles aber zu dem gemeinen Nutzen / vnd zur Zierd deß geistlichen Leibes Christi. Das soll von vns also angenommen werden / daß für erst einUsus 1. Ad gratã donorum agnitionẽ. jeglicher seine Gaben mit Demuth vnd Danck erkenne. In einem jeglichen erzeigen sich die Gaben deß Geistes / dieselbe soll der Mensch erkennen / als Gottes Gabe; wann der eine predigt / der ander zuhöret / da ist das Ampt vnd Werck vnterschieden. Dennoch so dienet der Zuhörer mit seinem zuhören so wol GOtt / als der Prediger mit seinem predigen / sie seynd in eines HERRN Dienst / vnd mag wol seyn / daß zuweilen der Zuhörer viel besser GOtt diene / vnd in seinem Dienst seinem HERRN viel angenehmlicher ist / als der Prediger / der nicht mit solcher Begierde vnd Liebe GOtt zu dienen da stehet / vnd das seine thut / als der Zuhörer. Eben so wird GOtt gedienet / so wol durch den / der die Sacrament empfanget / als von dem / der sie außtheilet. Ist etwan ein armer Mann / der mit Geld vnd Gut niemand kan dienen / so kan es seyn / daß er einen starcken Glauben habe / durch welchen er im Gebet Statt vnd Land kan erhalten: hingegen ist einer / der im Vertrawen schwach ist / vnd nicht mächtig / sich vnd andere wider allen feindseligen Anblick deß Glücks großmütig zu machen vnd zu stärcken / derselbe kan haben die Gabe / mit seinem Geld vnd <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0231" n="215"/> hätt vnd vermöcht. 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Ist etwan ein armer Mann / der mit Geld vnd Gut niemand kan dienen / so kan es seyn / daß er einen starcken Glauben habe / durch welchen er im Gebet Statt vnd Land kan erhalten: hingegen ist einer / der im Vertrawen schwach ist / vnd nicht mächtig / sich vnd andere wider allen feindseligen Anblick deß Glücks großmütig zu machen vnd zu stärcken / derselbe kan haben die Gabe / mit seinem Geld vnd </p> </div> </body> </text> </TEI> [215/0231]
hätt vnd vermöcht. Gleich wie die Zierligkeit deß menschlichen Leibes bey weitem so wunderbar nicht wäre / wann in allen Gliedern nur einerley Form / Kräfft vnd Wirckung wären. Wie mannigfaltiger aber die Glieder / vnd wie weiter dieselbigen in Kräfften vnd Tugenden vnterschieden / je mehr man sich über den gantzen Leib verwundern muß.
Damit haben wir ein Apostolisch Zeugnüß / daß kein Mensch von jhm selbst eine heilsame nützliche Gabe haben könne / alldieweil er von sich selbsten / ohn Wirckung deß H. Geistes / auch JEsum nicht mag einen HERRN heissen / was aber der Mensch gutes hat vnd thut / das alles kompt her von dem H. Geist / der einem jeglichen seines zutheilet / nach dem er will / alles aber zu dem gemeinen Nutzen / vnd zur Zierd deß geistlichen Leibes Christi.
Compendiosa repetitio. Das soll von vns also angenommen werden / daß für erst ein jeglicher seine Gaben mit Demuth vnd Danck erkenne. In einem jeglichen erzeigen sich die Gaben deß Geistes / dieselbe soll der Mensch erkennen / als Gottes Gabe; wann der eine predigt / der ander zuhöret / da ist das Ampt vnd Werck vnterschieden. Dennoch so dienet der Zuhörer mit seinem zuhören so wol GOtt / als der Prediger mit seinem predigen / sie seynd in eines HERRN Dienst / vnd mag wol seyn / daß zuweilen der Zuhörer viel besser GOtt diene / vnd in seinem Dienst seinem HERRN viel angenehmlicher ist / als der Prediger / der nicht mit solcher Begierde vnd Liebe GOtt zu dienen da stehet / vnd das seine thut / als der Zuhörer. Eben so wird GOtt gedienet / so wol durch den / der die Sacrament empfanget / als von dem / der sie außtheilet. Ist etwan ein armer Mann / der mit Geld vnd Gut niemand kan dienen / so kan es seyn / daß er einen starcken Glauben habe / durch welchen er im Gebet Statt vnd Land kan erhalten: hingegen ist einer / der im Vertrawen schwach ist / vnd nicht mächtig / sich vnd andere wider allen feindseligen Anblick deß Glücks großmütig zu machen vnd zu stärcken / derselbe kan haben die Gabe / mit seinem Geld vnd
Usus 1. Ad gratã donorum agnitionẽ.
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 215. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/231>, abgerufen am 06.08.2024. |


