Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.sondern vernünfftigen Menschen; doch muß sich die Vernunfft vom H. Geist vnterweisen vnd führen lassen. Will sie aber selbst Meister seyn / so jrret sie gewiß. Denn vergebs wird in H. Schrifft vns nicht gebotten / daß wir vnsere Vernunfft gefangen nehmen / vnter den Gehorsam deß Glaubens. Was ist gefangen nehmen anders / als die Vernunfft einziehen / binden / vnd jhr keinen freyen Willen lassen / sondern mit einfältigem / gehorsamen Hertzen das klare Wort Gottes also annehmen / wie es lautet? Was wäre es nöthig / gefangen nehmen / wann sie sich der einfältigen Warheit nicht widersetzte. Darumb müssen wir vns auch für vnserer eignen Vernunfft hüten / solte vnser Glaub nach der Vernunfft gerichtet werden / dürfften wir deß H. Geistes nicht dazu / daß wir glaubig würden. Weil aber der Glaub gehet über Vernunfft / gilt hie auch kein menschlich klügeln / sondern es bleibt Glauben allein deß Heiligen Geistes Werck. Auff Erfahrung vnd Empfindnüß können wir auch nicht allezeit gehen. Wir haben ja auch Erfahrung in vnserm Glauben. Aber Erfahrung muß nicht vorgehen / sondern nachfolgen. Wann ich in höchster Trübsal Gottes Gunst wolte richten / nach meinem Empfinden / würde ich übel daran seyn. Der heilige Job hat bey seiner schweren Seelen-Angst nicht können empfinden / wie lieb er GOtt wäre / vnd wie jhn GOtt gedächte zu ehren. Was soll man denn da thun? Allein bey dem Worte bleiben / das den betrübten zerschlagenen Hertzen Gottes Gnad vnd Gunst verheisset. Dabey bleib / du magst empfinden was du wilst. Zu seiner Zeit wirstu wol empfinden / daß du nicht vergebs dem Worte Gottes geglaubet habest. Also / daß es nicht gut sey / sich auff menschliche Hülffe verlassen / sondern auff GOtt; das empfinde ich nicht fort in der Erfahrung / sondern das Wiederspiel; doch muß ich dem Worte glauben / vnd dabey bleiben / daß es wahr sey; die Erfahrung muß sich hernach finden. In Heiligkeit deß Lebens leiden wir grosse Anstöß von der Gewonheit. Wer sich hie nicht an das Wort hält / der wird sein sondern vernünfftigen Menschen; doch muß sich die Vernunfft vom H. Geist vnterweisen vnd führen lassen. Will sie aber selbst Meister seyn / so jrret sie gewiß. Denn vergebs wird in H. Schrifft vns nicht gebotten / daß wir vnsere Vernunfft gefangen nehmen / vnter den Gehorsam deß Glaubens. Was ist gefangen nehmen anders / als die Vernunfft einziehen / binden / vnd jhr keinen freyen Willen lassen / sondern mit einfältigem / gehorsamen Hertzen das klare Wort Gottes also annehmen / wie es lautet? Was wäre es nöthig / gefangen nehmen / wann sie sich der einfältigen Warheit nicht widersetzte. Darumb müssen wir vns auch für vnserer eignen Vernunfft hüten / solte vnser Glaub nach der Vernunfft gerichtet werden / dürfften wir deß H. Geistes nicht dazu / daß wir glaubig würden. Weil aber der Glaub gehet über Vernunfft / gilt hie auch kein menschlich klügeln / sondern es bleibt Glauben allein deß Heiligen Geistes Werck. Auff Erfahrung vnd Empfindnüß können wir auch nicht allezeit gehen. Wir haben ja auch Erfahrung in vnserm Glauben. Aber Erfahrung muß nicht vorgehen / sondern nachfolgen. Wann ich in höchster Trübsal Gottes Gunst wolte richten / nach meinem Empfinden / würde ich übel daran seyn. Der heilige Job hat bey seiner schweren Seelen-Angst nicht können empfinden / wie lieb er GOtt wäre / vnd wie jhn GOtt gedächte zu ehren. Was soll man denn da thun? Allein bey dem Worte bleiben / das den betrübten zerschlagenen Hertzen Gottes Gnad vnd Gunst verheisset. Dabey bleib / du magst empfinden was du wilst. Zu seiner Zeit wirstu wol empfinden / daß du nicht vergebs dem Worte Gottes geglaubet habest. Also / daß es nicht gut sey / sich auff menschliche Hülffe verlassen / sondern auff GOtt; das empfinde ich nicht fort in der Erfahrung / sondern das Wiederspiel; doch muß ich dem Worte glauben / vnd dabey bleiben / daß es wahr sey; die Erfahrung muß sich hernach finden. In Heiligkeit deß Lebens leiden wir grosse Anstöß von der Gewonheit. Wer sich hie nicht an das Wort hält / der wird sein <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0252" n="236"/> sondern vernünfftigen Menschen; doch muß sich die Vernunfft vom H. Geist vnterweisen vnd führen lassen. Will sie aber selbst Meister seyn / so jrret sie gewiß. Denn vergebs wird in H. Schrifft vns nicht gebotten / daß wir vnsere Vernunfft gefangen nehmen / vnter den Gehorsam deß Glaubens. Was ist gefangen nehmen anders / als die Vernunfft einziehen / binden / vnd jhr keinen freyen Willen lassen / sondern mit einfältigem / gehorsamen Hertzen das klare Wort Gottes also annehmen / wie es lautet? Was wäre es nöthig / gefangen nehmen / wann sie sich der einfältigen Warheit nicht widersetzte. Darumb müssen wir vns auch für vnserer eignen Vernunfft hüten / solte vnser Glaub nach der Vernunfft gerichtet werden / dürfften wir deß H. Geistes nicht dazu / daß wir glaubig würden. Weil aber der Glaub gehet über Vernunfft / gilt hie auch kein menschlich klügeln / sondern es bleibt Glauben allein deß Heiligen Geistes Werck.</p> <p>Auff Erfahrung vnd Empfindnüß können wir auch nicht allezeit gehen. Wir haben ja auch Erfahrung in vnserm Glauben. Aber Erfahrung muß nicht vorgehen / sondern nachfolgen. Wann ich in höchster Trübsal Gottes Gunst wolte richten / nach meinem Empfinden / würde ich übel daran seyn. Der heilige Job hat bey seiner schweren Seelen-Angst nicht können empfinden / wie lieb er GOtt wäre / vnd wie jhn GOtt gedächte zu ehren. Was soll man denn da thun? Allein bey dem Worte bleiben / das den betrübten zerschlagenen Hertzen Gottes Gnad vnd Gunst verheisset. Dabey bleib / du magst empfinden was du wilst. Zu seiner Zeit wirstu wol empfinden / daß du nicht vergebs dem Worte Gottes geglaubet habest. Also / daß es nicht gut sey / sich auff menschliche Hülffe verlassen / sondern auff GOtt; das empfinde ich nicht fort in der Erfahrung / sondern das Wiederspiel; doch muß ich dem Worte glauben / vnd dabey bleiben / daß es wahr sey; die Erfahrung muß sich hernach finden.</p> <p>In Heiligkeit deß Lebens leiden wir grosse Anstöß von der Gewonheit. Wer sich hie nicht an das Wort hält / der wird sein </p> </div> </body> </text> </TEI> [236/0252]
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Auff Erfahrung vnd Empfindnüß können wir auch nicht allezeit gehen. Wir haben ja auch Erfahrung in vnserm Glauben. Aber Erfahrung muß nicht vorgehen / sondern nachfolgen. Wann ich in höchster Trübsal Gottes Gunst wolte richten / nach meinem Empfinden / würde ich übel daran seyn. Der heilige Job hat bey seiner schweren Seelen-Angst nicht können empfinden / wie lieb er GOtt wäre / vnd wie jhn GOtt gedächte zu ehren. Was soll man denn da thun? Allein bey dem Worte bleiben / das den betrübten zerschlagenen Hertzen Gottes Gnad vnd Gunst verheisset. Dabey bleib / du magst empfinden was du wilst. Zu seiner Zeit wirstu wol empfinden / daß du nicht vergebs dem Worte Gottes geglaubet habest. Also / daß es nicht gut sey / sich auff menschliche Hülffe verlassen / sondern auff GOtt; das empfinde ich nicht fort in der Erfahrung / sondern das Wiederspiel; doch muß ich dem Worte glauben / vnd dabey bleiben / daß es wahr sey; die Erfahrung muß sich hernach finden.
In Heiligkeit deß Lebens leiden wir grosse Anstöß von der Gewonheit. Wer sich hie nicht an das Wort hält / der wird sein
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 236. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/252>, abgerufen am 06.08.2024. |


