Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.Es ist aber hiebey nicht zuvergessen / was Paulus hinzu setzet / eben in dem 5. Capitel an die Galater. Ihr seyd / liebenGal. 5, 133. Brüder / zur Freyheit beruffen / allein sehet zu / daß jhr durch die Freyheit dem Fleisch nicht Raum gebet. Ob wir zwar allein auß Gnaden durch Christi Verdienst im Glauben ergriffen für GOtt gerecht vnd selig werden / muß doch kein Christ gedencken: So will ichs was sacht angehen lassen mit gutes thun / was schadets / so ich dem Fleisch seinen Willen laß? Habe ich doch stracks durch den Glauben alle Seligkeit. Nicht so / darinn muß man wol vnderscheiden Zeit vnd Stunde. Ein anders ist / wann ich frage / was der Glaube thun soll / daß ich mit GOtt versönet vnnd selig werde; Ein anders ist / wann ich frage / was der Glaube thun soll / wann ich gerecht vnd selig geworden bin. Wann ich für Gottes Gericht stehe / sihet mein Glaub auff nichts dann auff Christum JEsum / vnd das ist vnsere Freyheit darzu wir beruffen seyn. Wann ich aber im Glauben nun versöhnet bin / vnnd den Göttlichen Trost hinweg habe / so soll mein Glaub nicht müssig seyn / sondern wieder die sündliche Lüste streiten. Gedenckt man dann / so seyn wir ja noch vnter dem Gesetz. So antwortet Paulus: Nein / gar nicht. Das Gesetz soll bey den Glaubigen nichts mehr thun / als daß es vnsere Schuld anzeyge: Was GOtt von vns zu fordern habe. Wie dann auch in der 1. an Timotheum am 1. geschrieben stehet: Den Gerechten ist kein1. Tim. 1, 9. Gesetz gegeben. Fraget man / wie soll das zugehen? Wir seynd frey vom Gesetz / vnd müssen doch nothwendig Sünde meiden / vnnd gutes thun. Da weiset vns Paulus in heutiger Lection auff den Geist / vnd saget: Wandelt nach dem Geist / so werdet jhr die Lüste deß Fleisches nicht vollnbringen / vnd doch frey bleiben ohne Gesetz. Zeyget vns also drey Wege / darauß zween zu meiden / vnnd nur der mittelst zu erwehlen ist. Es ist aber hiebey nicht zuvergessen / was Paulus hinzu setzet / eben in dem 5. Capitel an die Galater. Ihr seyd / liebenGal. 5, 133. Brüder / zur Freyheit beruffen / allein sehet zu / daß jhr durch die Freyheit dem Fleisch nicht Raum gebet. Ob wir zwar allein auß Gnaden durch Christi Verdienst im Glauben ergriffen für GOtt gerecht vnd selig werden / muß doch kein Christ gedencken: So will ichs was sacht angehen lassen mit gutes thun / was schadets / so ich dem Fleisch seinen Willen laß? Habe ich doch stracks durch den Glauben alle Seligkeit. Nicht so / darinn muß man wol vnderscheiden Zeit vnd Stunde. Ein anders ist / wann ich frage / was der Glaube thun soll / daß ich mit GOtt versönet vnnd selig werde; Ein anders ist / wann ich frage / was der Glaube thun soll / wann ich gerecht vnd selig geworden bin. Wann ich für Gottes Gericht stehe / sihet mein Glaub auff nichts dann auff Christum JEsum / vnd das ist vnsere Freyheit darzu wir beruffen seyn. Wann ich aber im Glauben nun versöhnet bin / vnnd den Göttlichen Trost hinweg habe / so soll mein Glaub nicht müssig seyn / sondern wieder die sündliche Lüste streiten. Gedenckt man dann / so seyn wir ja noch vnter dem Gesetz. So antwortet Paulus: Nein / gar nicht. Das Gesetz soll bey den Glaubigen nichts mehr thun / als daß es vnsere Schuld anzeyge: Was GOtt von vns zu fordern habe. Wie dann auch in der 1. an Timotheum am 1. geschrieben stehet: Den Gerechten ist kein1. Tim. 1, 9. Gesetz gegeben. Fraget man / wie soll das zugehen? Wir seynd frey vom Gesetz / vnd müssen doch nothwendig Sünde meiden / vnnd gutes thun. Da weiset vns Paulus in heutiger Lection auff den Geist / vnd saget: Wandelt nach dem Geist / so werdet jhr die Lüste deß Fleisches nicht vollnbringen / vnd doch frey bleiben ohne Gesetz. 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Wann ich für Gottes Gericht stehe / sihet mein Glaub auff nichts dann auff Christum JEsum / vnd das ist vnsere Freyheit darzu wir beruffen seyn. Wann ich aber im Glauben nun versöhnet bin / vnnd den Göttlichen Trost hinweg habe / so soll mein Glaub nicht müssig seyn / sondern wieder die sündliche Lüste streiten.</p> <p>Gedenckt man dann / so seyn wir ja noch vnter dem Gesetz. So antwortet Paulus: Nein / gar nicht. Das Gesetz soll bey den Glaubigen nichts mehr thun / als daß es vnsere Schuld anzeyge: Was GOtt von vns zu fordern habe. Wie dann auch in der 1. an Timotheum am 1. geschrieben stehet: Den Gerechten ist kein<note place="right">1. Tim. 1, 9.</note> Gesetz gegeben. Fraget man / wie soll das zugehen? Wir seynd frey vom Gesetz / vnd müssen doch nothwendig Sünde meiden / vnnd gutes thun. Da weiset vns Paulus in heutiger Lection auff den Geist / vnd saget: Wandelt nach dem Geist / so werdet jhr die Lüste deß Fleisches nicht vollnbringen / vnd doch frey bleiben ohne Gesetz. Zeyget vns also drey Wege / darauß zween zu meiden / vnnd nur der mittelst zu erwehlen ist. </p> </div> </body> </text> </TEI> [287/0303]
Es ist aber hiebey nicht zuvergessen / was Paulus hinzu setzet / eben in dem 5. Capitel an die Galater. Ihr seyd / lieben Brüder / zur Freyheit beruffen / allein sehet zu / daß jhr durch die Freyheit dem Fleisch nicht Raum gebet. Ob wir zwar allein auß Gnaden durch Christi Verdienst im Glauben ergriffen für GOtt gerecht vnd selig werden / muß doch kein Christ gedencken: So will ichs was sacht angehen lassen mit gutes thun / was schadets / so ich dem Fleisch seinen Willen laß? Habe ich doch stracks durch den Glauben alle Seligkeit. Nicht so / darinn muß man wol vnderscheiden Zeit vnd Stunde. Ein anders ist / wann ich frage / was der Glaube thun soll / daß ich mit GOtt versönet vnnd selig werde; Ein anders ist / wann ich frage / was der Glaube thun soll / wann ich gerecht vnd selig geworden bin. Wann ich für Gottes Gericht stehe / sihet mein Glaub auff nichts dann auff Christum JEsum / vnd das ist vnsere Freyheit darzu wir beruffen seyn. Wann ich aber im Glauben nun versöhnet bin / vnnd den Göttlichen Trost hinweg habe / so soll mein Glaub nicht müssig seyn / sondern wieder die sündliche Lüste streiten.
Gal. 5, 133. Gedenckt man dann / so seyn wir ja noch vnter dem Gesetz. So antwortet Paulus: Nein / gar nicht. Das Gesetz soll bey den Glaubigen nichts mehr thun / als daß es vnsere Schuld anzeyge: Was GOtt von vns zu fordern habe. Wie dann auch in der 1. an Timotheum am 1. geschrieben stehet: Den Gerechten ist kein Gesetz gegeben. Fraget man / wie soll das zugehen? Wir seynd frey vom Gesetz / vnd müssen doch nothwendig Sünde meiden / vnnd gutes thun. Da weiset vns Paulus in heutiger Lection auff den Geist / vnd saget: Wandelt nach dem Geist / so werdet jhr die Lüste deß Fleisches nicht vollnbringen / vnd doch frey bleiben ohne Gesetz. Zeyget vns also drey Wege / darauß zween zu meiden / vnnd nur der mittelst zu erwehlen ist.
1. Tim. 1, 9.
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 287. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/303>, abgerufen am 06.08.2024. |


