Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.warhafftigen GOtt zutrawen / daß er keine lust habe an jemands Verderben / sondern daß er wolle das Leben vnd die Seligkeit eines Sünders; vnd daß er solches wolle / nicht allein mit dem Beding / so sie wollen vmbkehren / vnd glauben; sondern daß er auch willig sey / so viel als an jhm ist / jederman den Glauben zu schencken / vnd was jhm zu seiner Bekehrung von nöthen ist. Derwegen folgends auch diß gewiß ist / ob wol GOtt den Heyden vnd Türcken auß gerechtem Gerichtsein Wort entzogen hat / daß dennoch er sich nicht ohn Zeugnüß gelassen habe. Sie haben können GOTT erkennen / dazu seine Gerechtigkeit vnd Barmhertzigkeit. Das Schrecken vnd Anklagen jhres Gewissens / hat gezeuget vom göttlichen Gericht vnd Gerechtigkeit. Die vielfältigen Gutthaten in der Natur / da GOtt gibet Regen / Sonnenschein / vnd fruchtbare Zeiten / vnd ergetzet das Hertz mit Lust vnd Frewde / zeugen von Gottes Güte vnd Barmhertzigkeit. Denn an statt daß GOtt allen Einfluß seiner Güte vns solte entziehen / vnd mit Donner vnd Blitz die halßstarrige Sünder zur Hölle schlagen / thut er jhnen viel gutes / dabey alle Heyden haben schliessen können vnd sollen / daß noch Gnade bey GOtt für den Sünder vorhanden sey. Ob nun zwar durch dieses natürliche Liecht kein Mensch bekehret / vnd zum Glauben gebracht ist / auch nicht kan gebracht werden; doch ist kein zweiffel / wann einer vnter der Heydenschafft dieses Liecht nicht verworffen hat / sondern desselben / wie es sich gebüret / gebrauchet; GOtt würde nach seiner versprochenen vnd hochbethewrten Barmhertzigkeit / denselben Heydnischen Menschen weiter geführet / vnd zu einem andern Liecht gebracht haben / durch Weise vnd Wege / die jhm nicht schwer seyn. Daß aber letzlich GOtt so vngleich mit dem Liecht seines Wortes fortgehe / einer Nation nehme / der andern gebe / die dritte vorüber gehe; da ist nichts übrig / als daß wir mit dem Apostel ruffen: O wie vnbegreifflich seynd seine Gericht! Wie vnerforschlich seynd seine Wege! Du aber / lieber Christ / erkenne vnd preise warhafftigen GOtt zutrawen / daß er keine lust habe an jemands Verderben / sondern daß er wolle das Leben vnd die Seligkeit eines Sünders; vnd daß er solches wolle / nicht allein mit dem Beding / so sie wollen vmbkehren / vnd glauben; sondern daß er auch willig sey / so viel als an jhm ist / jederman den Glauben zu schencken / vnd was jhm zu seiner Bekehrung von nöthen ist. Derwegen folgends auch diß gewiß ist / ob wol GOtt den Heyden vnd Türcken auß gerechtem Gerichtsein Wort entzogen hat / daß dennoch er sich nicht ohn Zeugnüß gelassen habe. Sie haben können GOTT erkennen / dazu seine Gerechtigkeit vnd Barmhertzigkeit. Das Schrecken vnd Anklagen jhres Gewissens / hat gezeuget vom göttlichen Gericht vnd Gerechtigkeit. Die vielfältigen Gutthaten in der Natur / da GOtt gibet Regen / Sonnenschein / vnd fruchtbare Zeiten / vnd ergetzet das Hertz mit Lust vnd Frewde / zeugen von Gottes Güte vnd Barmhertzigkeit. Denn an statt daß GOtt allen Einfluß seiner Güte vns solte entziehen / vnd mit Donner vnd Blitz die halßstarrige Sünder zur Hölle schlagen / thut er jhnen viel gutes / dabey alle Heyden haben schliessen können vnd sollen / daß noch Gnade bey GOtt für den Sünder vorhanden sey. Ob nun zwar durch dieses natürliche Liecht kein Mensch bekehret / vnd zum Glauben gebracht ist / auch nicht kan gebracht werden; doch ist kein zweiffel / wann einer vnter der Heydenschafft dieses Liecht nicht verworffen hat / sondern desselben / wie es sich gebüret / gebrauchet; GOtt würde nach seiner versprochenen vnd hochbethewrten Barmhertzigkeit / denselben Heydnischen Menschen weiter geführet / vnd zu einem andern Liecht gebracht haben / durch Weise vnd Wege / die jhm nicht schwer seyn. Daß aber letzlich GOtt so vngleich mit dem Liecht seines Wortes fortgehe / einer Nation nehme / der andern gebe / die dritte vorüber gehe; da ist nichts übrig / als daß wir mit dem Apostel ruffen: O wie vnbegreifflich seynd seine Gericht! Wie vnerforschlich seynd seine Wege! Du aber / lieber Christ / erkenne vnd preise <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0032" n="16"/> warhafftigen GOtt zutrawen / daß er keine lust habe an jemands Verderben / sondern daß er wolle das Leben vnd die Seligkeit eines Sünders; vnd daß er solches wolle / nicht allein mit dem Beding / so sie wollen vmbkehren / vnd glauben; sondern daß er auch willig sey / so viel als an jhm ist / jederman den Glauben zu schencken / vnd was jhm zu seiner Bekehrung von nöthen ist.</p> <p>Derwegen folgends auch diß gewiß ist / ob wol GOtt den Heyden vnd Türcken auß gerechtem Gerichtsein Wort entzogen hat / daß dennoch er sich nicht ohn Zeugnüß gelassen habe. Sie haben können GOTT erkennen / dazu seine Gerechtigkeit vnd Barmhertzigkeit. Das Schrecken vnd Anklagen jhres Gewissens / hat gezeuget vom göttlichen Gericht vnd Gerechtigkeit. Die vielfältigen Gutthaten in der Natur / da GOtt gibet Regen / Sonnenschein / vnd fruchtbare Zeiten / vnd ergetzet das Hertz mit Lust vnd Frewde / zeugen von Gottes Güte vnd Barmhertzigkeit. Denn an statt daß GOtt allen Einfluß seiner Güte vns solte entziehen / vnd mit Donner vnd Blitz die halßstarrige Sünder zur Hölle schlagen / thut er jhnen viel gutes / dabey alle Heyden haben schliessen können vnd sollen / daß noch Gnade bey GOtt für den Sünder vorhanden sey. Ob nun zwar durch dieses natürliche Liecht kein Mensch bekehret / vnd zum Glauben gebracht ist / auch nicht kan gebracht werden; doch ist kein zweiffel / wann einer vnter der Heydenschafft dieses Liecht nicht verworffen hat / sondern desselben / wie es sich gebüret / gebrauchet; GOtt würde nach seiner versprochenen vnd hochbethewrten Barmhertzigkeit / denselben Heydnischen Menschen weiter geführet / vnd zu einem andern Liecht gebracht haben / durch Weise vnd Wege / die jhm nicht schwer seyn.</p> <p>Daß aber letzlich GOtt so vngleich mit dem Liecht seines Wortes fortgehe / einer Nation nehme / der andern gebe / die dritte vorüber gehe; da ist nichts übrig / als daß wir mit dem Apostel ruffen: O wie vnbegreifflich seynd seine Gericht! Wie vnerforschlich seynd seine Wege! Du aber / lieber Christ / erkenne vnd preise </p> </div> </body> </text> </TEI> [16/0032]
warhafftigen GOtt zutrawen / daß er keine lust habe an jemands Verderben / sondern daß er wolle das Leben vnd die Seligkeit eines Sünders; vnd daß er solches wolle / nicht allein mit dem Beding / so sie wollen vmbkehren / vnd glauben; sondern daß er auch willig sey / so viel als an jhm ist / jederman den Glauben zu schencken / vnd was jhm zu seiner Bekehrung von nöthen ist.
Derwegen folgends auch diß gewiß ist / ob wol GOtt den Heyden vnd Türcken auß gerechtem Gerichtsein Wort entzogen hat / daß dennoch er sich nicht ohn Zeugnüß gelassen habe. Sie haben können GOTT erkennen / dazu seine Gerechtigkeit vnd Barmhertzigkeit. Das Schrecken vnd Anklagen jhres Gewissens / hat gezeuget vom göttlichen Gericht vnd Gerechtigkeit. Die vielfältigen Gutthaten in der Natur / da GOtt gibet Regen / Sonnenschein / vnd fruchtbare Zeiten / vnd ergetzet das Hertz mit Lust vnd Frewde / zeugen von Gottes Güte vnd Barmhertzigkeit. Denn an statt daß GOtt allen Einfluß seiner Güte vns solte entziehen / vnd mit Donner vnd Blitz die halßstarrige Sünder zur Hölle schlagen / thut er jhnen viel gutes / dabey alle Heyden haben schliessen können vnd sollen / daß noch Gnade bey GOtt für den Sünder vorhanden sey. Ob nun zwar durch dieses natürliche Liecht kein Mensch bekehret / vnd zum Glauben gebracht ist / auch nicht kan gebracht werden; doch ist kein zweiffel / wann einer vnter der Heydenschafft dieses Liecht nicht verworffen hat / sondern desselben / wie es sich gebüret / gebrauchet; GOtt würde nach seiner versprochenen vnd hochbethewrten Barmhertzigkeit / denselben Heydnischen Menschen weiter geführet / vnd zu einem andern Liecht gebracht haben / durch Weise vnd Wege / die jhm nicht schwer seyn.
Daß aber letzlich GOtt so vngleich mit dem Liecht seines Wortes fortgehe / einer Nation nehme / der andern gebe / die dritte vorüber gehe; da ist nichts übrig / als daß wir mit dem Apostel ruffen: O wie vnbegreifflich seynd seine Gericht! Wie vnerforschlich seynd seine Wege! Du aber / lieber Christ / erkenne vnd preise
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 16. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/32>, abgerufen am 06.08.2024. |


