Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.Hat einer für treffliche Gaben / so kan er nicht leyden / wo er anders seiner Natur folgen will / daß ein ander komme / der in denselbigen Gaben jhn übertrifft. Cain liebte Abel / als seinen Bruder natürlicher Weise / als er aber merckte / daß jhn GOTT vorgezogen hatte / vnd mehr von Abel hielte als von Cain / da ergrimmet er vnd neidet seinen Bruder bitterlich. König Saul liebte David als einen geschickten Mann / als er aber hörte / daß er jhm solte vorgezogen werden / vnnd mehr Ehr dar von tragen als er der König selbst / da neidet er jhn biß auff den Todt. Das ist ein gemeines Laster in allen Ständen. Findet eine Magd mehr Gunst / bey der Frawen als die ander / das macht Neid; hat ein Handtwercks-Mann etwan einen besonderlichen Griff in seiner Kunst / der siht nicht gern / daß einer auff stehe / der jhms nach- oder zuvor thue. Gerathen dann hie zween harte Köpff an einander / die stossen sich. [fremdsprachliches Material] Die entrüsten sich vnter einander / eygentlich nach dem Text / sie fordern sich einander auß; bieten sich Streit an; das ist / einer verunglimpfft vnnd tadelt den andern / vnnd will ein jeder der beste seyn. Diese alle mit einander macht der Apostel zu Schanden / vnd spricht; ey pfui! Ist das der Geist Christi! Ist daß der Geist der Sanfftmut! Lebet jhr im Geist / der da ist ein Geist der Sanfftmuth vnnd Demuth / so wandelt auch im Geist der Sanfftmuth vnd Demuth. Lasset vns nicht eiteler Ehr geitzig seyn / vntereinander zu entrüsten / vnd zu hassen. Das ist die erste Regel / für denen die da wollen im Geist der Sanfftmuth wandern. Specialissima altera: Demodo procedendi cum lapsis.Die andere Regel: Lieben Brüder / so ein Mensch etwa von einem Fehl vbereilet würde / so helfft jhm wieder zu recht / mit sanfftmütigem Geist / die jhr geistlich V. 1, 2.seyd / vnnd sihe auff dich selbst / daß du nicht auch versucht werdest. Einer trage deß andern Last / so werdet Hat einer für treffliche Gaben / so kan er nicht leyden / wo er anders seiner Natur folgen will / daß ein ander komme / der in denselbigen Gaben jhn übertrifft. Cain liebte Abel / als seinen Bruder natürlicher Weise / als er aber merckte / daß jhn GOTT vorgezogen hatte / vnd mehr von Abel hielte als von Cain / da ergrimmet er vnd neidet seinen Bruder bitterlich. König Saul liebte David als einen geschickten Mann / als er aber hörte / daß er jhm solte vorgezogen werden / vnnd mehr Ehr dar von tragen als er der König selbst / da neidet er jhn biß auff den Todt. Das ist ein gemeines Laster in allen Ständen. Findet eine Magd mehr Gunst / bey der Frawen als die ander / das macht Neid; hat ein Handtwercks-Mann etwan einen besonderlichen Griff in seiner Kunst / der siht nicht gern / daß einer auff stehe / der jhms nach- oder zuvor thue. Gerathen dann hie zween harte Köpff an einander / die stossen sich. [fremdsprachliches Material] Die entrüsten sich vnter einander / eygentlich nach dem Text / sie fordern sich einander auß; bieten sich Streit an; das ist / einer verunglimpfft vnnd tadelt den andern / vnnd will ein jeder der beste seyn. Diese alle mit einander macht der Apostel zu Schanden / vnd spricht; ey pfui! Ist das der Geist Christi! Ist daß der Geist der Sanfftmut! Lebet jhr im Geist / der da ist ein Geist der Sanfftmuth vnnd Demuth / so wandelt auch im Geist der Sanfftmuth vnd Demuth. Lasset vns nicht eiteler Ehr geitzig seyn / vntereinander zu entrüsten / vnd zu hassen. Das ist die erste Regel / für denen die da wollen im Geist der Sanfftmuth wandern. Specialissima altera: Demodo procedẽdi cum lapsis.Die andere Regel: Lieben Brüder / so ein Mensch etwa von einem Fehl vbereilet würde / so helfft jhm wieder zu recht / mit sanfftmütigem Geist / die jhr geistlich V. 1, 2.seyd / vnnd sihe auff dich selbst / daß du nicht auch versucht werdest. Einer trage deß andern Last / so werdet <TEI> <text> <body> <div> <pb facs="#f0334" n="318"/> <p>Hat einer für treffliche Gaben / so kan er nicht leyden / wo er anders seiner Natur folgen will / daß ein ander komme / der in denselbigen Gaben jhn übertrifft. Cain liebte Abel / als seinen Bruder natürlicher Weise / als er aber merckte / daß jhn GOTT vorgezogen hatte / vnd mehr von Abel hielte als von Cain / da ergrimmet er vnd neidet seinen Bruder bitterlich. König Saul liebte David als einen geschickten Mann / als er aber hörte / daß er jhm solte vorgezogen werden / vnnd mehr Ehr dar von tragen als er der König selbst / da neidet er jhn biß auff den Todt. Das ist ein gemeines Laster in allen Ständen. Findet eine Magd mehr Gunst / bey der Frawen als die ander / das macht Neid; hat ein Handtwercks-Mann etwan einen besonderlichen Griff in seiner Kunst / der siht nicht gern / daß einer auff stehe / der jhms nach- oder zuvor thue. Gerathen dann hie zween harte Köpff an einander / die stossen sich. <note place="left"><foreign xml:lang="el"><gap reason="fm"/></foreign></note>Die entrüsten sich vnter einander / eygentlich nach dem Text / sie fordern sich einander auß; bieten sich Streit an; das ist / einer verunglimpfft vnnd tadelt den andern / vnnd will ein jeder der beste seyn.</p> <p>Diese alle mit einander macht der Apostel zu Schanden / vnd spricht; ey pfui! Ist das der Geist Christi! Ist daß der Geist der Sanfftmut! Lebet jhr im Geist / der da ist ein Geist der Sanfftmuth vnnd Demuth / so wandelt auch im Geist der Sanfftmuth vnd Demuth. Lasset vns nicht eiteler Ehr geitzig seyn / vntereinander zu entrüsten / vnd zu hassen. 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Hat einer für treffliche Gaben / so kan er nicht leyden / wo er anders seiner Natur folgen will / daß ein ander komme / der in denselbigen Gaben jhn übertrifft. Cain liebte Abel / als seinen Bruder natürlicher Weise / als er aber merckte / daß jhn GOTT vorgezogen hatte / vnd mehr von Abel hielte als von Cain / da ergrimmet er vnd neidet seinen Bruder bitterlich. König Saul liebte David als einen geschickten Mann / als er aber hörte / daß er jhm solte vorgezogen werden / vnnd mehr Ehr dar von tragen als er der König selbst / da neidet er jhn biß auff den Todt. Das ist ein gemeines Laster in allen Ständen. Findet eine Magd mehr Gunst / bey der Frawen als die ander / das macht Neid; hat ein Handtwercks-Mann etwan einen besonderlichen Griff in seiner Kunst / der siht nicht gern / daß einer auff stehe / der jhms nach- oder zuvor thue. Gerathen dann hie zween harte Köpff an einander / die stossen sich. Die entrüsten sich vnter einander / eygentlich nach dem Text / sie fordern sich einander auß; bieten sich Streit an; das ist / einer verunglimpfft vnnd tadelt den andern / vnnd will ein jeder der beste seyn.
_ Diese alle mit einander macht der Apostel zu Schanden / vnd spricht; ey pfui! Ist das der Geist Christi! Ist daß der Geist der Sanfftmut! Lebet jhr im Geist / der da ist ein Geist der Sanfftmuth vnnd Demuth / so wandelt auch im Geist der Sanfftmuth vnd Demuth. Lasset vns nicht eiteler Ehr geitzig seyn / vntereinander zu entrüsten / vnd zu hassen. Das ist die erste Regel / für denen die da wollen im Geist der Sanfftmuth wandern.
Die andere Regel: Lieben Brüder / so ein Mensch etwa von einem Fehl vbereilet würde / so helfft jhm wieder zu recht / mit sanfftmütigem Geist / die jhr geistlich seyd / vnnd sihe auff dich selbst / daß du nicht auch versucht werdest. Einer trage deß andern Last / so werdet
V. 1, 2.
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 318. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/334>, abgerufen am 06.08.2024. |


