Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.jhr das Gesetz Christi erfüllen. Diese Regel zeyget wie vmbzugehenObject mit den schwachen vnd gefallenen Christen. Sie handelt nicht von gantz muthwilligen Vbelthätern / bey welchen alle Vermahnung verloren ist / sondern von solchem Meuschen / der etwa von einem Fehl vbereilet wirdt. In allen Menschen ist das Fleisch / als die Wurtzel alles bösen / das reitzet vnnd locket; wann dann der Mensch nicht behutsamb wandelt / ists bald geschehen / daß er sich versündigt gegen GOtt vnd Menschen. Dann die einwohnende Sünde übereilet jhn / vnd kompt jhm zuvor / ehe er recht erweget / was er vorhabe. Dakans geschehen / daß auch ein frommer Mensch in eine abschewliche Sünde gerathe. Hie ist zu mercken / das Mitleyden deß heyligen Geistes / dann in dem er die gefallene Christen beschreibet / als die von einem Fehl vbereilet worden / bezeuget er gleichfalß sein Mitleyden mit der schwachen Natur / vnd bringt die Schuld auff den Wiedersacher den Sathan / vnd seinen Schlangensamen / diß seynd die geistliche Feinde / die mit jhren Versuchungen derfrommen Seelen nachgehen / vnd jhr offt zuvor kommen / ehe sie recht erweget / was sie thut. Ein solches Mitleyden findet man auch im 3. Buch Mosis am 5.Lev. 5, 4. Cap. Da zeyget GOtt / auff was Art sich ein Mensch versönen soll / der sich an einem vnbedachten Schwur verschuldet / als wann einer schwöret / vnd jm auß dem Mund ein schwur entfähret / Schaden zu thun. Daselbst setzet der gütiger hinzu: Wie dann einem Menschen ein Schwur entfahren mag / ehe ers bedacht. Mit dieser vnd dergleichen Art zu reden / bezeuget der fromme Gott sein Mitleyden mit der schwachen Natur. Was sollen aber Christen thun bey dem Fehltritt jhres Nächsten?Officium. Paulus spricht: Helfft jhm wieder zu recht mit sanfftmütigem Geiste. Die Gewonheit ist / den betrübten Fall deß Nächsten zu belachen / verlästern / vnd auffzurucken / oder auch so jhr das Gesetz Christi erfüllen. Diese Regel zeyget wie vmbzugehenObject mit den schwachen vnd gefallenen Christen. Sie handelt nicht von gantz muthwilligen Vbelthätern / bey welchen alle Vermahnung verloren ist / sondern von solchem Meuschen / der etwa von einem Fehl vbereilet wirdt. In allen Menschen ist das Fleisch / als die Wurtzel alles bösen / das reitzet vnnd locket; wann dann der Mensch nicht behutsamb wandelt / ists bald geschehen / daß er sich versündigt gegen GOtt vnd Menschen. Dann die einwohnende Sünde übereilet jhn / vnd kompt jhm zuvor / ehe er recht erweget / was er vorhabe. Dakans geschehen / daß auch ein frommer Mensch in eine abschewliche Sünde gerathe. Hie ist zu mercken / das Mitleyden deß heyligen Geistes / dañ in dem er die gefallene Christen beschreibet / als die von einem Fehl vbereilet worden / bezeuget er gleichfalß sein Mitleyden mit der schwachen Natur / vnd bringt die Schuld auff den Wiedersacher den Sathan / vnd seinen Schlangensamen / diß seynd die geistliche Feinde / die mit jhren Versuchungen derfrommen Seelen nachgehen / vnd jhr offt zuvor kommen / ehe sie recht erweget / was sie thut. Ein solches Mitleyden findet man auch im 3. Buch Mosis am 5.Lev. 5, 4. Cap. Da zeyget GOtt / auff was Art sich ein Mensch versönen soll / der sich an einem vnbedachten Schwur verschuldet / als wann einer schwöret / vñ jm auß dem Mund ein schwur entfähret / Schaden zu thun. Daselbst setzet der gütiger hinzu: Wie dann einem Menschen ein Schwur entfahren mag / ehe ers bedacht. Mit dieser vnd dergleichen Art zu reden / bezeuget der from̃e Gott sein Mitleyden mit der schwachen Natur. Was sollen aber Christen thun bey dem Fehltritt jhres Nächsten?Officium. Paulus spricht: Helfft jhm wieder zu recht mit sanfftmütigem Geiste. Die Gewonheit ist / den betrübten Fall deß Nächsten zu belachen / verlästern / vnd auffzurucken / oder auch so <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0335" n="319"/> jhr das Gesetz Christi erfüllen. Diese Regel zeyget wie vmbzugehen<note place="right">Object</note> mit den schwachen vnd gefallenen Christen. Sie handelt nicht von gantz muthwilligen Vbelthätern / bey welchen alle Vermahnung verloren ist / sondern von solchem Meuschen / der etwa von einem Fehl vbereilet wirdt. In allen Menschen ist das Fleisch / als die Wurtzel alles bösen / das reitzet vnnd locket; wann dann der Mensch nicht behutsamb wandelt / ists bald geschehen / daß er sich versündigt gegen GOtt vnd Menschen. Dann die einwohnende Sünde übereilet jhn / vnd kompt jhm zuvor / ehe er recht erweget / was er vorhabe. 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jhr das Gesetz Christi erfüllen. Diese Regel zeyget wie vmbzugehen mit den schwachen vnd gefallenen Christen. Sie handelt nicht von gantz muthwilligen Vbelthätern / bey welchen alle Vermahnung verloren ist / sondern von solchem Meuschen / der etwa von einem Fehl vbereilet wirdt. In allen Menschen ist das Fleisch / als die Wurtzel alles bösen / das reitzet vnnd locket; wann dann der Mensch nicht behutsamb wandelt / ists bald geschehen / daß er sich versündigt gegen GOtt vnd Menschen. Dann die einwohnende Sünde übereilet jhn / vnd kompt jhm zuvor / ehe er recht erweget / was er vorhabe. Dakans geschehen / daß auch ein frommer Mensch in eine abschewliche Sünde gerathe.
Object Hie ist zu mercken / das Mitleyden deß heyligen Geistes / dañ in dem er die gefallene Christen beschreibet / als die von einem Fehl vbereilet worden / bezeuget er gleichfalß sein Mitleyden mit der schwachen Natur / vnd bringt die Schuld auff den Wiedersacher den Sathan / vnd seinen Schlangensamen / diß seynd die geistliche Feinde / die mit jhren Versuchungen derfrommen Seelen nachgehen / vnd jhr offt zuvor kommen / ehe sie recht erweget / was sie thut. Ein solches Mitleyden findet man auch im 3. Buch Mosis am 5. Cap. Da zeyget GOtt / auff was Art sich ein Mensch versönen soll / der sich an einem vnbedachten Schwur verschuldet / als wann einer schwöret / vñ jm auß dem Mund ein schwur entfähret / Schaden zu thun. Daselbst setzet der gütiger hinzu: Wie dann einem Menschen ein Schwur entfahren mag / ehe ers bedacht. Mit dieser vnd dergleichen Art zu reden / bezeuget der from̃e Gott sein Mitleyden mit der schwachen Natur.
Lev. 5, 4. Was sollen aber Christen thun bey dem Fehltritt jhres Nächsten? Paulus spricht: Helfft jhm wieder zu recht mit sanfftmütigem Geiste. Die Gewonheit ist / den betrübten Fall deß Nächsten zu belachen / verlästern / vnd auffzurucken / oder auch so
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 319. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/335>, abgerufen am 06.08.2024. |


