Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.meinem Hertzen habe. Die Liebe macht vns schuldig vnd geschickt / daß wir vns deß Nächsten annehmen / als vnsers eygnen. Dann der Liebe Art ist / daß sie vns vereinige mit vnserm Nächsten / also daß wir jhn ansehen als vns selbst; nach der Regel: Du solst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In der Natur auch den wilden Thieren hat Gott eine Liebe gegen die Jungen eingeschaffen / damit die Jungen / die selbst sich noch nicht können auffhelffen / durch der alten Schutz vnnd Fleiß versorget werden; welches nicht geschehen wurde / wann der Schöpffer nicht die Liebe der Natur eingepflantzet / die machet / daß auch das vnvernünfftige Viehe mehr für jhre Junge sorget / als für sich selbst. Eben also ists im Christenthumb: Soll ein Christ sorgfältig seyn für den andern / so muß jhn die Liebe vor dazu bereyten vnd tüchtig machen. Es wurde vnser Erlöser Christus nimmermehr für vns das gelitten haben / daß er gelitten hat / wann nit die Liebe sein Hertz hätte Gal. 2, 20.eingenommen: Darumm spricht die Schrifft: Christus hat mich geliebet / vnd sich selbst für mich dahin gegeben. Darumb wo hertzliche Liebe ist / da ist auch hertzliche Sorgfältigkeit; wo aber kalte Liebe ist / da ist auch Sorge verfroren. Hierumb hat Christus sorgfältiglich verordnet / daß seine Hirten / die seine Herde versorgen sollen / mit Liebe wol außgerüstet seyn: Wie er dann Petrum / Ioh. 21, 15.ehe er jhn zum Hirten setzet vber seine Schaafe vnnd Lämmer / zu dreyen malen fraget: Petreliebstu mich. Die aber zur Herde kommen ohne Liebesbrunst / das seynd solche Miedlinge von welchen C. 10, 12.geschrieben stehet: Er sihet den Wolff kommen / vnnd fliehet davon / dieweil die Schaafe nicht sein eigen seyn. Ist so viel: Er sucht bey seinem Hirtenampt nichts mehr als seinen Gewinn. Diß war es nun / daß den lieben Paulum so sorgfältig machet / er liebte seine Gemeine / vnnd hatte sie in seinem Hertzen. meinem Hertzen habe. Die Liebe macht vns schuldig vnd geschickt / daß wir vns deß Nächsten annehmen / als vnsers eygnen. Dann der Liebe Art ist / daß sie vns vereinige mit vnserm Nächsten / also daß wir jhn ansehen als vns selbst; nach der Regel: Du solst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In der Natur auch den wilden Thieren hat Gott eine Liebe gegen die Jungen eingeschaffen / damit die Jungen / die selbst sich noch nicht können auffhelffen / durch der alten Schutz vnnd Fleiß versorget werden; welches nicht geschehen wurde / wann der Schöpffer nicht die Liebe der Natur eingepflantzet / die machet / daß auch das vnvernünfftige Viehe mehr für jhre Junge sorget / als für sich selbst. Eben also ists im Christenthumb: Soll ein Christ sorgfältig seyn für den andern / so muß jhn die Liebe vor dazu bereyten vnd tüchtig machen. Es wurde vnser Erlöser Christus nimmermehr für vns das gelitten haben / daß er gelitten hat / wann nit die Liebe sein Hertz hätte Gal. 2, 20.eingenom̃en: Darum̃ spricht die Schrifft: Christus hat mich geliebet / vnd sich selbst für mich dahin gegeben. Darumb wo hertzliche Liebe ist / da ist auch hertzliche Sorgfältigkeit; wo aber kalte Liebe ist / da ist auch Sorge verfroren. Hierumb hat Christus sorgfältiglich verordnet / daß seine Hirten / die seine Herde versorgen sollen / mit Liebe wol außgerüstet seyn: Wie er dañ Petrum / Ioh. 21, 15.ehe er jhn zum Hirten setzet vber seine Schaafe vnnd Lämmer / zu dreyen malen fraget: Petreliebstu mich. Die aber zur Herde kommen ohne Liebesbrunst / das seynd solche Miedlinge von welchen C. 10, 12.geschrieben stehet: Er sihet den Wolff kommen / vnnd fliehet davon / dieweil die Schaafe nicht sein eigen seyn. Ist so viel: Er sucht bey seinem Hirtenampt nichts mehr als seinen Gewinn. Diß war es nun / daß den lieben Paulum so sorgfältig machet / er liebte seine Gemeine / vnnd hatte sie in seinem Hertzen. <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0468" n="452"/> meinem Hertzen habe. Die Liebe macht vns schuldig vnd geschickt / daß wir vns deß Nächsten annehmen / als vnsers eygnen. Dann der Liebe Art ist / daß sie vns vereinige mit vnserm Nächsten / also daß wir jhn ansehen als vns selbst; nach der Regel: Du solst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In der Natur auch den wilden Thieren hat Gott eine Liebe gegen die Jungen eingeschaffen / damit die Jungen / die selbst sich noch nicht können auffhelffen / durch der alten Schutz vnnd Fleiß versorget werden; welches nicht geschehen wurde / wann der Schöpffer nicht die Liebe der Natur eingepflantzet / die machet / daß auch das vnvernünfftige Viehe mehr für jhre Junge sorget / als für sich selbst. Eben also ists im Christenthumb: Soll ein Christ sorgfältig seyn für den andern / so muß jhn die Liebe vor dazu bereyten vnd tüchtig machen. Es wurde vnser Erlöser Christus nimmermehr für vns das gelitten haben / daß er gelitten hat / wann nit die Liebe sein Hertz hätte <note place="left">Gal. 2, 20.</note>eingenom̃en: Darum̃ spricht die Schrifft: Christus hat mich geliebet / vnd sich selbst für mich dahin gegeben. Darumb wo hertzliche Liebe ist / da ist auch hertzliche Sorgfältigkeit; wo aber kalte Liebe ist / da ist auch Sorge verfroren. Hierumb hat Christus sorgfältiglich verordnet / daß seine Hirten / die seine Herde versorgen sollen / mit Liebe wol außgerüstet seyn: Wie er dañ Petrum / <note place="left">Ioh. 21, 15.</note>ehe er jhn zum Hirten setzet vber seine Schaafe vnnd Lämmer / zu dreyen malen fraget: Petreliebstu mich. Die aber zur Herde kommen ohne Liebesbrunst / das seynd solche Miedlinge von welchen <note place="left">C. 10, 12.</note>geschrieben stehet: Er sihet den Wolff kommen / vnnd fliehet davon / dieweil die Schaafe nicht sein eigen seyn. Ist so viel: Er sucht bey seinem Hirtenampt nichts mehr als seinen Gewinn. Diß war es nun / daß den lieben Paulum so sorgfältig machet / er liebte seine Gemeine / vnnd hatte sie in seinem Hertzen.</p> </div> </body> </text> </TEI> [452/0468]
meinem Hertzen habe. Die Liebe macht vns schuldig vnd geschickt / daß wir vns deß Nächsten annehmen / als vnsers eygnen. Dann der Liebe Art ist / daß sie vns vereinige mit vnserm Nächsten / also daß wir jhn ansehen als vns selbst; nach der Regel: Du solst deinen Nächsten lieben als dich selbst. In der Natur auch den wilden Thieren hat Gott eine Liebe gegen die Jungen eingeschaffen / damit die Jungen / die selbst sich noch nicht können auffhelffen / durch der alten Schutz vnnd Fleiß versorget werden; welches nicht geschehen wurde / wann der Schöpffer nicht die Liebe der Natur eingepflantzet / die machet / daß auch das vnvernünfftige Viehe mehr für jhre Junge sorget / als für sich selbst. Eben also ists im Christenthumb: Soll ein Christ sorgfältig seyn für den andern / so muß jhn die Liebe vor dazu bereyten vnd tüchtig machen. Es wurde vnser Erlöser Christus nimmermehr für vns das gelitten haben / daß er gelitten hat / wann nit die Liebe sein Hertz hätte eingenom̃en: Darum̃ spricht die Schrifft: Christus hat mich geliebet / vnd sich selbst für mich dahin gegeben. Darumb wo hertzliche Liebe ist / da ist auch hertzliche Sorgfältigkeit; wo aber kalte Liebe ist / da ist auch Sorge verfroren. Hierumb hat Christus sorgfältiglich verordnet / daß seine Hirten / die seine Herde versorgen sollen / mit Liebe wol außgerüstet seyn: Wie er dañ Petrum / ehe er jhn zum Hirten setzet vber seine Schaafe vnnd Lämmer / zu dreyen malen fraget: Petreliebstu mich. Die aber zur Herde kommen ohne Liebesbrunst / das seynd solche Miedlinge von welchen geschrieben stehet: Er sihet den Wolff kommen / vnnd fliehet davon / dieweil die Schaafe nicht sein eigen seyn. Ist so viel: Er sucht bey seinem Hirtenampt nichts mehr als seinen Gewinn. Diß war es nun / daß den lieben Paulum so sorgfältig machet / er liebte seine Gemeine / vnnd hatte sie in seinem Hertzen.
Gal. 2, 20.
Ioh. 21, 15.
C. 10, 12.
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 452. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/468>, abgerufen am 06.08.2024. |


