Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.Rom. 8, 15. 2. Tim. 1, 7.knechtische weise / denn wir haben nicht einen knechtischen Geist empfangen / daß wir vns fürchten müsten; sondern wir haben einen kindlichen Geist / der ruffet: Abba / lieber Vatter. Darumb so fürchten die Liebhabenden GOtt nicht anders / als auß kindlichem Geist / wie die rechtschaffene liebe Kinder jhre Eltern also lieben / daß sie auch auß Liebe sich fürchten / etwas zu thun / darinnen sie den Eltern mißfallen könten. Eben so verhält sich ein Liebhaber Gottes auch gegen GOtt / vnd so er ja von einem Fehl übereilet wird / so fliehet er nicht auß Verzweifflung von Gottes Angesicht hinweg / wie Cain / sondern mit demütiger Erkäntnüß seines Feiltritts / fällt er seinem lieben Vatter zu Fuß / vnd ruffet: Ach Vatter / ich bin nicht werth / daß ich dein Kind heiß / Ach HERR / nimb deinen Heiligen Geist nicht von mir / tröst mich wieder mit deiner Hülffe. So auch GOtt mit seiner Straffruthe kompt / so hält ein liebhabendes Kind seinem Vatter in der Straffruthe stille / vnd Jerem. 14, 7. 8. 9.spricht auß dem Jeremia am 14. Cap. Ach HERR / vnser Missethat habens ja verdienet / aber hilff doch vmb deines Namens willen / denn vnser Vngehorsam ist groß / damit wir wider dich gesündiget haben / Du bist der Trost Israel / vnd jhr Nothhelffer. Du bist ja vnter vns / HERR / vnd wir heissen nach deinem Namen / verlaß vns nicht. Es tröstet sich auch das liebhabende Kind mit göttlichem Zusprechen / bey demselben Propheten am 30. Cap. Jer. 30, 11.Ich bin bey dir / spricht der HERR / daß ich dir helffe; denn ich wills mit allen Heyden ein Ende machen / aber mit dir will ichs nicht ein Ende machen / züchtigen aber will ich dich mit masse / daß du dich nicht vnschuldig haltest. In Betrachten solches Trostes / muntern sich die liebhabende Seelen auff / vnd sprechen auß dem Propheten Hosea Rom. 8, 15. 2. Tim. 1, 7.knechtische weise / denn wir haben nicht einen knechtischen Geist empfangen / daß wir vns fürchten müsten; sondern wir haben einen kindlichen Geist / der ruffet: Abba / lieber Vatter. Darumb so fürchten die Liebhabenden GOtt nicht anders / als auß kindlichem Geist / wie die rechtschaffene liebe Kinder jhre Eltern also lieben / daß sie auch auß Liebe sich fürchten / etwas zu thun / darinnen sie den Eltern mißfallen könten. Eben so verhält sich ein Liebhaber Gottes auch gegen GOtt / vnd so er ja von einem Fehl übereilet wird / so fliehet er nicht auß Verzweifflung von Gottes Angesicht hinweg / wie Cain / sondern mit demütiger Erkäntnüß seines Feiltritts / fällt er seinem lieben Vatter zu Fuß / vnd ruffet: Ach Vatter / ich bin nicht werth / daß ich dein Kind heiß / Ach HERR / nimb deinen Heiligen Geist nicht von mir / tröst mich wieder mit deiner Hülffe. So auch GOtt mit seiner Straffruthe kompt / so hält ein liebhabendes Kind seinem Vatter in der Straffruthe stille / vnd Jerem. 14, 7. 8. 9.spricht auß dem Jeremia am 14. Cap. Ach HERR / vnser Missethat habens ja verdienet / aber hilff doch vmb deines Namens willen / denn vnser Vngehorsam ist groß / damit wir wider dich gesündiget haben / Du bist der Trost Israel / vnd jhr Nothhelffer. Du bist ja vnter vns / HERR / vnd wir heissen nach deinem Namen / verlaß vns nicht. Es tröstet sich auch das liebhabende Kind mit göttlichem Zusprechen / bey demselben Propheten am 30. Cap. Jer. 30, 11.Ich bin bey dir / spricht der HERR / daß ich dir helffe; denn ich wills mit allen Heyden ein Ende machen / aber mit dir will ichs nicht ein Ende machen / züchtigen aber will ich dich mit masse / daß du dich nicht vnschuldig haltest. In Betrachten solches Trostes / muntern sich die liebhabende Seelen auff / vnd sprechen auß dem Propheten Hosea <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0048" n="32"/><note place="left">Rom. 8, 15. 2. Tim. 1, 7.</note>knechtische weise / denn wir haben nicht einen knechtischen Geist empfangen / daß wir vns fürchten müsten; sondern wir haben einen kindlichen Geist / der ruffet: Abba / lieber Vatter. Darumb so fürchten die Liebhabenden GOtt nicht anders / als auß kindlichem Geist / wie die rechtschaffene liebe Kinder jhre Eltern also lieben / daß sie auch auß Liebe sich fürchten / etwas zu thun / darinnen sie den Eltern mißfallen könten. Eben so verhält sich ein Liebhaber Gottes auch gegen GOtt / vnd so er ja von einem Fehl übereilet wird / so fliehet er nicht auß Verzweifflung von Gottes Angesicht hinweg / wie Cain / sondern mit demütiger Erkäntnüß seines Feiltritts / fällt er seinem lieben Vatter zu Fuß / vnd ruffet: Ach Vatter / ich bin nicht werth / daß ich dein Kind heiß / Ach HERR / nimb deinen Heiligen Geist nicht von mir / tröst mich wieder mit deiner Hülffe. So auch GOtt mit seiner Straffruthe kompt / so hält ein liebhabendes Kind seinem Vatter in der Straffruthe stille / vnd <note place="left">Jerem. 14, 7. 8. 9.</note>spricht auß dem Jeremia am 14. Cap. Ach HERR / vnser Missethat habens ja verdienet / aber hilff doch vmb deines Namens willen / denn vnser Vngehorsam ist groß / damit wir wider dich gesündiget haben / Du bist der Trost Israel / vnd jhr Nothhelffer. Du bist ja vnter vns / HERR / vnd wir heissen nach deinem Namen / verlaß vns nicht. Es tröstet sich auch das liebhabende Kind mit göttlichem Zusprechen / bey demselben Propheten am 30. Cap. <note place="left">Jer. 30, 11.</note>Ich bin bey dir / spricht der HERR / daß ich dir helffe; denn ich wills mit allen Heyden ein Ende machen / aber mit dir will ichs nicht ein Ende machen / züchtigen aber will ich dich mit masse / daß du dich nicht vnschuldig haltest. In Betrachten solches Trostes / muntern sich die liebhabende Seelen auff / vnd sprechen auß dem Propheten Hosea </p> </div> </body> </text> </TEI> [32/0048]
knechtische weise / denn wir haben nicht einen knechtischen Geist empfangen / daß wir vns fürchten müsten; sondern wir haben einen kindlichen Geist / der ruffet: Abba / lieber Vatter. Darumb so fürchten die Liebhabenden GOtt nicht anders / als auß kindlichem Geist / wie die rechtschaffene liebe Kinder jhre Eltern also lieben / daß sie auch auß Liebe sich fürchten / etwas zu thun / darinnen sie den Eltern mißfallen könten. Eben so verhält sich ein Liebhaber Gottes auch gegen GOtt / vnd so er ja von einem Fehl übereilet wird / so fliehet er nicht auß Verzweifflung von Gottes Angesicht hinweg / wie Cain / sondern mit demütiger Erkäntnüß seines Feiltritts / fällt er seinem lieben Vatter zu Fuß / vnd ruffet: Ach Vatter / ich bin nicht werth / daß ich dein Kind heiß / Ach HERR / nimb deinen Heiligen Geist nicht von mir / tröst mich wieder mit deiner Hülffe. So auch GOtt mit seiner Straffruthe kompt / so hält ein liebhabendes Kind seinem Vatter in der Straffruthe stille / vnd spricht auß dem Jeremia am 14. Cap. Ach HERR / vnser Missethat habens ja verdienet / aber hilff doch vmb deines Namens willen / denn vnser Vngehorsam ist groß / damit wir wider dich gesündiget haben / Du bist der Trost Israel / vnd jhr Nothhelffer. Du bist ja vnter vns / HERR / vnd wir heissen nach deinem Namen / verlaß vns nicht. Es tröstet sich auch das liebhabende Kind mit göttlichem Zusprechen / bey demselben Propheten am 30. Cap. Ich bin bey dir / spricht der HERR / daß ich dir helffe; denn ich wills mit allen Heyden ein Ende machen / aber mit dir will ichs nicht ein Ende machen / züchtigen aber will ich dich mit masse / daß du dich nicht vnschuldig haltest. In Betrachten solches Trostes / muntern sich die liebhabende Seelen auff / vnd sprechen auß dem Propheten Hosea
Rom. 8, 15. 2. Tim. 1, 7.
Jerem. 14, 7. 8. 9.
Jer. 30, 11.
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 32. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/48>, abgerufen am 06.08.2024. |


