Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.lichen Erkäntnuß Christi JEsu meines HERREN / vmb welches willen ich alles / alles hab für Schaden gerechnet / vnnd achte es für Dreck / auff daß ich Christum gewinne / vnd in jhm erfunden werde. Hierumb 2. vergisset eine Himmelsseele nicht allein der vergänglichen weltlichen Dingen; sondern auch derselbigen / deren sie sich sonsten rühmen könte; nemblich deß guten / daß sie gethan hat. Darinnen suchet sie keine eygne Ehr vnnd Ruhm für Gott noch Menschen / sondern in Demüthigkeit spricht sie: Ich bin ein vnnützer Knecht / eine vnnütze Magd. Sie bedenckt nicht / wie weit sie schon gelauffen / sondern was für einen Weg sie noch zu lauffen hat. Endlich 3. gehöret zur Eygenschafft der Himmelsläuffer; nachjagen dem vorgesteckten Ziel / Christum zu gewinnen. Je näher zum Zweck / da das Kleinod steckt / je begieriger ein Lauffer mit gantzem Leib sich dahin neiget. Gewonnen haben wir Christum schon in Gnaden / wir begeren jhn auch in einer Seligkeit vnd voller Geniessung / Christus ist meine Gerechtigkeit / ich aber bin noch schwach; Christus ist mein Gut / ich leyde aber noch Vngemach; Christus ist mein Liecht / ich sitze aber noch in Finsternuß; Christus ist meine Frewde / ich werde aber offt betrübet; Christus ist mein Fried / ich werde aber offt vnrühig. Das muß nicht ewig so seyn. Christum völlig geniessen ist deß Christenthumbs endlicher Zweck vnnd Vollkommenheit. Wie näher zum Zweck / wie begieriger das Hertz. Das seynd die Stücke / darinn wir den Aposteln vnd andern Heyligen müssen nachfolgen. Die also lauffen / seynd nicht Feinde / sondern Freunde deß Creutzes Christi. Sie können sich nicht rühmen / daß sie vollkommen seyn / dann sie seynd noch auff dem Wege / vnnd erwarten jhres Heylandes JEsu Christi; sie streben aber nach der Vollkommenheit / vollkommen vnnd vnverhindert lichen Erkäntnuß Christi JEsu meines HERREN / vmb welches willen ich alles / alles hab für Schaden gerechnet / vnnd achte es für Dreck / auff daß ich Christum gewinne / vnd in jhm erfunden werde. Hierumb 2. vergisset eine Himmelsseele nicht allein der vergänglichen weltlichen Dingen; sondern auch derselbigen / deren sie sich sonsten rühmen könte; nemblich deß guten / daß sie gethan hat. Darinnen suchet sie keine eygne Ehr vnnd Ruhm für Gott noch Menschen / sondern in Demüthigkeit spricht sie: Ich bin ein vnnützer Knecht / eine vnnütze Magd. Sie bedenckt nicht / wie weit sie schon gelauffen / sondern was für einen Weg sie noch zu lauffen hat. Endlich 3. gehöret zur Eygenschafft der Himmelsläuffer; nachjagen dem vorgesteckten Ziel / Christum zu gewinnen. Je näher zum Zweck / da das Kleinod steckt / je begieriger ein Lauffer mit gantzem Leib sich dahin neiget. Gewonnen haben wir Christum schon in Gnaden / wir begeren jhn auch in einer Seligkeit vnd voller Geniessung / Christus ist meine Gerechtigkeit / ich aber bin noch schwach; Christus ist mein Gut / ich leyde aber noch Vngemach; Christus ist mein Liecht / ich sitze aber noch in Finsternuß; Christus ist meine Frewde / ich werde aber offt betrübet; Christus ist mein Fried / ich werde aber offt vnrühig. Das muß nicht ewig so seyn. Christum völlig geniessen ist deß Christenthumbs endlicher Zweck vnnd Vollkommenheit. Wie näher zum Zweck / wie begieriger das Hertz. Das seynd die Stücke / darinn wir den Aposteln vnd andern Heyligen müssen nachfolgen. Die also lauffen / seynd nicht Feinde / sondern Freunde deß Creutzes Christi. Sie können sich nicht rühmen / daß sie vollkommen seyn / dann sie seynd noch auff dem Wege / vnnd erwarten jhres Heylandes JEsu Christi; sie streben aber nach der Vollkommenheit / vollkommen vnnd vnverhindert <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0499" n="483"/> lichen Erkäntnuß Christi JEsu meines HERREN / vmb welches willen ich alles / alles hab für Schaden gerechnet / vnnd achte es für Dreck / auff daß ich Christum gewinne / vnd in jhm erfunden werde.</p> <p>Hierumb 2. vergisset eine Himmelsseele nicht allein der vergänglichen weltlichen Dingen; sondern auch derselbigen / deren sie sich sonsten rühmen könte; nemblich deß guten / daß sie gethan hat. Darinnen suchet sie keine eygne Ehr vnnd Ruhm für Gott noch Menschen / sondern in Demüthigkeit spricht sie: Ich bin ein vnnützer Knecht / eine vnnütze Magd. Sie bedenckt nicht / wie weit sie schon gelauffen / sondern was für einen Weg sie noch zu lauffen hat.</p> <p>Endlich 3. gehöret zur Eygenschafft der Himmelsläuffer; nachjagen dem vorgesteckten Ziel / Christum zu gewinnen. Je näher zum Zweck / da das Kleinod steckt / je begieriger ein Lauffer mit gantzem Leib sich dahin neiget. Gewonnen haben wir Christum schon in Gnaden / wir begeren jhn auch in einer Seligkeit vnd voller Geniessung / Christus ist meine Gerechtigkeit / ich aber bin noch schwach; Christus ist mein Gut / ich leyde aber noch Vngemach; Christus ist mein Liecht / ich sitze aber noch in Finsternuß; Christus ist meine Frewde / ich werde aber offt betrübet; Christus ist mein Fried / ich werde aber offt vnrühig. Das muß nicht ewig so seyn. Christum völlig geniessen ist deß Christenthumbs endlicher Zweck vnnd Vollkommenheit. Wie näher zum Zweck / wie begieriger das Hertz.</p> <p>Das seynd die Stücke / darinn wir den Aposteln vnd andern Heyligen müssen nachfolgen. Die also lauffen / seynd nicht Feinde / sondern Freunde deß Creutzes Christi. Sie können sich nicht rühmen / daß sie vollkommen seyn / dann sie seynd noch auff dem Wege / vnnd erwarten jhres Heylandes JEsu Christi; sie streben aber nach der Vollkommenheit / vollkommen vnnd vnverhindert </p> </div> </body> </text> </TEI> [483/0499]
lichen Erkäntnuß Christi JEsu meines HERREN / vmb welches willen ich alles / alles hab für Schaden gerechnet / vnnd achte es für Dreck / auff daß ich Christum gewinne / vnd in jhm erfunden werde.
Hierumb 2. vergisset eine Himmelsseele nicht allein der vergänglichen weltlichen Dingen; sondern auch derselbigen / deren sie sich sonsten rühmen könte; nemblich deß guten / daß sie gethan hat. Darinnen suchet sie keine eygne Ehr vnnd Ruhm für Gott noch Menschen / sondern in Demüthigkeit spricht sie: Ich bin ein vnnützer Knecht / eine vnnütze Magd. Sie bedenckt nicht / wie weit sie schon gelauffen / sondern was für einen Weg sie noch zu lauffen hat.
Endlich 3. gehöret zur Eygenschafft der Himmelsläuffer; nachjagen dem vorgesteckten Ziel / Christum zu gewinnen. Je näher zum Zweck / da das Kleinod steckt / je begieriger ein Lauffer mit gantzem Leib sich dahin neiget. Gewonnen haben wir Christum schon in Gnaden / wir begeren jhn auch in einer Seligkeit vnd voller Geniessung / Christus ist meine Gerechtigkeit / ich aber bin noch schwach; Christus ist mein Gut / ich leyde aber noch Vngemach; Christus ist mein Liecht / ich sitze aber noch in Finsternuß; Christus ist meine Frewde / ich werde aber offt betrübet; Christus ist mein Fried / ich werde aber offt vnrühig. Das muß nicht ewig so seyn. Christum völlig geniessen ist deß Christenthumbs endlicher Zweck vnnd Vollkommenheit. Wie näher zum Zweck / wie begieriger das Hertz.
Das seynd die Stücke / darinn wir den Aposteln vnd andern Heyligen müssen nachfolgen. Die also lauffen / seynd nicht Feinde / sondern Freunde deß Creutzes Christi. Sie können sich nicht rühmen / daß sie vollkommen seyn / dann sie seynd noch auff dem Wege / vnnd erwarten jhres Heylandes JEsu Christi; sie streben aber nach der Vollkommenheit / vollkommen vnnd vnverhindert
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 483. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/499>, abgerufen am 06.08.2024. |


