Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.sich. Darumb auch wann er was grosses machen will / sihet er nicht vber sich / auch nicht neben sich / sondern vnder sich / vnd seine Lust ist in dem nicht zu arbeiten / vnnd auß nichts etwas zu machen. So will er auch niemand sättigen mit seinen himmlischen Gütern / er sey dann hungerig. Der den Jammer seiner Seelen nicht will erkennen / dem wird auch kein Seelentrost nutz. Damit preiset nun Maria GOttes Leuthseligkeit vnnd Freundligkeit / daß er sich deß Niedrigen annimpt. Sie köndte gedencken auff das Wüten Herodis / welcher allerley Anschläge vornahm wieder den Messiam / seine Geburt zu wehren / vnd wuste nit daß die arme Magd Maria den König der Juden solte zur Welt tragen / also ward er zu nicht mit all seinen Anschlägen. Maria könte gedencken an die stoltze Anschläge deß Sathans / wie derselbe darnach getrachtet / die arme Menschen ewiglich vnter sein Joch zu bringen. Sie köndte gedencken / wie der reiche vnnd mächtige Hauff in der Welt dem Reich GOttes feind ist / vnd hingegen das arme Israel sehr bedrengt / vnd insonderheit das Hauß David sehr geniedrigt war. Sie gedachte auch auff jhre eygne Person. Wann dann Gott das stoltze vnd hohe niederstoßt / vnd das niedrige vnnd demütige erhebt / deß frewet sich Maria / vnnd preiset GOttes Leutseligkeit. Bey solcher Weise bleibt Gott auch wol / so lang die Welt stehet. Dann was Maria hie singet / hat jhr Großvatter David Psal. 113, 5.viel Jahr zuvor gesungen im 113. Psalm: Wer ist wie der HERR vnser GOtt / der sich so hoch gesetzet hat / vnnd auff das Niedrige sihet im Himmel vnnd Erden? Der den Geringen auffrichtet auß dem Staub / vnnd erhöhet den Armen auß dem Koth / daß er jhn setze neben die Fürsten / neben die Fürsten seines Volcks. Diß erkennet Iudith. 9, 16.auch die hertzhaffte Judith in jhrer Historia am 9. Capitel. sich. Darumb auch wann er was grosses machen will / sihet er nicht vber sich / auch nicht neben sich / sondern vnder sich / vnd seine Lust ist in dem nicht zu arbeiten / vnnd auß nichts etwas zu machen. So will er auch niemand sättigen mit seinen him̃lischen Gütern / er sey dann hungerig. Der den Jammer seiner Seelen nicht will erkennen / dem wird auch kein Seelentrost nutz. Damit preiset nun Maria GOttes Leuthseligkeit vnnd Freundligkeit / daß er sich deß Niedrigen annimpt. Sie köndte gedencken auff das Wüten Herodis / welcher allerley Anschläge vornahm wieder den Messiam / seine Geburt zu wehren / vnd wuste nit daß die arme Magd Maria den König der Judẽ solte zur Welt tragen / also ward er zu nicht mit all seinen Anschlägen. Maria könte gedencken an die stoltze Anschläge deß Sathans / wie derselbe darnach getrachtet / die arme Menschen ewiglich vnter sein Joch zu bringen. Sie köndte gedencken / wie der reiche vnnd mächtige Hauff in der Welt dem Reich GOttes feind ist / vnd hingegen das arme Israel sehr bedrengt / vnd insonderheit das Hauß David sehr geniedrigt war. Sie gedachte auch auff jhre eygne Person. Wann dann Gott das stoltze vnd hohe niederstoßt / vnd das niedrige vnnd demütige erhebt / deß frewet sich Maria / vnnd preiset GOttes Leutseligkeit. Bey solcher Weise bleibt Gott auch wol / so lang die Welt stehet. Dann was Maria hie singet / hat jhr Großvatter David Psal. 113, 5.viel Jahr zuvor gesungen im 113. Psalm: Wer ist wie der HERR vnser GOtt / der sich so hoch gesetzet hat / vnnd auff das Niedrige sihet im Himmel vnnd Erden? Der den Geringen auffrichtet auß dem Staub / vnnd erhöhet den Armen auß dem Koth / daß er jhn setze neben die Fürsten / neben die Fürsten seines Volcks. Diß erkennet Iudith. 9, 16.auch die hertzhaffte Judith in jhrer Historia am 9. Capitel. <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0670" n="654"/> sich. Darumb auch wann er was grosses machen will / sihet er nicht vber sich / auch nicht neben sich / sondern vnder sich / vnd seine Lust ist in dem nicht zu arbeiten / vnnd auß nichts etwas zu machen. So will er auch niemand sättigen mit seinen him̃lischen Gütern / er sey dann hungerig. Der den Jammer seiner Seelen nicht will erkennen / dem wird auch kein Seelentrost nutz.</p> <p>Damit preiset nun Maria GOttes Leuthseligkeit vnnd Freundligkeit / daß er sich deß Niedrigen annimpt. Sie köndte gedencken auff das Wüten Herodis / welcher allerley Anschläge vornahm wieder den Messiam / seine Geburt zu wehren / vnd wuste nit daß die arme Magd Maria den König der Judẽ solte zur Welt tragen / also ward er zu nicht mit all seinen Anschlägen. Maria könte gedencken an die stoltze Anschläge deß Sathans / wie derselbe darnach getrachtet / die arme Menschen ewiglich vnter sein Joch zu bringen. Sie köndte gedencken / wie der reiche vnnd mächtige Hauff in der Welt dem Reich GOttes feind ist / vnd hingegen das arme Israel sehr bedrengt / vnd insonderheit das Hauß David sehr geniedrigt war. Sie gedachte auch auff jhre eygne Person. Wann dann Gott das stoltze vnd hohe niederstoßt / vnd das niedrige vnnd demütige erhebt / deß frewet sich Maria / vnnd preiset GOttes Leutseligkeit.</p> <p>Bey solcher Weise bleibt Gott auch wol / so lang die Welt stehet. Dann was Maria hie singet / hat jhr Großvatter David <note place="left">Psal. 113, 5.</note>viel Jahr zuvor gesungen im 113. Psalm: Wer ist wie der HERR vnser GOtt / der sich so hoch gesetzet hat / vnnd auff das Niedrige sihet im Himmel vnnd Erden? Der den Geringen auffrichtet auß dem Staub / vnnd erhöhet den Armen auß dem Koth / daß er jhn setze neben die Fürsten / neben die Fürsten seines Volcks. Diß erkennet <note place="left">Iudith. 9, 16.</note>auch die hertzhaffte Judith in jhrer Historia am 9. Capitel. </p> </div> </body> </text> </TEI> [654/0670]
sich. Darumb auch wann er was grosses machen will / sihet er nicht vber sich / auch nicht neben sich / sondern vnder sich / vnd seine Lust ist in dem nicht zu arbeiten / vnnd auß nichts etwas zu machen. So will er auch niemand sättigen mit seinen him̃lischen Gütern / er sey dann hungerig. Der den Jammer seiner Seelen nicht will erkennen / dem wird auch kein Seelentrost nutz.
Damit preiset nun Maria GOttes Leuthseligkeit vnnd Freundligkeit / daß er sich deß Niedrigen annimpt. Sie köndte gedencken auff das Wüten Herodis / welcher allerley Anschläge vornahm wieder den Messiam / seine Geburt zu wehren / vnd wuste nit daß die arme Magd Maria den König der Judẽ solte zur Welt tragen / also ward er zu nicht mit all seinen Anschlägen. Maria könte gedencken an die stoltze Anschläge deß Sathans / wie derselbe darnach getrachtet / die arme Menschen ewiglich vnter sein Joch zu bringen. Sie köndte gedencken / wie der reiche vnnd mächtige Hauff in der Welt dem Reich GOttes feind ist / vnd hingegen das arme Israel sehr bedrengt / vnd insonderheit das Hauß David sehr geniedrigt war. Sie gedachte auch auff jhre eygne Person. Wann dann Gott das stoltze vnd hohe niederstoßt / vnd das niedrige vnnd demütige erhebt / deß frewet sich Maria / vnnd preiset GOttes Leutseligkeit.
Bey solcher Weise bleibt Gott auch wol / so lang die Welt stehet. Dann was Maria hie singet / hat jhr Großvatter David viel Jahr zuvor gesungen im 113. Psalm: Wer ist wie der HERR vnser GOtt / der sich so hoch gesetzet hat / vnnd auff das Niedrige sihet im Himmel vnnd Erden? Der den Geringen auffrichtet auß dem Staub / vnnd erhöhet den Armen auß dem Koth / daß er jhn setze neben die Fürsten / neben die Fürsten seines Volcks. Diß erkennet auch die hertzhaffte Judith in jhrer Historia am 9. Capitel.
Psal. 113, 5.
Iudith. 9, 16.
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 654. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/670>, abgerufen am 06.08.2024. |


