Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652.werde; Also hat es weit mehr die liebe Jungfraw Mariam erfrewen können / wann sie im Geist gesehen / wie der Mensch Christus / welcher erhaben ist zur Rechten Gottes / alles nach seinem Willen regieret / alles in seinen Händen hat / von aller Welt gefürchtet / geehret / vnnd angebeten wirdt; daß dieser Christus / der ewiger Sohn Gottes / der Allmächtiger Gott jhr Sohn sey / eine Frucht jhres Leibes. Vmb solche Hoheit wird Maria von der alten Elisabeth billig selig vnd gebenedeyet gepriesen. Hie were nicht Wunder; wann Maria were in Hochmuth gefallen / tieffer als der Lueifer / wie dann insonderheit daß weibliche Geschlecht zum Hochmuth sehr geneiget. Manches Mägdlein solte für Hochmuth sich selbst weiter nicht kennen. Was thut aber diß Jungfräwlein? Sie kützelt sich nicht darüber / rühmet sich nicht hoch / sondern gibt Gott die Ehre / vnnd demüthiget sich mit Worten vnd Wercken; da sie wol die alte Elisabeth hätte können zu sich fordern / vnd jhr entbieten lassen; die Mutter deß HERREN läßt dir sagen / du solst zu jhr kommen / so gehet sie durch einen rauhen Weg zu jhr / vnnd da jhr billig die gantze Welt hätte sollen auffwarten / dienet sie andern. Dann daß sie bey der Elisabeth geblieben bey drey Monden / geschahe nicht auß Wollust / sondern daß sie jhr dienete vnnd Handtreychung thäte / wie eine andere Haußmagd. Wie sie von dem Engel gegrüsset wird: Du Gebenedeyte vnter den Weibern: Erniedriget sie sich mit Demuth: Siehe ich bin deß HERRN Magd. Ebenmässig / da sie von der frommen Priesterlichen Matronen also angeredet wirdt: Gebenedeyet bistu vnter den Weibern: O selig bistu / die du glaubet hast! Erkennet sie Gottes Gnade vnd jhre Vnwürdigkeit / gibt Gott die Ehr in Demuth vnd spricht: Der HERR hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Es ist jhr nicht so lieb / daß sie die gebenedeyte Mutter ist / als daß durch jhren Samen dem armen Israel solte auffgeholffen werden. werde; Also hat es weit mehr die liebe Jungfraw Mariam erfrewen können / wann sie im Geist gesehen / wie der Mensch Christus / welcher erhaben ist zur Rechten Gottes / alles nach seinem Willen regieret / alles in seinen Händen hat / von aller Welt gefürchtet / geehret / vnnd angebeten wirdt; daß dieser Christus / der ewiger Sohn Gottes / der Allmächtiger Gott jhr Sohn sey / eine Frucht jhres Leibes. Vmb solche Hoheit wird Maria von der alten Elisabeth billig selig vnd gebenedeyet gepriesen. Hie were nicht Wunder; wann Maria were in Hochmuth gefallen / tieffer als der Lueifer / wie dann insonderheit daß weibliche Geschlecht zum Hochmuth sehr geneiget. Manches Mägdlein solte für Hochmuth sich selbst weiter nicht kennen. Was thut aber diß Jungfräwlein? Sie kützelt sich nicht darüber / rühmet sich nicht hoch / sondern gibt Gott die Ehre / vnnd demüthiget sich mit Worten vnd Wercken; da sie wol die alte Elisabeth hätte können zu sich fordern / vnd jhr entbieten lassen; die Mutter deß HERREN läßt dir sagen / du solst zu jhr kommen / so gehet sie durch einen rauhen Weg zu jhr / vnnd da jhr billig die gantze Welt hätte sollen auffwarten / dienet sie andern. Dann daß sie bey der Elisabeth geblieben bey drey Monden / geschahe nicht auß Wollust / sondern daß sie jhr dienete vnnd Handtreychung thäte / wie eine andere Haußmagd. Wie sie von dem Engel gegrüsset wird: Du Gebenedeyte vnter den Weibern: Erniedriget sie sich mit Demuth: Siehe ich bin deß HERRN Magd. Ebenmässig / da sie von der frommen Priesterlichen Matronen also angeredet wirdt: Gebenedeyet bistu vnter den Weibern: O selig bistu / die du glaubet hast! Erkennet sie Gottes Gnade vnd jhre Vnwürdigkeit / gibt Gott die Ehr in Demuth vnd spricht: Der HERR hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Es ist jhr nicht so lieb / daß sie die gebenedeyte Mutter ist / als daß durch jhren Samen dem armen Israel solte auffgeholffen werden. <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0674" n="658"/> werde; Also hat es weit mehr die liebe Jungfraw Mariam erfrewen können / wann sie im Geist gesehen / wie der Mensch Christus / welcher erhaben ist zur Rechten Gottes / alles nach seinem Willen regieret / alles in seinen Händen hat / von aller Welt gefürchtet / geehret / vnnd angebeten wirdt; daß dieser Christus / der ewiger Sohn Gottes / der Allmächtiger Gott jhr Sohn sey / eine Frucht jhres Leibes. Vmb solche Hoheit wird Maria von der alten Elisabeth billig selig vnd gebenedeyet gepriesen.</p> <p>Hie were nicht Wunder; wann Maria were in Hochmuth gefallen / tieffer als der Lueifer / wie dann insonderheit daß weibliche Geschlecht zum Hochmuth sehr geneiget. Manches Mägdlein solte für Hochmuth sich selbst weiter nicht kennen. Was thut aber diß Jungfräwlein? Sie kützelt sich nicht darüber / rühmet sich nicht hoch / sondern gibt Gott die Ehre / vnnd demüthiget sich mit Worten vnd Wercken; da sie wol die alte Elisabeth hätte können zu sich fordern / vnd jhr entbieten lassen; die Mutter deß HERREN läßt dir sagen / du solst zu jhr kommen / so gehet sie durch einen rauhen Weg zu jhr / vnnd da jhr billig die gantze Welt hätte sollen auffwarten / dienet sie andern. Dann daß sie bey der Elisabeth geblieben bey drey Monden / geschahe nicht auß Wollust / sondern daß sie jhr dienete vnnd Handtreychung thäte / wie eine andere Haußmagd. Wie sie von dem Engel gegrüsset wird: Du Gebenedeyte vnter den Weibern: Erniedriget sie sich mit Demuth: Siehe ich bin deß HERRN Magd. Ebenmässig / da sie von der frommen Priesterlichen Matronen also angeredet wirdt: Gebenedeyet bistu vnter den Weibern: O selig bistu / die du glaubet hast! Erkennet sie Gottes Gnade vnd jhre Vnwürdigkeit / gibt Gott die Ehr in Demuth vnd spricht: Der HERR hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Es ist jhr nicht so lieb / daß sie die gebenedeyte Mutter ist / als daß durch jhren Samen dem armen Israel solte auffgeholffen werden.</p> </div> </body> </text> </TEI> [658/0674]
werde; Also hat es weit mehr die liebe Jungfraw Mariam erfrewen können / wann sie im Geist gesehen / wie der Mensch Christus / welcher erhaben ist zur Rechten Gottes / alles nach seinem Willen regieret / alles in seinen Händen hat / von aller Welt gefürchtet / geehret / vnnd angebeten wirdt; daß dieser Christus / der ewiger Sohn Gottes / der Allmächtiger Gott jhr Sohn sey / eine Frucht jhres Leibes. Vmb solche Hoheit wird Maria von der alten Elisabeth billig selig vnd gebenedeyet gepriesen.
Hie were nicht Wunder; wann Maria were in Hochmuth gefallen / tieffer als der Lueifer / wie dann insonderheit daß weibliche Geschlecht zum Hochmuth sehr geneiget. Manches Mägdlein solte für Hochmuth sich selbst weiter nicht kennen. Was thut aber diß Jungfräwlein? Sie kützelt sich nicht darüber / rühmet sich nicht hoch / sondern gibt Gott die Ehre / vnnd demüthiget sich mit Worten vnd Wercken; da sie wol die alte Elisabeth hätte können zu sich fordern / vnd jhr entbieten lassen; die Mutter deß HERREN läßt dir sagen / du solst zu jhr kommen / so gehet sie durch einen rauhen Weg zu jhr / vnnd da jhr billig die gantze Welt hätte sollen auffwarten / dienet sie andern. Dann daß sie bey der Elisabeth geblieben bey drey Monden / geschahe nicht auß Wollust / sondern daß sie jhr dienete vnnd Handtreychung thäte / wie eine andere Haußmagd. Wie sie von dem Engel gegrüsset wird: Du Gebenedeyte vnter den Weibern: Erniedriget sie sich mit Demuth: Siehe ich bin deß HERRN Magd. Ebenmässig / da sie von der frommen Priesterlichen Matronen also angeredet wirdt: Gebenedeyet bistu vnter den Weibern: O selig bistu / die du glaubet hast! Erkennet sie Gottes Gnade vnd jhre Vnwürdigkeit / gibt Gott die Ehr in Demuth vnd spricht: Der HERR hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen. Es ist jhr nicht so lieb / daß sie die gebenedeyte Mutter ist / als daß durch jhren Samen dem armen Israel solte auffgeholffen werden.
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Ander Theil Apostolischer Auffmu[n]terung zum Lebendigen Glauben in Christo Jesu. Frankfurt (Main) u. a., 1652, S. 658. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_auffmunterung2_1652/674>, abgerufen am 06.08.2024. |


