Lütkemann, Joachim: Der frommen Kinder Gottes Zeitliches Leiden und ewige Herrligkeit ... Braunschweig, 1654.als ein getreuer GOtt es schicket / daß sie nicht über Vermögen müssen versucht werden / sondern solche Versuchung ertragen können; indem Ers schicket / daß alles was jhnen begegnet / es sey süsse oder saur / es sey Züchtigung oder Verschonung / oder Errettung / jhnen zum besten dienen muß. Aber wir müssen solche Versprechung der Gnade / Hülffe und alles gutes / die GOtt seinen Kindern gethan hat / nicht also verstehen und außdeuten / als wann Er jhnen lauter zeitliches wolergehen und glückliche Tage / in aller Völle / Reichthumb / Gesundheit / Ehre / und jrrdischer Herrligkeit zugesagt hätte. Nein O nein! Ob gleich unser GOtt zu zeiten einem frommen Menschen auch einen frölichen Tag verleyhet / so bleibets doch dabey / was der Apostel Hebr. XII, 6. uns ankündiget / da er spricht: Welchen der HErr lieb hat / den züchtiget Er / Er stäupet aber einen jeglichen Sohn den Er auffnimt. Woltestu aber einwenden / es schiene ungütlich gehandelt seyn / daß GOtt die frommen Kinder stäupet / so mustu wissen / daß der Kinder Gottes jhre Frömmigkeit nicht in solcher Vollkommenheit bestehet / welche sich allerdinge nach GOttes Willen in gebührlichem Gehorsam bezeigen / und keine Straffe verdienen solte / sondern da heist es / wie die gläubige Kinder GOttes Esa. LXIV, 6. sich schuldig geben : Wir sind allesampt wie die Unreinen / und alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein unflätig Kleid; Und wir demnach alle mit David Psal. CXXX, 3. sprechen müssen; So du wilt HErr Sünde zurechnen / HErr wer wird bestehen: Und Ps. CXLIII, 3. HERR GOtt / gehe nicht ins Gericht mit deinen Knecht / denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Daher heist es freylich also / wie Hiob Cap. IX, 2. 3. spricht: Ich weiß fast wol / daß also ist / daß ein Mensch nicht rechtfertig bestehen mag gegen GOtt; hat er lust mit jhm zu haddern / so kan er Jhm auff tausend nicht eins antworten. Dann als ein getreuer GOtt es schicket / daß sie nicht über Vermögen müssen versucht werden / sondern solche Versuchung ertragen können; indem Ers schicket / daß alles was jhnen begegnet / es sey süsse oder saur / es sey Züchtigung oder Verschonung / oder Errettung / jhnen zum besten dienen muß. Aber wir müssen solche Versprechung der Gnade / Hülffe und alles gutes / die GOtt seinen Kindern gethan hat / nicht also verstehen und außdeuten / als wann Er jhnen lauter zeitliches wolergehen und glückliche Tage / in aller Völle / Reichthumb / Gesundheit / Ehre / und jrrdischer Herrligkeit zugesagt hätte. Nein O nein! Ob gleich unser GOtt zu zeiten einem from̃en Menschen auch einen frölichen Tag verleyhet / so bleibets doch dabey / was der Apostel Hebr. XII, 6. uns ankündiget / da er spricht: Welchen der HErr lieb hat / den züchtiget Er / Er stäupet aber einen jeglichen Sohn den Er auffnimt. Woltestu aber einwenden / es schiene ungütlich gehandelt seyn / daß GOtt die frommen Kinder stäupet / so mustu wissen / daß der Kinder Gottes jhre Frömmigkeit nicht in solcher Vollkommenheit bestehet / welche sich allerdinge nach GOttes Willen in gebührlichem Gehorsam bezeigen / und keine Straffe verdienen solte / sondern da heist es / wie die gläubige Kinder GOttes Esa. LXIV, 6. sich schuldig geben : Wir sind allesampt wie die Unreinen / und alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein unflätig Kleid; Und wir demnach alle mit David Psal. CXXX, 3. sprechen müssen; So du wilt HErr Sünde zurechnen / HErr wer wird bestehen: Und Ps. CXLIII, 3. HERR GOtt / gehe nicht ins Gericht mit deinẽ Knecht / denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Daher heist es freylich also / wie Hiob Cap. IX, 2. 3. spricht: Ich weiß fast wol / daß also ist / daß ein Mensch nicht rechtfertig bestehen mag gegen GOtt; hat er lust mit jhm zu haddern / so kan er Jhm auff tausend nicht eins antworten. Dañ <TEI> <text> <body> <div> <p><pb facs="#f0013"/> als ein getreuer GOtt es schicket / daß sie nicht über Vermögen müssen versucht werden / sondern solche Versuchung ertragen können; indem Ers schicket / daß alles was jhnen begegnet / es sey süsse oder saur / es sey Züchtigung oder Verschonung / oder Errettung / jhnen zum besten dienen muß. Aber wir müssen solche Versprechung der Gnade / Hülffe und alles gutes / die GOtt seinen Kindern gethan hat / nicht also verstehen und außdeuten / als wann Er jhnen lauter zeitliches wolergehen und glückliche Tage / in aller Völle / Reichthumb / Gesundheit / Ehre / und jrrdischer Herrligkeit zugesagt hätte. Nein O nein! Ob gleich unser GOtt zu zeiten einem from̃en Menschen auch einen frölichen Tag verleyhet / so bleibets doch dabey / was der Apostel Hebr. XII, 6. uns ankündiget / da er spricht: Welchen der HErr lieb hat / den züchtiget Er / Er stäupet aber einen jeglichen Sohn den Er auffnimt. Woltestu aber einwenden / es schiene ungütlich gehandelt seyn / daß GOtt die frommen Kinder stäupet / so mustu wissen / daß der Kinder Gottes jhre Frömmigkeit nicht in solcher Vollkommenheit bestehet / welche sich allerdinge nach GOttes Willen in gebührlichem Gehorsam bezeigen / und keine Straffe verdienen solte / sondern da heist es / wie die gläubige Kinder GOttes Esa. LXIV, 6. sich schuldig geben : Wir sind allesampt wie die Unreinen / und alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein unflätig Kleid; Und wir demnach alle mit David Psal. CXXX, 3. sprechen müssen; So du wilt HErr Sünde zurechnen / HErr wer wird bestehen: Und Ps. CXLIII, 3. HERR GOtt / gehe nicht ins Gericht mit deinẽ Knecht / denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Daher heist es freylich also / wie Hiob Cap. IX, 2. 3. spricht: Ich weiß fast wol / daß also ist / daß ein Mensch nicht rechtfertig bestehen mag gegen GOtt; hat er lust mit jhm zu haddern / so kan er Jhm auff tausend nicht eins antworten. Dañ </p> </div> </body> </text> </TEI> [0013]
als ein getreuer GOtt es schicket / daß sie nicht über Vermögen müssen versucht werden / sondern solche Versuchung ertragen können; indem Ers schicket / daß alles was jhnen begegnet / es sey süsse oder saur / es sey Züchtigung oder Verschonung / oder Errettung / jhnen zum besten dienen muß. Aber wir müssen solche Versprechung der Gnade / Hülffe und alles gutes / die GOtt seinen Kindern gethan hat / nicht also verstehen und außdeuten / als wann Er jhnen lauter zeitliches wolergehen und glückliche Tage / in aller Völle / Reichthumb / Gesundheit / Ehre / und jrrdischer Herrligkeit zugesagt hätte. Nein O nein! Ob gleich unser GOtt zu zeiten einem from̃en Menschen auch einen frölichen Tag verleyhet / so bleibets doch dabey / was der Apostel Hebr. XII, 6. uns ankündiget / da er spricht: Welchen der HErr lieb hat / den züchtiget Er / Er stäupet aber einen jeglichen Sohn den Er auffnimt. Woltestu aber einwenden / es schiene ungütlich gehandelt seyn / daß GOtt die frommen Kinder stäupet / so mustu wissen / daß der Kinder Gottes jhre Frömmigkeit nicht in solcher Vollkommenheit bestehet / welche sich allerdinge nach GOttes Willen in gebührlichem Gehorsam bezeigen / und keine Straffe verdienen solte / sondern da heist es / wie die gläubige Kinder GOttes Esa. LXIV, 6. sich schuldig geben : Wir sind allesampt wie die Unreinen / und alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein unflätig Kleid; Und wir demnach alle mit David Psal. CXXX, 3. sprechen müssen; So du wilt HErr Sünde zurechnen / HErr wer wird bestehen: Und Ps. CXLIII, 3. HERR GOtt / gehe nicht ins Gericht mit deinẽ Knecht / denn vor dir ist kein Lebendiger gerecht. Daher heist es freylich also / wie Hiob Cap. IX, 2. 3. spricht: Ich weiß fast wol / daß also ist / daß ein Mensch nicht rechtfertig bestehen mag gegen GOtt; hat er lust mit jhm zu haddern / so kan er Jhm auff tausend nicht eins antworten. Dañ
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools
|
| URL zu diesem Werk: | https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_leiden_1654 |
| URL zu dieser Seite: | https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_leiden_1654/13 |
| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Der frommen Kinder Gottes Zeitliches Leiden und ewige Herrligkeit ... Braunschweig, 1654, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luetkemann_leiden_1654/13>, abgerufen am 05.08.2024. |


