Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.über den 34. Psalm me aller Königen zu Gath gewesen sey/ wie alle Könige in Egypten Pharao genennet seyn. Es ist ein Name/ der einem Regenten wohl anste- het/ und bedeut einen Väterlichen König/ ein König der ein Vater ist. Es erinnert dieser Na- me die Regenten/ daß sie nicht allein übers Volck herrschen/ sondern auch gegen die Unter- thanen Väterlich gesinnet seyn sollen/ daß in der That und Warheit man sie Väter deß Vater- landes nennen könne. Dieser Abimelech oder Achis war König zu Gath/ eine von dem vor- nehmsten Städten der Philister/ und zwar die- selbe/ in welcher der Goliath zu Hause gehörete/ welchen David erleget hatte. Dahin fliehet David/ nachdem er beym König Saul in Un- gnaden kommen war/ und im Lande Israel nicht mehr sicher bleiben können. Er hat ver- meinet nirgends sicherer zu wohnen/ als an dem Ort/ da ihn niemand suchen würde. Denn wer solte gedacht haben/ daß David Unterschleiff su- chen solte bey den Leuten/ denen er grossen Schimpff und Schaden zugefüget hatte? Dar- um hat er gedacht daselbst unbekannter Weise für Sauls Grimm sicher zu wohnen. Es miß- rieth aber dem guten David dieser Anschlag/ und gerieth in grössere Gefahr/ als der er entgangen. Denn deß Königs Diener erkennen ihn/ und ge- ben
über den 34. Pſalm me aller Königen zu Gath geweſen ſey/ wie alle Könige in Egypten Pharao genennet ſeyn. Es iſt ein Name/ der einem Regenten wohl anſte- het/ und bedeut einen Väterlichen König/ ein König der ein Vater iſt. Es erinnert dieſer Na- me die Regenten/ daß ſie nicht allein übers Volck herrſchen/ ſondern auch gegen die Unter- thanen Väterlich geſinnet ſeyn ſollen/ daß in der That und Warheit man ſie Väter deß Vater- landes nennen könne. Dieſer Abimelech oder Achis war König zu Gath/ eine von dem vor- nehmſten Städten der Philiſter/ und zwar die- ſelbe/ in welcher der Goliath zu Hauſe gehörete/ welchen David erleget hatte. Dahin fliehet David/ nachdem er beym König Saul in Un- gnaden kommen war/ und im Lande Iſrael nicht mehr ſicher bleiben können. Er hat ver- meinet nirgends ſicherer zu wohnen/ als an dem Ort/ da ihn niemand ſuchen würde. Denn wer ſolte gedacht haben/ daß David Unterſchleiff ſu- chen ſolte bey den Leuten/ denen er groſſen Schimpff und Schaden zugefüget hatte? Dar- um hat er gedacht daſelbſt unbekannter Weiſe für Sauls Grimm ſicher zu wohnen. Es miß- rieth aber dem guten David dieſer Anſchlag/ und gerieth in gröſſere Gefahr/ als der er entgangen. Denn deß Königs Diener erkennen ihn/ und ge- ben
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über den 34. Pſalm
me aller Königen zu Gath geweſen ſey/ wie alle
Könige in Egypten Pharao genennet ſeyn. Es
iſt ein Name/ der einem Regenten wohl anſte-
het/ und bedeut einen Väterlichen König/ ein
König der ein Vater iſt. Es erinnert dieſer Na-
me die Regenten/ daß ſie nicht allein übers
Volck herrſchen/ ſondern auch gegen die Unter-
thanen Väterlich geſinnet ſeyn ſollen/ daß in der
That und Warheit man ſie Väter deß Vater-
landes nennen könne. Dieſer Abimelech oder
Achis war König zu Gath/ eine von dem vor-
nehmſten Städten der Philiſter/ und zwar die-
ſelbe/ in welcher der Goliath zu Hauſe gehörete/
welchen David erleget hatte. Dahin fliehet
David/ nachdem er beym König Saul in Un-
gnaden kommen war/ und im Lande Iſrael
nicht mehr ſicher bleiben können. Er hat ver-
meinet nirgends ſicherer zu wohnen/ als an dem
Ort/ da ihn niemand ſuchen würde. Denn wer
ſolte gedacht haben/ daß David Unterſchleiff ſu-
chen ſolte bey den Leuten/ denen er groſſen
Schimpff und Schaden zugefüget hatte? Dar-
um hat er gedacht daſelbſt unbekannter Weiſe
für Sauls Grimm ſicher zu wohnen. Es miß-
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 90. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/113>, abgerufen am 06.08.2024. |


