Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.Die andere Betrachtung. abnehmen. Joh. 3. v. 30. Menschen-Kinder halten viel von ihnen selbst/ eignen ihnen viel zu/ und halten andere Leute geringe; Nicht so solls mit dir seyn/ meine Seele: Hastu was/ so hast du es nicht von dir selbst/ sondern von Gott? Kanst du was/ so ist das Vermögen nicht dein/ sondern Gottes/ dem gönne die Ehre/ und sprich: Wer bin ich? von der lautern Gnade GOttes bin ich/ was ich bin. Es genügt mir/ daß GOtt mich armes Würmlein zu seinem Werckzeuge gebraucht/ und noch etwas gutes in mir und durch mich außrichtet; Auch achte ich mich dazu unwürdig. Das muß meines Hertzens Sinn seyn. Mache ichs anders/ so raube ich Gott seine Ehre/ dafür behüte mich/ mein GOtt. Endlich gehöret zum Preise GOttes/ sich deß HErrn rühmen/ und sich über GOtt freuen. Die Gottseligen haben zuweilen auch wohl etwas/ dessen sie sich in der Welt rühmen können: Da- vid konte sich rühmen seiner Tapfferkeit. Salo- mon seiner Weißheit. Joseph und Daniel ih- res hohen Verstandes. Aber das alles haben sie gewust zu verschmehen/ und für nichts zu hal- ten/ gegen den Ruhm/ daß GOtt ihr GOtt ist. Paulus könte sich vieler hohen Gaben rühmen/ dennoch spricht er: Es sey ferne von mir/ daß ich mich rühme/ denn allein deß Creutzes Chri- G iij
Die andere Betrachtung. abnehmen. Joh. 3. v. 30. Menſchen-Kinder halten viel von ihnen ſelbſt/ eignen ihnen viel zu/ und halten andere Leute geringe; Nicht ſo ſolls mit dir ſeyn/ meine Seele: Haſtu was/ ſo haſt du es nicht von dir ſelbſt/ ſondern von Gott? Kanſt du was/ ſo iſt das Vermögen nicht dein/ ſondern Gottes/ dem gönne die Ehre/ und ſprich: Wer bin ich? von der lautern Gnade GOttes bin ich/ was ich bin. Es genügt mir/ daß GOtt mich armes Würmlein zu ſeinem Werckzeuge gebraucht/ und noch etwas gutes in mir und durch mich außrichtet; Auch achte ich mich dazu unwürdig. Das muß meines Hertzens Sinn ſeyn. Mache ichs anders/ ſo raube ich Gott ſeine Ehre/ dafür behüte mich/ mein GOtt. Endlich gehöret zum Preiſe GOttes/ ſich deß HErrn rühmen/ und ſich über GOtt freuen. Die Gottſeligen haben zuweilen auch wohl etwas/ deſſen ſie ſich in der Welt rühmen können: Da- vid konte ſich rühmen ſeiner Tapfferkeit. Salo- mon ſeiner Weißheit. Joſeph und Daniel ih- res hohen Verſtandes. Aber das alles haben ſie gewuſt zu verſchmehen/ und für nichts zu hal- ten/ gegen den Ruhm/ daß GOtt ihr GOtt iſt. Paulus könte ſich vieler hohen Gaben rühmen/ dennoch ſpricht er: Es ſey ferne von mir/ daß ich mich rühme/ denn allein deß Creutzes Chri- G iij
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Die andere Betrachtung.
abnehmen. Joh. 3. v. 30. Menſchen-Kinder
halten viel von ihnen ſelbſt/ eignen ihnen viel
zu/ und halten andere Leute geringe; Nicht ſo
ſolls mit dir ſeyn/ meine Seele: Haſtu was/ ſo
haſt du es nicht von dir ſelbſt/ ſondern von Gott?
Kanſt du was/ ſo iſt das Vermögen nicht dein/
ſondern Gottes/ dem gönne die Ehre/ und ſprich:
Wer bin ich? von der lautern Gnade GOttes
bin ich/ was ich bin. Es genügt mir/ daß GOtt
mich armes Würmlein zu ſeinem Werckzeuge
gebraucht/ und noch etwas gutes in mir und
durch mich außrichtet; Auch achte ich mich dazu
unwürdig. Das muß meines Hertzens Sinn
ſeyn. Mache ichs anders/ ſo raube ich Gott ſeine
Ehre/ dafür behüte mich/ mein GOtt. Endlich
gehöret zum Preiſe GOttes/ ſich deß HErrn
rühmen/ und ſich über GOtt freuen. Die
Gottſeligen haben zuweilen auch wohl etwas/
deſſen ſie ſich in der Welt rühmen können: Da-
vid konte ſich rühmen ſeiner Tapfferkeit. Salo-
mon ſeiner Weißheit. Joſeph und Daniel ih-
res hohen Verſtandes. Aber das alles haben
ſie gewuſt zu verſchmehen/ und für nichts zu hal-
ten/ gegen den Ruhm/ daß GOtt ihr GOtt iſt.
Paulus könte ſich vieler hohen Gaben rühmen/
dennoch ſpricht er: Es ſey ferne von mir/ daß
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 101. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/124>, abgerufen am 06.08.2024. |


