Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.Die vierdte Betrachtung. Gott sollen auffgeopffert werden. Ich wil dirfeiste Brand-Opffer thun von den gebrand- ten Widdern/ ich wil opffern Rinder und Böcke. Zu mercken ists/ wenn wir sprechen: Ich wil dir feiste Brand-Opffer thun von ge- brandten Widdern; Redet der Psalm in sei- ner Sprach eigentlich also: Ich wil dir feiste Brand-Opffer thun/ das Rauchwerck von Widdern/ das ist das Fett welches verbrant wird/ und im Rauch auffgehet; oder: Die Wid- der mit dem Rauchwerck. Denn das Rauch- werck war ein besonderer Gottesdienst. Bey- des ist eine gute Meinung. So müssen wir nun dem HErrn zu Danck opffern zu erst einen Bock/ das ist/ den alten Menschen/ der ohn un- terlaß muß gecreutziget und getödtet werden. Zum andern/ einen Widder/ das ist/ den neuen Menschen/ der soll in heisser Liebe zu Gott bren- nen/ und auß Liebe sich Gott zu Dienste ergeben. Zum dritten müssen wir auch Farren bringen/ das ist alle Kräffte und alles Vermögen so wohl deß Leibes als der Seelen. Hierzu müssen wir ein Rauchwerck thun/ welches ist das Gebet der Heiligen/ und die Seuffzerlein deß Hert- zens/ von welchen Paulus spricht: Der Geist vertritt uns mit unaußsprechlichen Seuff- zen/ denn es ist nicht außzusprechen/ wie viel in einem
Die vierdte Betrachtung. Gott ſollen auffgeopffert werden. Ich wil dirfeiſte Brand-Opffer thun von den gebrand- ten Widdern/ ich wil opffern Rinder und Böcke. Zu mercken iſts/ weñ wir ſprechen: Ich wil dir feiſte Brand-Opffer thun von ge- brandten Widdern; Redet der Pſalm in ſei- ner Sprach eigentlich alſo: Ich wil dir feiſte Brand-Opffer thun/ das Rauchwerck von Widdern/ das iſt das Fett welches verbrant wird/ und im Rauch auffgehet; oder: Die Wid- der mit dem Rauchwerck. Denn das Rauch- werck war ein beſonderer Gottesdienſt. Bey- des iſt eine gute Meinung. So müſſen wir nun dem HErrn zu Danck opffern zu erſt einen Bock/ das iſt/ den alten Menſchen/ der ohn un- terlaß muß gecreutziget und getödtet werden. Zum andern/ einen Widder/ das iſt/ den neuen Menſchen/ der ſoll in heiſſer Liebe zu Gott bren- nen/ und auß Liebe ſich Gott zu Dienſte ergeben. Zum dritten müſſen wir auch Farren bringen/ das iſt alle Kräffte und alles Vermögen ſo wohl deß Leibes als der Seelen. Hierzu müſſen wir ein Rauchwerck thun/ welches iſt das Gebet der Heiligen/ und die Seuffzerlein deß Hert- zens/ von welchen Paulus ſpricht: Der Geiſt vertritt uns mit unaußſprechlichen Seuff- zen/ denn es iſt nicht außzuſprechen/ wie viel in einem
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Die vierdte Betrachtung.
Gott ſollen auffgeopffert werden. Ich wil dir
feiſte Brand-Opffer thun von den gebrand-
ten Widdern/ ich wil opffern Rinder und
Böcke. Zu mercken iſts/ weñ wir ſprechen: Ich
wil dir feiſte Brand-Opffer thun von ge-
brandten Widdern; Redet der Pſalm in ſei-
ner Sprach eigentlich alſo: Ich wil dir feiſte
Brand-Opffer thun/ das Rauchwerck von
Widdern/ das iſt das Fett welches verbrant
wird/ und im Rauch auffgehet; oder: Die Wid-
der mit dem Rauchwerck. Denn das Rauch-
werck war ein beſonderer Gottesdienſt. Bey-
des iſt eine gute Meinung. So müſſen wir nun
dem HErrn zu Danck opffern zu erſt einen
Bock/ das iſt/ den alten Menſchen/ der ohn un-
terlaß muß gecreutziget und getödtet werden.
Zum andern/ einen Widder/ das iſt/ den neuen
Menſchen/ der ſoll in heiſſer Liebe zu Gott bren-
nen/ und auß Liebe ſich Gott zu Dienſte ergeben.
Zum dritten müſſen wir auch Farren bringen/
das iſt alle Kräffte und alles Vermögen ſo wohl
deß Leibes als der Seelen. Hierzu müſſen wir
ein Rauchwerck thun/ welches iſt das Gebet
der Heiligen/ und die Seuffzerlein deß Hert-
zens/ von welchen Paulus ſpricht: Der Geiſt
vertritt uns mit unaußſprechlichen Seuff-
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 237. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/260>, abgerufen am 06.08.2024. |


