Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.Die fünffte Betrachtung. falsch; Ist das Hertz unrein/ ist das Gebet auchunrein. Wenn man im Alten Testament dem HErrn hat wollen ein Opffer bringen/ hats müssen rein seyn ohne Tadel. Wie solte denn GOtt gefallen das Gebet/ das auß unreinem Hertzen kommt? Der Herr ist ein heiliger Gott und ein gerechter Richter/ wenn denn iemand ei- ne böse Sache hat/ und begehret von Gott er soll ihn in seiner bösen Sache fördern/ solte der ge- rechte Richter solch Begehren wohl erhören? Ja eyfern wird Er drüber. Also auch/ wenn ei- ner mit unbuß fertigem unversöhnlichem Hert- zen für Gott tritt und betet/ solte sein Gebet an- genehm seyn? Beym Esaia am 1. v. 15. spricht GOtt: Wenn ihr schon eure Hände auß- breitet/ verberge ich doch meine Augen von euch/ und ob ihr schon viel betet/ höre ich euch doch nicht/ denn eure Hände sind voll Bluts. Also am 59. Cap. v. 1. 2. Siehe deß HErrn Hand ist nicht kurtz/ daß Er nicht helffen könne/ und seine Ohren sind nicht dicke worden/ daß Er nicht höre/ sondern eure Untugend scheiden euch und euren Gott von einander/ und eure Sünde ver- bergen das Angesicht von euch/ daß ihr nicht gehöret werdet. Siehe/ also nimmt die Heuche- ley dem Gebet alle Krafft. Recht und wohl wars
Die fünffte Betrachtung. falſch; Iſt das Hertz unrein/ iſt das Gebet auchunrein. Wenn man im Alten Teſtament dem HErrn hat wollen ein Opffer bringen/ hats müſſen rein ſeyn ohne Tadel. Wie ſolte denn GOtt gefallen das Gebet/ das auß unreinem Hertzen kommt? Der Herr iſt ein heiliger Gott und ein gerechter Richter/ wenn denn iemand ei- ne böſe Sache hat/ und begehret von Gott er ſoll ihn in ſeiner böſen Sache fördern/ ſolte der ge- rechte Richter ſolch Begehren wohl erhören? Ja eyfern wird Er drüber. Alſo auch/ wenn ei- ner mit unbuß fertigem unverſöhnlichem Hert- zen für Gott tritt und betet/ ſolte ſein Gebet an- genehm ſeyn? Beym Eſaia am 1. v. 15. ſpricht GOtt: Wenn ihr ſchon eure Hände auß- breitet/ verberge ich doch meine Augen von euch/ und ob ihr ſchon viel betet/ höre ich euch doch nicht/ denn eure Hände ſind voll Bluts. Alſo am 59. Cap. v. 1. 2. Siehe deß HErrn Hand iſt nicht kurtz/ daß Er nicht helffen könne/ und ſeine Ohren ſind nicht dicke worden/ daß Er nicht höre/ ſondern eure Untugend ſcheiden euch und euren Gott von einander/ und eure Sünde ver- bergen das Angeſicht von euch/ daß ihr nicht gehöret werdet. Siehe/ alſo nim̃t die Heuche- ley dem Gebet alle Krafft. Recht und wohl wars
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Die fünffte Betrachtung.
falſch; Iſt das Hertz unrein/ iſt das Gebet auch
unrein. Wenn man im Alten Teſtament dem
HErrn hat wollen ein Opffer bringen/ hats
müſſen rein ſeyn ohne Tadel. Wie ſolte denn
GOtt gefallen das Gebet/ das auß unreinem
Hertzen kommt? Der Herr iſt ein heiliger Gott
und ein gerechter Richter/ wenn denn iemand ei-
ne böſe Sache hat/ und begehret von Gott er ſoll
ihn in ſeiner böſen Sache fördern/ ſolte der ge-
rechte Richter ſolch Begehren wohl erhören?
Ja eyfern wird Er drüber. Alſo auch/ wenn ei-
ner mit unbuß fertigem unverſöhnlichem Hert-
zen für Gott tritt und betet/ ſolte ſein Gebet an-
genehm ſeyn? Beym Eſaia am 1. v. 15. ſpricht
GOtt: Wenn ihr ſchon eure Hände auß-
breitet/ verberge ich doch meine Augen von
euch/ und ob ihr ſchon viel betet/ höre ich
euch doch nicht/ denn eure Hände ſind voll
Bluts. Alſo am 59. Cap. v. 1. 2. Siehe deß
HErrn Hand iſt nicht kurtz/ daß Er nicht
helffen könne/ und ſeine Ohren ſind nicht
dicke worden/ daß Er nicht höre/ ſondern
eure Untugend ſcheiden euch und euren
Gott von einander/ und eure Sünde ver-
bergen das Angeſicht von euch/ daß ihr nicht
gehöret werdet. Siehe/ alſo nim̃t die Heuche-
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 255. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/278>, abgerufen am 06.08.2024. |


