Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.über den 84. Psalm den rechten Gottesdienst/ welcher im Tempelauß hertzlicher Liebe und lebendigem Glauben zu GOtt verrichtet ist/ und also auch auff den inner- lichen Gottesdienst/ den man allenthalben in dem inwendigen Tempel deß Hertzens verrich- ten kan. GOtt ist in mir und ich bin in GOtt/ daß heist das rechte Himmelreich/ die liebliche Wohnung GOttes. Wenn ich meine Gedan- cken von der Welt abziehe und in Andacht zu meinem GOtt kehre/ so trete ich in den Vorhof/ da stehe ich vor der Pforte deß Himmels/ das ist der Ort/ da GOtt zu wohnen Lust hat/ und dar- an sich meine Seele verliebet hat. Die Woh- nung ist das liebliche Schwalben-Nest/ das Nest vor meine Seele/ das liebliche Nest. Ach wie lieblich sind deine Wohnung/ So ist nun die Wohnung GOttes vors erst HErr
über den 84. Pſalm den rechten Gottesdienſt/ welcher im Tempelauß hertzlicher Liebe und lebendigem Glauben zu GOtt verrichtet iſt/ und alſo auch auff den inner- lichen Gottesdienſt/ den man allenthalben in dem inwendigen Tempel deß Hertzens verrich- ten kan. GOtt iſt in mir und ich bin in GOtt/ daß heiſt das rechte Himmelreich/ die liebliche Wohnung GOttes. Wenn ich meine Gedan- cken von der Welt abziehe und in Andacht zu meinem GOtt kehre/ ſo trete ich in den Vorhof/ da ſtehe ich vor der Pforte deß Himmels/ das iſt der Ort/ da GOtt zu wohnen Luſt hat/ und dar- an ſich meine Seele verliebet hat. Die Woh- nung iſt das liebliche Schwalben-Neſt/ das Neſt vor meine Seele/ das liebliche Neſt. Ach wie lieblich ſind deine Wohnung/ So iſt nun die Wohnung GOttes vors erſt HErr
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über den 84. Pſalm
den rechten Gottesdienſt/ welcher im Tempel
auß hertzlicher Liebe und lebendigem Glauben zu
GOtt verrichtet iſt/ und alſo auch auff den inner-
lichen Gottesdienſt/ den man allenthalben in
dem inwendigen Tempel deß Hertzens verrich-
ten kan. GOtt iſt in mir und ich bin in GOtt/
daß heiſt das rechte Himmelreich/ die liebliche
Wohnung GOttes. Wenn ich meine Gedan-
cken von der Welt abziehe und in Andacht zu
meinem GOtt kehre/ ſo trete ich in den Vorhof/
da ſtehe ich vor der Pforte deß Himmels/ das iſt
der Ort/ da GOtt zu wohnen Luſt hat/ und dar-
an ſich meine Seele verliebet hat. Die Woh-
nung iſt das liebliche Schwalben-Neſt/ das Neſt
vor meine Seele/ das liebliche Neſt.
Ach wie lieblich ſind deine Wohnung/
HErr Zebaoth! Meine Seele verlanget
und ſehnet ſich nach den Vorhöfen deß
HErrn/ mein Leib und Seele freuen ſich in
dem lebendigen GOtt. Wenn wir nach deß
heiligen Geiſtes Anleitung dieſes bedencken wol-
len/ fält uns dreyerley für/ erſtlich die Lieblig-
keit deß Tempels/ zum andern/ der Seelen
Verlangen nach demſelben/ zum dritten/ die
innigliche Freude/ die die Seele darinnen findet.
So iſt nun die Wohnung GOttes vors erſt
lieblich; Wie lieblich ſeynd deine Wohnung/
HErr
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 438. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/461>, abgerufen am 06.08.2024. |


