Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.Die andere Betrachtung. darauß trincken wir Wasser deß Lebens/ das macht uns starck und getrost in allerley Trüb- sal/ daß wir GOtt immer loben können. Freue dich über deinen Brunnen Israels. Im 4. Buch Mosis am 21. C. v. 16. wird gelesen/ daß Israel in der Wüsten an einen Brunnen gerathen/ davon der HErr zu Mose sagte: Samle das Volck/ ich wil ihnen Wasser geben. Da sang Israel dieses Lied/ steig auff Brunne/ ruffet über Ihn/ das ist der Brunne/ den die Fürsten gegraben haben/ die Edlen im Volck haben ihn gegraben/ sammt dem Lehrer/ dem Gesetz-Geber/ durch ihre Stä- be. Es scheinet/ als wann Moses mit den Für- sten der zwölff Stämme die Erde mit einem Stab geschlagen/ darauff sich wunderbarlich ei- ne Qvelle geöffnet. Da das Volck weiter nach- gegraben/ und so viel Wassers gesamlet/ daß gantz Israel für sich und ihr Vieh genug ge- habt hat/ weil sie aber vorhin an Wasser Man- gel gelitten/ seynd sie über diesen frischen Brun- nen sehr froh geworden; In solcher Freude ist der heilige Geist über sie gerathen/ daß sie in einem Freuden-Gesang geweissaget haben von einem geistlichen Brunnen/ den uns GOtt zei- get. Diß ist der rechte Brunne/ davon der HErr saget/ samle das Volck/ Ich wil ihnen Was- ser G g iij
Die andere Betrachtung. darauß trincken wir Waſſer deß Lebens/ das macht uns ſtarck und getroſt in allerley Trüb- ſal/ daß wir GOtt immer loben können. Freue dich über deinen Brunnen Iſraels. Im 4. Buch Moſis am 21. C. v. 16. wird geleſen/ daß Iſrael in der Wüſten an einen Brunnen gerathen/ davon der HErr zu Moſe ſagte: Samle das Volck/ ich wil ihnen Waſſer geben. Da ſang Iſrael dieſes Lied/ ſteig auff Brunne/ ruffet über Ihn/ das iſt der Brunne/ den die Fürſten gegraben haben/ die Edlen im Volck haben ihn gegraben/ ſammt dem Lehrer/ dem Geſetz-Geber/ durch ihre Stä- be. Es ſcheinet/ als wann Moſes mit den Für- ſten der zwölff Stämme die Erde mit einem Stab geſchlagen/ darauff ſich wunderbarlich ei- ne Qvelle geöffnet. Da das Volck weiter nach- gegraben/ und ſo viel Waſſers geſamlet/ daß gantz Iſrael für ſich und ihr Vieh genug ge- habt hat/ weil ſie aber vorhin an Waſſer Man- gel gelitten/ ſeynd ſie über dieſen friſchen Brun- nen ſehr froh geworden; In ſolcher Freude iſt der heilige Geiſt über ſie gerathen/ daß ſie in einem Freuden-Geſang geweiſſaget haben von einem geiſtlichen Brunnen/ den uns GOtt zei- get. Diß iſt der rechte Brunne/ davon der HErr ſaget/ ſamle das Volck/ Ich wil ihnen Waſ- ſer G g iij
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Die andere Betrachtung.
darauß trincken wir Waſſer deß Lebens/ das
macht uns ſtarck und getroſt in allerley Trüb-
ſal/ daß wir GOtt immer loben können. Freue
dich über deinen Brunnen Iſraels. Im 4. Buch
Moſis am 21. C. v. 16. wird geleſen/ daß Iſrael
in der Wüſten an einen Brunnen gerathen/
davon der HErr zu Moſe ſagte: Samle das
Volck/ ich wil ihnen Waſſer geben. Da ſang
Iſrael dieſes Lied/ ſteig auff Brunne/ ruffet
über Ihn/ das iſt der Brunne/ den die
Fürſten gegraben haben/ die Edlen im
Volck haben ihn gegraben/ ſammt dem
Lehrer/ dem Geſetz-Geber/ durch ihre Stä-
be. Es ſcheinet/ als wann Moſes mit den Für-
ſten der zwölff Stämme die Erde mit einem
Stab geſchlagen/ darauff ſich wunderbarlich ei-
ne Qvelle geöffnet. Da das Volck weiter nach-
gegraben/ und ſo viel Waſſers geſamlet/ daß
gantz Iſrael für ſich und ihr Vieh genug ge-
habt hat/ weil ſie aber vorhin an Waſſer Man-
gel gelitten/ ſeynd ſie über dieſen friſchen Brun-
nen ſehr froh geworden; In ſolcher Freude iſt
der heilige Geiſt über ſie gerathen/ daß ſie in
einem Freuden-Geſang geweiſſaget haben von
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get. Diß iſt der rechte Brunne/ davon der HErr
ſaget/ ſamle das Volck/ Ich wil ihnen Waſ-
ſer
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 469. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/492>, abgerufen am 06.08.2024. |


