Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.über den 92. Psalm und der Sünden Macht unterworffen/ wie wohlwider meinen Willen/ aber der HErr handelt nicht nach meinen Sünden/ und vergilt mir nicht nach meiner Missethat/ Ps. 103/ 10. Ich steck im Creutz und werde sehr geqvälet/ aber Gott ist mein getreuer beständiger Freund/ der mich nicht läst versuchen über Vermögen/ 1. Cor. 10, 13. Wie tröstlich ist mir deine Güte und Treu/ mein Gott/ wenn ich in Nöthen bin? Wie frölich kan ich darinn werden? Was bin ich/ daß du mein gedenckest? Aber das ist deine Güte und Treue/ daß du dich meiner erbarmest/ wie ein Vater über sein Kind. Ist auch etwas/ dazu du grössere Lust hast/ als nur Gutes zu thun? Du gütiger GOtt/ du getreuer Heyland; Du nimmst dich meiner hertzlich an/ und hörest nicht auff/ so gütig/ so getreu bist du mein Gott. Ist das nicht lobens werth? Zum andern/ wenn soll man Gott loben? unse-
über den 92. Pſalm und der Sünden Macht unterworffen/ wie wohlwider meinen Willen/ aber der HErr handelt nicht nach meinen Sünden/ und vergilt mir nicht nach meiner Miſſethat/ Pſ. 103/ 10. Ich ſteck im Creutz und werde ſehr geqvälet/ aber Gott iſt mein getreuer beſtändiger Freund/ der mich nicht läſt verſuchen über Vermögen/ 1. Cor. 10, 13. Wie tröſtlich iſt mir deine Güte und Treu/ mein Gott/ wenn ich in Nöthen bin? Wie frölich kan ich darinn werden? Was bin ich/ daß du mein gedenckeſt? Aber das iſt deine Güte und Treue/ daß du dich meiner erbarmeſt/ wie ein Vater über ſein Kind. Iſt auch etwas/ dazu du gröſſere Luſt haſt/ als nur Gutes zu thun? Du gütiger GOtt/ du getreuer Heyland; Du nimmſt dich meiner hertzlich an/ und höreſt nicht auff/ ſo gütig/ ſo getreu biſt du mein Gott. Iſt das nicht lobens werth? Zum andern/ wenn ſoll man Gott loben? unſe-
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über den 92. Pſalm
und der Sünden Macht unterworffen/ wie wohl
wider meinen Willen/ aber der HErr handelt
nicht nach meinen Sünden/ und vergilt mir
nicht nach meiner Miſſethat/ Pſ. 103/ 10. Ich
ſteck im Creutz und werde ſehr geqvälet/ aber
Gott iſt mein getreuer beſtändiger Freund/ der
mich nicht läſt verſuchen über Vermögen/ 1.
Cor. 10, 13. Wie tröſtlich iſt mir deine Güte
und Treu/ mein Gott/ wenn ich in Nöthen bin?
Wie frölich kan ich darinn werden? Was bin
ich/ daß du mein gedenckeſt? Aber das iſt deine
Güte und Treue/ daß du dich meiner erbarmeſt/
wie ein Vater über ſein Kind. Iſt auch etwas/
dazu du gröſſere Luſt haſt/ als nur Gutes zu thun?
Du gütiger GOtt/ du getreuer Heyland; Du
nimmſt dich meiner hertzlich an/ und höreſt nicht
auff/ ſo gütig/ ſo getreu biſt du mein Gott. Iſt
das nicht lobens werth?
Zum andern/ wenn ſoll man Gott loben?
Es iſt ein köſtlich Ding/ deß Morgens deine
Gnade/ und deß Nachts deine Warheit verkün-
digen. Damit iſt erſtlich ſo viel geſagt/ daß wir
Tag und Nacht mit GOttes Lob ſollen um-
gehen. In der Nacht/ nach der erſten Ruhe
ſeynd die Gedancken friſch/ und können tieffer
durchdringen als ſonſten/ darum hält GOtt
zuweilen unſere Augen deß Nachts offen/ daß
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 504. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/527>, abgerufen am 06.08.2024. |


