Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.Die andere Betrachtung. tet Er euer im 94. Ps. v. 8: Ihr Narren/ ihrThoren/ wenn wolt ihr klug werden: Mit Verlangen ruffet der Geist GOttes euch zu in den Sprüchen Salomonis: c/ 8. 5: Merckt ihr Albern die Witze/ und ihr Thoren nehmets zu Hertzen/ höret/ denn Ich wil reden was Fürstlich ist/ und lehren was recht ist. Kein Blinder ist so blind/ der nicht mit Danck an- nimmt/ so er iemand findet/ der ihm wil die Au- gen öffnen. Aber ihr Thoren seyd blinder als blind. Was euch gut ist/ sehet ihr nicht/ und was ihr euch für gut einbildet/ muß euch gut seyn/ man predige was man wolle/ daß an euch erfüllet wird/ was unter den Sprüchen Salomonis c. 15. v. 21. geschrieben stehet: Dem Thoren ist die Thorheit eine Freude/ aber ein verständi- ger Mann bleibet auff dem rechten Wege; Ein verständiger Mann kehret sich nicht an das was ihm nach dem Fleisch gut und nützlich schei- net/ er lässet sich dadurch vom rechten Wege nicht abführen; Er sihet ein wahres ewiges Gut/ dahin richtet er all seine Gedancken/ und das ist ein weiser Mann. Ein Thor belustiget sich in fleischlicher betrieglicher Lust; und wenn man spricht: Es taugt nicht; hält ers doch für köst- lich Ding. Dem Thoren ist die Thorheit ei- ne Freude. Nun
Die andere Betrachtung. tet Er euer im 94. Pſ. v. 8: Ihr Narren/ ihrThoren/ wenn wolt ihr klug werden: Mit Verlangen ruffet der Geiſt GOttes euch zu in den Sprüchen Salomonis: c/ 8. 5: Merckt ihr Albern die Witze/ und ihr Thoren nehmets zu Hertzen/ höret/ denn Ich wil reden was Fürſtlich iſt/ und lehren was recht iſt. Kein Blinder iſt ſo blind/ der nicht mit Danck an- nimmt/ ſo er iemand findet/ der ihm wil die Au- gen öffnen. Aber ihr Thoren ſeyd blinder als blind. Was euch gut iſt/ ſehet ihr nicht/ und was ihr euch für gut einbildet/ muß euch gut ſeyn/ man predige was man wolle/ daß an euch erfüllet wird/ was unter den Sprüchen Salomonis c. 15. v. 21. geſchrieben ſtehet: Dem Thoren iſt die Thorheit eine Freude/ aber ein verſtändi- ger Mann bleibet auff dem rechten Wege; Ein verſtändiger Mann kehret ſich nicht an das was ihm nach dem Fleiſch gut und nützlich ſchei- net/ er läſſet ſich dadurch vom rechten Wege nicht abführen; Er ſihet ein wahres ewiges Gut/ dahin richtet er all ſeine Gedancken/ und das iſt ein weiſer Mann. Ein Thor beluſtiget ſich in fleiſchlicher betrieglicher Luſt; und wenn man ſpricht: Es taugt nicht; hält ers doch für köſt- lich Ding. Dem Thoren iſt die Thorheit ei- ne Freude. Nun
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Die andere Betrachtung.
tet Er euer im 94. Pſ. v. 8: Ihr Narren/ ihr
Thoren/ wenn wolt ihr klug werden: Mit
Verlangen ruffet der Geiſt GOttes euch zu in
den Sprüchen Salomonis: c/ 8. 5: Merckt ihr
Albern die Witze/ und ihr Thoren nehmets
zu Hertzen/ höret/ denn Ich wil reden was
Fürſtlich iſt/ und lehren was recht iſt. Kein
Blinder iſt ſo blind/ der nicht mit Danck an-
nimmt/ ſo er iemand findet/ der ihm wil die Au-
gen öffnen. Aber ihr Thoren ſeyd blinder als
blind. Was euch gut iſt/ ſehet ihr nicht/ und was
ihr euch für gut einbildet/ muß euch gut ſeyn/ man
predige was man wolle/ daß an euch erfüllet
wird/ was unter den Sprüchen Salomonis c. 15.
v. 21. geſchrieben ſtehet: Dem Thoren iſt die
Thorheit eine Freude/ aber ein verſtändi-
ger Mann bleibet auff dem rechten Wege;
Ein verſtändiger Mann kehret ſich nicht an das
was ihm nach dem Fleiſch gut und nützlich ſchei-
net/ er läſſet ſich dadurch vom rechten Wege
nicht abführen; Er ſihet ein wahres ewiges Gut/
dahin richtet er all ſeine Gedancken/ und das iſt
ein weiſer Mann. Ein Thor beluſtiget ſich in
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 525. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/548>, abgerufen am 06.08.2024. |


