Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.über den 116. Psalm gehen/ Luc. 24, 26. Er gieng nicht in einefrembde Herrligkeit/ sondern in seine eigne/ die er von Anfang bey seinem Vater gehabt hatte/ und gieng doch durch den engen Steg deß bittern Leidens. Wir haben keine eigne Herrligkeit/ die uns von Natur angehöre/ es ist uns eine frembde Herrligkeit fürgestellet/ die nur unser ist auß Gnaden/ solts uns beschwerlich seyn/ daß wir durch denselben Weg deß Leidens sollen zu dieser frembden Herrligkeit gehen/ durch wel- chen der Sohn GOttes gegangen ist in seine eig- ne Herrligkeit? Genug ists/ daß du einen Auß- helffer hast. Laß dir auch das ein Trost seyn/ daß du Trost und Ruhe in GOtt haben kanst. Meinstu daß es eine geringe Gnade ist/ daß dir GOtt Ruhe gönnet nicht in einem vergängli- chen Dinge/ sondern in ihm selbst? Wiewohl bistu damit versorget? Was ists das dich betrü- ben solte/ weil wider allen Unfall du genugsam in GOtt verwahret bist? Mich soll billig nichts be- trüben/ als wenn ich GOtt beleidige/ in wel- chem meine Seele ruhen soll. Das letzte/ das ich leiden muß/ ist der Tod/ aber da wirds recht erfüllet/ was hie im Psalm stehet: Er hat mei- ne Seele auß dem Tode gerissen/ meine Au- gen von Threnen/ meinen Fuß vom Glei- ten. Da kan ich mit Freuden sagen: Nun gehe ein
über den 116. Pſalm gehen/ Luc. 24, 26. Er gieng nicht in einefrembde Herrligkeit/ ſondern in ſeine eigne/ die er von Anfang bey ſeinem Vater gehabt hatte/ und gieng doch durch den engen Steg deß bittern Leidens. Wir haben keine eigne Herrligkeit/ die uns von Natur angehöre/ es iſt uns eine frembde Herrligkeit fürgeſtellet/ die nur unſer iſt auß Gnaden/ ſolts uns beſchwerlich ſeyn/ daß wir durch denſelben Weg deß Leidens ſollen zu dieſer frembden Herrligkeit gehen/ durch wel- chen der Sohn GOttes gegangen iſt in ſeine eig- ne Herrligkeit? Genug iſts/ daß du einen Auß- helffer haſt. Laß dir auch das ein Troſt ſeyn/ daß du Troſt und Ruhe in GOtt haben kanſt. Meinſtu daß es eine geringe Gnade iſt/ daß dir GOtt Ruhe gönnet nicht in einem vergängli- chen Dinge/ ſondern in ihm ſelbſt? Wiewohl biſtu damit verſorget? Was iſts das dich betrü- ben ſolte/ weil wider allen Unfall du genugſam in GOtt verwahret biſt? Mich ſoll billig nichts be- trüben/ als wenn ich GOtt beleidige/ in wel- chem meine Seele ruhen ſoll. Das letzte/ das ich leiden muß/ iſt der Tod/ aber da wirds recht erfüllet/ was hie im Pſalm ſtehet: Er hat mei- ne Seele auß dem Tode geriſſen/ meine Au- gen von Threnen/ meinen Fuß vom Glei- ten. Da kan ich mit Freuden ſagen: Nun gehe ein
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über den 116. Pſalm
gehen/ Luc. 24, 26. Er gieng nicht in eine
frembde Herrligkeit/ ſondern in ſeine eigne/ die
er von Anfang bey ſeinem Vater gehabt hatte/
und gieng doch durch den engen Steg deß bittern
Leidens. Wir haben keine eigne Herrligkeit/
die uns von Natur angehöre/ es iſt uns eine
frembde Herrligkeit fürgeſtellet/ die nur unſer
iſt auß Gnaden/ ſolts uns beſchwerlich ſeyn/ daß
wir durch denſelben Weg deß Leidens ſollen zu
dieſer frembden Herrligkeit gehen/ durch wel-
chen der Sohn GOttes gegangen iſt in ſeine eig-
ne Herrligkeit? Genug iſts/ daß du einen Auß-
helffer haſt. Laß dir auch das ein Troſt ſeyn/
daß du Troſt und Ruhe in GOtt haben kanſt.
Meinſtu daß es eine geringe Gnade iſt/ daß dir
GOtt Ruhe gönnet nicht in einem vergängli-
chen Dinge/ ſondern in ihm ſelbſt? Wiewohl
biſtu damit verſorget? Was iſts das dich betrü-
ben ſolte/ weil wider allen Unfall du genugſam in
GOtt verwahret biſt? Mich ſoll billig nichts be-
trüben/ als wenn ich GOtt beleidige/ in wel-
chem meine Seele ruhen ſoll. Das letzte/ das
ich leiden muß/ iſt der Tod/ aber da wirds recht
erfüllet/ was hie im Pſalm ſtehet: Er hat mei-
ne Seele auß dem Tode geriſſen/ meine Au-
gen von Threnen/ meinen Fuß vom Glei-
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 592. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/615>, abgerufen am 06.08.2024. |


