Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.Die dritte Betrachtung. es/ und spricht: Ich gläube/ darum rede ich;Wenn ichs nicht gläubete/ so wolte ich nicht re- den; Nun aber gläube ich/ und habe meines Glaubens gewissen Grund/ darum rede ich auch. Ich rede nicht auß Vermessenheit/ sondern auß dem Glauben. Er setzt auch weiter hinzu: Ich werde sehr geplaget/ und spreche in meinem Zagen: Alle Menschen sind Lügner. Ist so viel: Ich werde sehr geplaget/ das bekenne ich/ was denn mehr? soll ich darum nicht gläuben? Ich weiß/ an wen ich gläube/ daher habe ich auch ein solch Bekäntniß gethan/ daß ich in GOtt meine Ruhe habe und für allem Ubel sicher bin. Das ist wahr und bleibet wahr/ ungeachtet/ daß ich sehr geplaget werde/ und so sehr/ daß ich an aller Menschen Hülffe verzagen muß/ drum sprech ich auch in demselben meinem Zagen: Alle Menschen seynd Lügner/ sie können nicht helffen. Solte ich aber auch darum an Gott verzweifflen/ weil ich muß an aller Menschen Hülff verzweiff- len? Sihe wie eine gläubige Seele in der ver- zweiffelten Noth durchauß nicht verzweifflen darff. Merck hie zu erst das Bekäntniß eines Hei- gen P p ij
Die dritte Betrachtung. es/ und ſpricht: Ich gläube/ darum rede ich;Wenn ichs nicht gläubete/ ſo wolte ich nicht re- den; Nun aber gläube ich/ und habe meines Glaubens gewiſſen Grund/ darum rede ich auch. Ich rede nicht auß Vermeſſenheit/ ſondern auß dem Glauben. Er ſetzt auch weiter hinzu: Ich werde ſehr geplaget/ und ſpreche in meinem Zagen: Alle Menſchen ſind Lügner. Iſt ſo viel: Ich werde ſehr geplaget/ das bekenne ich/ was denn mehr? ſoll ich darum nicht gläuben? Ich weiß/ an wen ich gläube/ daher habe ich auch ein ſolch Bekäntniß gethan/ daß ich in GOtt meine Ruhe habe und für allem Ubel ſicher bin. Das iſt wahr und bleibet wahr/ ungeachtet/ daß ich ſehr geplaget werde/ und ſo ſehr/ daß ich an aller Menſchen Hülffe verzagen muß/ drum ſprech ich auch in demſelben meinem Zagen: Alle Menſchen ſeynd Lügner/ ſie können nicht helffen. Solte ich aber auch darum an Gott verzweifflen/ weil ich muß an aller Menſchen Hülff verzweiff- len? Sihe wie eine gläubige Seele in der ver- zweiffelten Noth durchauß nicht verzweifflen darff. Merck hie zu erſt das Bekäntniß eines Hei- gen P p ij
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Die dritte Betrachtung.
es/ und ſpricht: Ich gläube/ darum rede ich;
Wenn ichs nicht gläubete/ ſo wolte ich nicht re-
den; Nun aber gläube ich/ und habe meines
Glaubens gewiſſen Grund/ darum rede ich auch.
Ich rede nicht auß Vermeſſenheit/ ſondern auß
dem Glauben. Er ſetzt auch weiter hinzu: Ich
werde ſehr geplaget/ und ſpreche in meinem
Zagen: Alle Menſchen ſind Lügner. Iſt ſo
viel: Ich werde ſehr geplaget/ das bekenne ich/
was denn mehr? ſoll ich darum nicht gläuben?
Ich weiß/ an wen ich gläube/ daher habe ich auch
ein ſolch Bekäntniß gethan/ daß ich in GOtt
meine Ruhe habe und für allem Ubel ſicher bin.
Das iſt wahr und bleibet wahr/ ungeachtet/ daß
ich ſehr geplaget werde/ und ſo ſehr/ daß ich an
aller Menſchen Hülffe verzagen muß/ drum
ſprech ich auch in demſelben meinem Zagen: Alle
Menſchen ſeynd Lügner/ ſie können nicht helffen.
Solte ich aber auch darum an Gott verzweifflen/
weil ich muß an aller Menſchen Hülff verzweiff-
len? Sihe wie eine gläubige Seele in der ver-
zweiffelten Noth durchauß nicht verzweifflen
darff.
Merck hie zu erſt das Bekäntniß eines Hei-
ligen vom Creutze: Ich werde ſehr geplaget.
Hie haſtu einen Heiligen/ der bekennet/ daß er
geplaget werde/ und ſehr geplaget/ ſo wohl we-
gen
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 595. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/618>, abgerufen am 06.08.2024. |


