Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.Die dritte Betrachtung. selbst nicht weiß noch gläubet! Wie fein wis-sen die Leute von der Furcht GOTTES/ von der Hülff GOttes/ von Christlichem Vertrau- en zu reden! Wie weit aber ists von ihren Her- tzen! Solche Leute reden vom Glauben/ als ein Blinder von der Farbe. So müssen wir reden/ wie es uns üms Hertze ist. Wenn ich den Glauben zu GOtt habe/ kan ich auch mit freudigem Munde meinen GOtt bekennen. Und das ist eigentlich die Meinung Pauli/ wenn er spricht: So man von Hertzen gläu- bet/ so wird man gerecht/ und so man mit dem Munde bekennet/ so wird man se- lig/ Rom. 10, 10. Ist so viel gesaget: Es ist nicht genung/ daß man Christum mit dem Munde bekennet/ und mit dem Munde viel von CHRISTO rühme/ es muß der Glaube im Hertzen sitzen; So man von Hertzen gläubet/ und alsdenn mit dem Munde bekennet/ was man gläube/ das ist ein rechtschaffen Bekäntniß. Wer also gläubet und bekennet/ der ist gerecht und selig. So sihestu nun hie/ wie es wohl kan dahin meist
Die dritte Betrachtung. ſelbſt nicht weiß noch gläubet! Wie fein wiſ-ſen die Leute von der Furcht GOTTES/ von der Hülff GOttes/ von Chriſtlichem Vertrau- en zu reden! Wie weit aber iſts von ihren Her- tzen! Solche Leute reden vom Glauben/ als ein Blinder von der Farbe. So müſſen wir reden/ wie es uns üms Hertze iſt. Wenn ich den Glauben zu GOtt habe/ kan ich auch mit freudigem Munde meinen GOtt bekennen. Und das iſt eigentlich die Meinung Pauli/ wenn er ſpricht: So man von Hertzen gläu- bet/ ſo wird man gerecht/ und ſo man mit dem Munde bekennet/ ſo wird man ſe- lig/ Rom. 10, 10. Iſt ſo viel geſaget: Es iſt nicht genung/ daß man Chriſtum mit dem Munde bekennet/ und mit dem Munde viel von CHRISTO rühme/ es muß der Glaube im Hertzen ſitzen; So man von Hertzen gläubet/ und alsdenn mit dem Munde bekennet/ was man gläube/ das iſt ein rechtſchaffen Bekäntniß. Wer alſo gläubet und bekennet/ der iſt gerecht und ſelig. So ſiheſtu nun hie/ wie es wohl kan dahin meiſt
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Die dritte Betrachtung.
ſelbſt nicht weiß noch gläubet! Wie fein wiſ-
ſen die Leute von der Furcht GOTTES/ von
der Hülff GOttes/ von Chriſtlichem Vertrau-
en zu reden! Wie weit aber iſts von ihren Her-
tzen! Solche Leute reden vom Glauben/ als
ein Blinder von der Farbe. So müſſen wir
reden/ wie es uns üms Hertze iſt. Wenn ich
den Glauben zu GOtt habe/ kan ich auch mit
freudigem Munde meinen GOtt bekennen.
Und das iſt eigentlich die Meinung Pauli/
wenn er ſpricht: So man von Hertzen gläu-
bet/ ſo wird man gerecht/ und ſo man
mit dem Munde bekennet/ ſo wird man ſe-
lig/ Rom. 10, 10. Iſt ſo viel geſaget: Es iſt
nicht genung/ daß man Chriſtum mit dem
Munde bekennet/ und mit dem Munde viel von
CHRISTO rühme/ es muß der Glaube im
Hertzen ſitzen; So man von Hertzen gläubet/
und alsdenn mit dem Munde bekennet/ was
man gläube/ das iſt ein rechtſchaffen Bekäntniß.
Wer alſo gläubet und bekennet/ der iſt gerecht
und ſelig.
So ſiheſtu nun hie/ wie es wohl kan dahin
kommen/ daß ein gläubiger Menſch an aller
Menſchen Hülffe verzaget/ aber an GOttes
Hülffe verzagt er nimmermehr. Gläubt er an
GOtt/ ſo bekennet er auch ſeinen GOtt/ aller-
meiſt
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 605. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/628>, abgerufen am 06.08.2024. |


