Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.Die fünffte Betrachtung. ten für dem HErrn; Der Gottlosen Tod magbillig ein schrecklicher Tod genennet werden. Wenn ein Gottloser stirbt/ so ist verlohren alle seine Arbeit. Verlohren ist seine Lust/ verlohren ist seine Hoffnung/ und ach Jammer und Noth/ was wirds seyn/ daß er finden wird? Uber sich findet er einen zornigen Richter/ den er beleidi- get hat. In sich findet er die Sünde/ die er began- gen hat. Um sich findet er die abscheuliche Gesell- schafft der Teuffel. Unter sich findet er die er- schreckliche Höllen-Glut. In Summa/ alles Gut/ das er in der Welt gehabt/ muß er lassen fahren. Für sich findet er nichts als unaußsprech- liche Angst und Pein; Da möchte er wündschen/ daß er nimmer gesündiget/ nimmer geboren wäre. Wie selig ist der Mensch/ der für solchem schreck- lichen Tode frey ist! Wohl euch/ die ihr die Hei- ligkeit liebet; der Tod der Heiligen ist werth ge- halten vor dem HErrn. Selig seynd/ die im HErrn sterben/ ihre Hoffnung ist nicht verloh- ren/ ihre Wercke folgen ihnen nach. Sie kommen von der Arbeit zur Ruhe/ von der Angst zur Sicherheit/ von der Dürfftigkeit zum Reich- thum/ von der Schmach zu der Ehre/ vom Tod zum Leben/ von der Vergängligkeit zur Ewig- keit/ vom Glauben zum Schauen. Auß der Welt werden sie genommen/ den Him- mel finden sie für sich. O tröstliche Hoff nung!
Die fünffte Betrachtung. ten für dem HErrn; Der Gottloſen Tod magbillig ein ſchrecklicher Tod genennet werden. Wenn ein Gottloſer ſtirbt/ ſo iſt verlohren alle ſeine Arbeit. Verlohren iſt ſeine Luſt/ verlohren iſt ſeine Hoffnung/ und ach Jammer und Noth/ was wirds ſeyn/ daß er finden wird? Uber ſich findet er einen zornigen Richter/ den er beleidi- get hat. In ſich findet er die Sünde/ die er began- gen hat. Um ſich findet er die abſcheuliche Geſell- ſchafft der Teuffel. Unter ſich findet er die er- ſchreckliche Höllen-Glut. In Summa/ alles Gut/ das er in der Welt gehabt/ muß er laſſen fahren. Für ſich findet er nichts als unaußſprech- liche Angſt und Pein; Da möchte er wündſchen/ daß er nim̃er geſündiget/ nim̃er geboren wäre. Wie ſelig iſt der Menſch/ der für ſolchem ſchreck- lichen Tode frey iſt! Wohl euch/ die ihr die Hei- ligkeit liebet; der Tod der Heiligen iſt werth ge- halten vor dem HErrn. Selig ſeynd/ die im HErrn ſterben/ ihre Hoffnung iſt nicht verloh- ren/ ihre Wercke folgen ihnen nach. Sie kom̃en von der Arbeit zur Ruhe/ von der Angſt zur Sicherheit/ von der Dürfftigkeit zum Reich- thum/ von der Schmach zu der Ehre/ vom Tod zum Leben/ von der Vergängligkeit zur Ewig- keit/ vom Glauben zum Schauen. Auß der Welt werden ſie genommen/ den Him- mel finden ſie für ſich. O tröſtliche Hoff nung!
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Die fünffte Betrachtung.
ten für dem HErrn; Der Gottloſen Tod mag
billig ein ſchrecklicher Tod genennet werden.
Wenn ein Gottloſer ſtirbt/ ſo iſt verlohren alle
ſeine Arbeit. Verlohren iſt ſeine Luſt/ verlohren
iſt ſeine Hoffnung/ und ach Jammer und Noth/
was wirds ſeyn/ daß er finden wird? Uber ſich
findet er einen zornigen Richter/ den er beleidi-
get hat. In ſich findet er die Sünde/ die er began-
gen hat. Um ſich findet er die abſcheuliche Geſell-
ſchafft der Teuffel. Unter ſich findet er die er-
ſchreckliche Höllen-Glut. In Summa/ alles
Gut/ das er in der Welt gehabt/ muß er laſſen
fahren. Für ſich findet er nichts als unaußſprech-
liche Angſt und Pein; Da möchte er wündſchen/
daß er nim̃er geſündiget/ nim̃er geboren wäre.
Wie ſelig iſt der Menſch/ der für ſolchem ſchreck-
lichen Tode frey iſt! Wohl euch/ die ihr die Hei-
ligkeit liebet; der Tod der Heiligen iſt werth ge-
halten vor dem HErrn. Selig ſeynd/ die im
HErrn ſterben/ ihre Hoffnung iſt nicht verloh-
ren/ ihre Wercke folgen ihnen nach. Sie kom̃en
von der Arbeit zur Ruhe/ von der Angſt zur
Sicherheit/ von der Dürfftigkeit zum Reich-
thum/ von der Schmach zu der Ehre/ vom Tod
zum Leben/ von der Vergängligkeit zur Ewig-
keit/ vom Glauben zum Schauen. Auß der
Welt werden ſie genommen/ den Him-
mel finden ſie für ſich. O tröſtliche Hoff
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 635. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/658>, abgerufen am 06.08.2024. |


