Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.über den 116. Psalm es gleich viel/ obs ein Rind oder von kleinemViehe währe/ ein Schaff oder Ziege/ es galt auch gleich/ obs Männliches oder Weibliches Geschlechtes war; Ein Ochs oder Kuh/ ein Scheps oder Schaff/ nur daß es ohne Wandel und Mangel wäre; Wenn iemand zu arm war zum Rinde/ war ihm vergönnet ein Opffer zu nehmen von kleinem Viehe/ nur daß es ohne Wandel und Mangel wäre. Damit ist ange- deutet/ daß Gott nicht sehe auff die Kostbarkeit deß Danck-Opffers/ sondern auffs Hertz. Einer ist angenehm/ nachdem er hat/ so ers nur auß rei- nem Hertzen dem HErrn bringet. Salomon bauete dem HErrn zu Ehren einen Tempel/ und das war angenehm/ nicht um deß Wercks willen/ sondern um deß Hertzens willen. Und weil GOtt ein solch gutes Hertz auch bey jener armen Frauen fand/ welche einen Schärff in den GOttes-Kasten warff/ war ihr Werck e- ben so wohl für GOtt köstlich und angenehm/ obs schon gering war/ Luc. 21, 2. Darum laß dich nicht hindern/ wenn du lust hast dem HErrn ein Danck-Opffer zu bringen/ daß du nicht viel vermagst/ oder nicht grosse Dinge thun kanst. Was du GOtt zu Danck thun kanst/ das thue auß getreuem Hertzen/ so ist es köstlich. Was zum andern betrifft die Person/ so dem Herrn ein
über den 116. Pſalm es gleich viel/ obs ein Rind oder von kleinemViehe währe/ ein Schaff oder Ziege/ es galt auch gleich/ obs Männliches oder Weibliches Geſchlechtes war; Ein Ochs oder Kuh/ ein Scheps oder Schaff/ nur daß es ohne Wandel und Mangel wäre; Wenn iemand zu arm war zum Rinde/ war ihm vergönnet ein Opffer zu nehmen von kleinem Viehe/ nur daß es ohne Wandel und Mangel wäre. Damit iſt ange- deutet/ daß Gott nicht ſehe auff die Koſtbarkeit deß Danck-Opffers/ ſondern auffs Hertz. Einer iſt angenehm/ nachdem er hat/ ſo ers nur auß rei- nem Hertzen dem HErrn bringet. Salomon bauete dem HErrn zu Ehren einen Tempel/ und das war angenehm/ nicht um deß Wercks willen/ ſondern um deß Hertzens willen. Und weil GOtt ein ſolch gutes Hertz auch bey jener armen Frauen fand/ welche einen Schärff in den GOttes-Kaſten warff/ war ihr Werck e- ben ſo wohl für GOtt köſtlich und angenehm/ obs ſchon gering war/ Luc. 21, 2. Darum laß dich nicht hindern/ wenn du luſt haſt dem HErrn ein Danck-Opffer zu bringen/ daß du nicht viel vermagſt/ oder nicht groſſe Dinge thun kanſt. Was du GOtt zu Danck thun kanſt/ das thue auß getreuem Hertzen/ ſo iſt es köſtlich. Was zum andern betrifft die Perſon/ ſo dem Herrn ein
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über den 116. Pſalm
es gleich viel/ obs ein Rind oder von kleinem
Viehe währe/ ein Schaff oder Ziege/ es galt
auch gleich/ obs Männliches oder Weibliches
Geſchlechtes war; Ein Ochs oder Kuh/ ein
Scheps oder Schaff/ nur daß es ohne Wandel
und Mangel wäre; Wenn iemand zu arm war
zum Rinde/ war ihm vergönnet ein Opffer zu
nehmen von kleinem Viehe/ nur daß es ohne
Wandel und Mangel wäre. Damit iſt ange-
deutet/ daß Gott nicht ſehe auff die Koſtbarkeit
deß Danck-Opffers/ ſondern auffs Hertz. Einer
iſt angenehm/ nachdem er hat/ ſo ers nur auß rei-
nem Hertzen dem HErrn bringet. Salomon
bauete dem HErrn zu Ehren einen Tempel/
und das war angenehm/ nicht um deß Wercks
willen/ ſondern um deß Hertzens willen. Und
weil GOtt ein ſolch gutes Hertz auch bey jener
armen Frauen fand/ welche einen Schärff in
den GOttes-Kaſten warff/ war ihr Werck e-
ben ſo wohl für GOtt köſtlich und angenehm/
obs ſchon gering war/ Luc. 21, 2. Darum laß dich
nicht hindern/ wenn du luſt haſt dem HErrn ein
Danck-Opffer zu bringen/ daß du nicht viel
vermagſt/ oder nicht groſſe Dinge thun kanſt.
Was du GOtt zu Danck thun kanſt/ das thue
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 652. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/675>, abgerufen am 06.08.2024. |


