Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.über den 118. Psalm weiter kan man ja nicht kommen: Bin ich aberdamit todt? Todt bin ich für der Welt auch/ aber meine Seele lebet für GOtt; Meine Wercke leben auch/ auch das Blut/ das sie vergossen ha- ben/ und der Leib/ den sie verderbet haben/ lebet und schreyet zu GOtt ohn unterlaß; Wie die Schrifft von dem Blut deß Gerechten Abels re- det/ Hebr. 11, 4. und müssen meine Feinde sich befürchten/ daß ich an ihnen die Meister-Rache übe/ wenn sie meinen/ daß sie mich getödtet ha- ben. Die verstockten Juden vermeinten/ sie hätten gewonnen/ wenn nur Christus gecreutzi- get wäre/ aber Christus lebte und predigte nach dem Tode/ und hats ihm kein Jude wehren kön- nen. Den Aposteln hat man auch damit das Maul nicht stopffen können/ daß man sie unter die Erde gebracht. Sie leben und predigen auch wann sie todt seyn. Hierum sprechen wir auch zum andern; Ich und
über den 118. Pſalm weiter kan man ja nicht kommen: Bin ich aberdamit todt? Todt bin ich für der Welt auch/ aber meine Seele lebet für GOtt; Meine Wercke leben auch/ auch das Blut/ das ſie vergoſſen ha- ben/ und der Leib/ den ſie verderbet haben/ lebet und ſchreyet zu GOtt ohn unterlaß; Wie die Schrifft von dem Blut deß Gerechten Abels re- det/ Hebr. 11, 4. und müſſen meine Feinde ſich befürchten/ daß ich an ihnen die Meiſter-Rache übe/ wenn ſie meinen/ daß ſie mich getödtet ha- ben. Die verſtockten Juden vermeinten/ ſie hätten gewonnen/ wenn nur Chriſtus gecreutzi- get wäre/ aber Chriſtus lebte und predigte nach dem Tode/ und hats ihm kein Jude wehren kön- nen. Den Apoſteln hat man auch damit das Maul nicht ſtopffen können/ daß man ſie unter die Erde gebracht. Sie leben und predigen auch wann ſie todt ſeyn. Hierum ſprechen wir auch zum andern; Ich und
<TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0739" n="716"/><fw place="top" type="header">über den 118. Pſalm</fw><lb/> weiter kan man ja nicht kommen: Bin ich aber<lb/> damit todt? Todt bin ich für der Welt auch/ aber<lb/> meine Seele lebet für GOtt; Meine Wercke<lb/> leben auch/ auch das Blut/ das ſie vergoſſen ha-<lb/> ben/ und der Leib/ den ſie verderbet haben/ lebet<lb/> und ſchreyet zu GOtt ohn unterlaß; Wie die<lb/> Schrifft von dem Blut deß Gerechten Abels re-<lb/> det/ <hi rendition="#aq">Hebr.</hi> 11, 4. und müſſen meine Feinde ſich<lb/> befürchten/ daß ich an ihnen die Meiſter-Rache<lb/> übe/ wenn ſie meinen/ daß ſie mich getödtet ha-<lb/> ben. Die verſtockten Juden vermeinten/ ſie<lb/> hätten gewonnen/ wenn nur Chriſtus gecreutzi-<lb/> get wäre/ aber Chriſtus lebte und predigte nach<lb/> dem Tode/ und hats ihm kein Jude wehren kön-<lb/> nen. Den Apoſteln hat man auch damit das<lb/> Maul nicht ſtopffen können/ daß man ſie unter<lb/> die Erde gebracht. Sie leben und predigen auch<lb/> wann ſie todt ſeyn.</p><lb/> <p>Hierum ſprechen wir auch zum andern; <hi rendition="#fr">Ich<lb/> werde deß HErrn Werck verkündigen.</hi> Deß<lb/> HErrn Werck iſts/ daß er durch Chriſtum uns<lb/> verdamte Sünder auß deß Teuffels Gewalt er-<lb/> löſet hat; Das iſt viel ein gröſſer Werck/ als daß<lb/> er Himmel und Erden erſchaffen hat. Deß<lb/> HErrn Werck iſts auch/ daß wir in ſo man-<lb/> cherley Anfechtungen getröſtet und erhalten<lb/> werden. Das müſſen unſere Feinde leiden/<lb/> <fw place="bottom" type="catch">und</fw><lb/></p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [716/0739]
über den 118. Pſalm
weiter kan man ja nicht kommen: Bin ich aber
damit todt? Todt bin ich für der Welt auch/ aber
meine Seele lebet für GOtt; Meine Wercke
leben auch/ auch das Blut/ das ſie vergoſſen ha-
ben/ und der Leib/ den ſie verderbet haben/ lebet
und ſchreyet zu GOtt ohn unterlaß; Wie die
Schrifft von dem Blut deß Gerechten Abels re-
det/ Hebr. 11, 4. und müſſen meine Feinde ſich
befürchten/ daß ich an ihnen die Meiſter-Rache
übe/ wenn ſie meinen/ daß ſie mich getödtet ha-
ben. Die verſtockten Juden vermeinten/ ſie
hätten gewonnen/ wenn nur Chriſtus gecreutzi-
get wäre/ aber Chriſtus lebte und predigte nach
dem Tode/ und hats ihm kein Jude wehren kön-
nen. Den Apoſteln hat man auch damit das
Maul nicht ſtopffen können/ daß man ſie unter
die Erde gebracht. Sie leben und predigen auch
wann ſie todt ſeyn.
Hierum ſprechen wir auch zum andern; Ich
werde deß HErrn Werck verkündigen. Deß
HErrn Werck iſts/ daß er durch Chriſtum uns
verdamte Sünder auß deß Teuffels Gewalt er-
löſet hat; Das iſt viel ein gröſſer Werck/ als daß
er Himmel und Erden erſchaffen hat. Deß
HErrn Werck iſts auch/ daß wir in ſo man-
cherley Anfechtungen getröſtet und erhalten
werden. Das müſſen unſere Feinde leiden/
und
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools
|
| URL zu diesem Werk: | https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674 |
| URL zu dieser Seite: | https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/739 |
| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 716. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/739>, abgerufen am 06.08.2024. |


