Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.Die vierdte Betrachtung. daß du mich demüthigest/ und hilffest mir.Was ist nun der gläubigen Seelen ihr Er- bieten? Ich wil hinein gehen. Das Haus/ darin sie gehen wil/ ist ein geistliches Haus; so muß der Eingang auch geistlich seyn. Wer in diese Hütten gehen wil/ der muß mit dem Geist hinein gehen; Durch Beystand deß heiligen Geistes muß er seinen Geist von der Erden er- heben/ so gehet er ein in die Pforte deß HErrn. Was wil die Seele da machen? Ich wil dem HErrn dancken. Sie hat ja den gantzen Psalm hindurch gedancket; Doch wann sie hie spricht/ thut mir auff die Thüre/ daß ich hinein gehe/ und dem Herrn dancke/ zeiget sie ihr hertzliches Ver- langen an/ daß sie träget nach dem Reich Christi in ihr/ daß sie die Wunder GOttes möge em- pfinden/ und den HErrn preisen. Was höre ich aber hie für eine Ursach? was HErr/
Die vierdte Betrachtung. daß du mich demüthigeſt/ und hilffeſt mir.Was iſt nun der gläubigen Seelen ihr Er- bieten? Ich wil hinein gehen. Das Haus/ darin ſie gehen wil/ iſt ein geiſtliches Haus; ſo muß der Eingang auch geiſtlich ſeyn. Wer in dieſe Hütten gehen wil/ der muß mit dem Geiſt hinein gehen; Durch Beyſtand deß heiligen Geiſtes muß er ſeinen Geiſt von der Erden er- heben/ ſo gehet er ein in die Pforte deß HErrn. Was wil die Seele da machen? Ich wil dem HErrn dancken. Sie hat ja den gantzen Pſalm hindurch gedancket; Doch wann ſie hie ſpricht/ thut mir auff die Thüre/ daß ich hinein gehe/ und dem Herrn dancke/ zeiget ſie ihr hertzliches Ver- langen an/ daß ſie träget nach dem Reich Chriſti in ihr/ daß ſie die Wunder GOttes möge em- pfinden/ und den HErrn preiſen. Was höre ich aber hie für eine Urſach? was HErr/
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Die vierdte Betrachtung.
daß du mich demüthigeſt/ und hilffeſt mir.
Was iſt nun der gläubigen Seelen ihr Er-
bieten? Ich wil hinein gehen. Das Haus/
darin ſie gehen wil/ iſt ein geiſtliches Haus; ſo
muß der Eingang auch geiſtlich ſeyn. Wer in
dieſe Hütten gehen wil/ der muß mit dem Geiſt
hinein gehen; Durch Beyſtand deß heiligen
Geiſtes muß er ſeinen Geiſt von der Erden er-
heben/ ſo gehet er ein in die Pforte deß HErrn.
Was wil die Seele da machen? Ich wil dem
HErrn dancken. Sie hat ja den gantzen Pſalm
hindurch gedancket; Doch wann ſie hie ſpricht/
thut mir auff die Thüre/ daß ich hinein gehe/ und
dem Herrn dancke/ zeiget ſie ihr hertzliches Ver-
langen an/ daß ſie träget nach dem Reich Chriſti
in ihr/ daß ſie die Wunder GOttes möge em-
pfinden/ und den HErrn preiſen.
Was höre ich aber hie für eine Urſach? was
iſts/ dafür die Seele dancken wil? Ich wil dir
dancken/ ſpricht ſie/ daß du mich demüthigeſt
und hilffeſt mir. Du demüthigeſt mich/ und
biſt meine Hülff und mein Heyl. Das iſt das
Wunder-Spiel/ das GOtt in ſeinem Hauſe
ſpielet. Die er lieb hat/ die demüthiget er/ und
wenns ſcheinet/ daß ſie verloren ſeyn/ ſo hilfft er
ihnen. Wenn ſie gedemüthiget werden/ ſo ruf-
fen ſie/ das Schreyen der Elenden höret der
HErr/
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