Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674.über den 118. Psalm ihrem Baugar nicht. Christus und das Pha-riseische Wesen wil sich nicht zusammen reimen. Wie könts müglich seyn/ daß die auffgeblasene stoltze Heiligen den demüthigen Christum sol- ten auffnehmen. Was hat Liecht für Theil an der Finsterniß? Wie schickt sich Christus und Belial? 2. Cor. 6, 14. 15. Darum war hie anders nicht zu hoffen/ ehe die stoltzen heiligen Christum solten mit zu ihrem Bau nehmen/ ehe wolten sie ihn gar zumalmen. So gar verwarffen sie ihn/ daß auch ein heilloser Mörder ihm vorgezogen ward. Diß Zeugniß von der Verwerffung und Erniedrigung Christi mercke wohl/ daß du dich an der niedrigen Gestalt Christi nicht är- gerst. Es ist zuvor gesaget durch den heiligen Geist/ daß der/ so den Grund-Stein am Haus deß HErrn/ zuvor solte verworffen seyn; und daß Häupter unter dem Volck/ die geistliche Herren/ ihn verwerffen werden. Eben das hat auch der Geist GOttes zuvor gesaget beym Esaia am 53. v. 2. 3. allda das Jüdische Volck also saget: Wir sahen ihn/ aber da war keine Gestalt/ die uns gefallen hätte/ Er war der aller verachteste und unwertheste/ voller Schmertzen und Kranckheit. Er war so veracht/ daß man das Angesicht für ihm ver- barg/ darum haben wir ihn nichts geachtet. Das
über den 118. Pſalm ihrem Baugar nicht. Chriſtus und das Pha-riſeiſche Weſen wil ſich nicht zuſam̃en reimen. Wie könts müglich ſeyn/ daß die auffgeblaſene ſtoltze Heiligen den demüthigen Chriſtum ſol- ten auffnehmen. Was hat Liecht für Theil an der Finſterniß? Wie ſchickt ſich Chriſtus und Belial? 2. Cor. 6, 14. 15. Darum war hie anders nicht zu hoffen/ ehe die ſtoltzen heiligen Chriſtum ſolten mit zu ihrem Bau nehmen/ ehe wolten ſie ihn gar zumalmen. So gar verwarffen ſie ihn/ daß auch ein heilloſer Mörder ihm vorgezogen ward. Diß Zeugniß von der Verwerffung und Erniedrigung Chriſti mercke wohl/ daß du dich an der niedrigen Geſtalt Chriſti nicht är- gerſt. Es iſt zuvor geſaget durch den heiligen Geiſt/ daß der/ ſo den Grund-Stein am Haus deß HErrn/ zuvor ſolte verworffen ſeyn; und daß Häupter unter dem Volck/ die geiſtliche Herren/ ihn verwerffen werden. Eben das hat auch der Geiſt GOttes zuvor geſaget beym Eſaia am 53. v. 2. 3. allda das Jüdiſche Volck alſo ſaget: Wir ſahen ihn/ aber da war keine Geſtalt/ die uns gefallen hätte/ Er war der aller verachteſte und unwertheſte/ voller Schmertzen und Kranckheit. Er war ſo veracht/ daß man das Angeſicht für ihm ver- barg/ darum haben wir ihn nichts geachtet. Das
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ihrem Baugar nicht. Chriſtus und das Pha-
riſeiſche Weſen wil ſich nicht zuſam̃en reimen.
Wie könts müglich ſeyn/ daß die auffgeblaſene
ſtoltze Heiligen den demüthigen Chriſtum ſol-
ten auffnehmen. Was hat Liecht für Theil an
der Finſterniß? Wie ſchickt ſich Chriſtus und
Belial? 2. Cor. 6, 14. 15. Darum war hie anders
nicht zu hoffen/ ehe die ſtoltzen heiligen Chriſtum
ſolten mit zu ihrem Bau nehmen/ ehe wolten ſie
ihn gar zumalmen. So gar verwarffen ſie ihn/
daß auch ein heilloſer Mörder ihm vorgezogen
ward. Diß Zeugniß von der Verwerffung
und Erniedrigung Chriſti mercke wohl/ daß du
dich an der niedrigen Geſtalt Chriſti nicht är-
gerſt. Es iſt zuvor geſaget durch den heiligen
Geiſt/ daß der/ ſo den Grund-Stein am Haus
deß HErrn/ zuvor ſolte verworffen ſeyn; und
daß Häupter unter dem Volck/ die geiſtliche
Herren/ ihn verwerffen werden. Eben das
hat auch der Geiſt GOttes zuvor geſaget beym
Eſaia am 53. v. 2. 3. allda das Jüdiſche Volck
alſo ſaget: Wir ſahen ihn/ aber da war keine
Geſtalt/ die uns gefallen hätte/ Er war der
aller verachteſte und unwertheſte/ voller
Schmertzen und Kranckheit. Er war ſo
veracht/ daß man das Angeſicht für ihm ver-
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| Zitationshilfe: | Lütkemann, Joachim: Harpffe Von zehen Seyten. Frankfurt/Leipzig, 1674, S. 734. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luettkemann_harpffe_1674/757>, abgerufen am 06.08.2024. |


