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Luz, Johann Friedrich: Unterricht vom Blitz und den Blitz- oder Wetter-Ableitern. Frankfurt und Leipzig, 1784.

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Vierter Einwurf.

Durch Wetterableiter könnten die Menschen
vermessen werden.

Es gab zu allen Zeiten Ruchlose, die vermessen
waren und nichts nach Gott fragten. Diese werden
freylich ihr Wesen fortsetzen; sie würden es aber auch
thun, wenn sie gleich durch keinen Wetterableiter ge-
schüzt würden.

Der Redliche hingegen wird nicht weniger tugend-
haft seyn, und nicht weniger Gott verehren; Er mag
unter einem Wetterableiter, oder unter freyem Him-
mel leben. Denn er weiß daß niemand dem Arm des
Allmächtigen entgehen kan; und daß wenn der Mensch
gleich von der einen Seite sicher ist, Gott noch Mit-
tel und Wege genug hat, ihn zu finden. Er thut nur
das Seinige, wie in tausend andern Fällen, und be-
dient sich zu seiner Sicherheit die Mittel, die ihm die
Vernunft an die Hand gibt. Er hält dieses für eine
Pflicht, die er Gott, sich selbst, den Seinigen, und
dem Staat schuldig ist. Im übrigen weiß er wohl,
daß er bloß nur unter dem Gnadenschutz Gottes sicher
seye, und daß er daher sein gröstes Vertrauen auf die
göttliche Vorsehung setzen müsse.

Hieraus aber wird, wie man leicht einsiehet, ein
neuer Einwurf erregt.



Fünf-

Vierter Einwurf.

Durch Wetterableiter koͤnnten die Menſchen
vermeſſen werden.

Es gab zu allen Zeiten Ruchloſe, die vermeſſen
waren und nichts nach Gott fragten. Dieſe werden
freylich ihr Weſen fortſetzen; ſie wuͤrden es aber auch
thun, wenn ſie gleich durch keinen Wetterableiter ge-
ſchuͤzt wuͤrden.

Der Redliche hingegen wird nicht weniger tugend-
haft ſeyn, und nicht weniger Gott verehren; Er mag
unter einem Wetterableiter, oder unter freyem Him-
mel leben. Denn er weiß daß niemand dem Arm des
Allmaͤchtigen entgehen kan; und daß wenn der Menſch
gleich von der einen Seite ſicher iſt, Gott noch Mit-
tel und Wege genug hat, ihn zu finden. Er thut nur
das Seinige, wie in tauſend andern Faͤllen, und be-
dient ſich zu ſeiner Sicherheit die Mittel, die ihm die
Vernunft an die Hand gibt. Er haͤlt dieſes fuͤr eine
Pflicht, die er Gott, ſich ſelbſt, den Seinigen, und
dem Staat ſchuldig iſt. Im uͤbrigen weiß er wohl,
daß er bloß nur unter dem Gnadenſchutz Gottes ſicher
ſeye, und daß er daher ſein groͤſtes Vertrauen auf die
goͤttliche Vorſehung ſetzen muͤſſe.

Hieraus aber wird, wie man leicht einſiehet, ein
neuer Einwurf erregt.



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[123/0139] Vierter Einwurf. Durch Wetterableiter koͤnnten die Menſchen vermeſſen werden. Es gab zu allen Zeiten Ruchloſe, die vermeſſen waren und nichts nach Gott fragten. Dieſe werden freylich ihr Weſen fortſetzen; ſie wuͤrden es aber auch thun, wenn ſie gleich durch keinen Wetterableiter ge- ſchuͤzt wuͤrden. Der Redliche hingegen wird nicht weniger tugend- haft ſeyn, und nicht weniger Gott verehren; Er mag unter einem Wetterableiter, oder unter freyem Him- mel leben. Denn er weiß daß niemand dem Arm des Allmaͤchtigen entgehen kan; und daß wenn der Menſch gleich von der einen Seite ſicher iſt, Gott noch Mit- tel und Wege genug hat, ihn zu finden. Er thut nur das Seinige, wie in tauſend andern Faͤllen, und be- dient ſich zu ſeiner Sicherheit die Mittel, die ihm die Vernunft an die Hand gibt. Er haͤlt dieſes fuͤr eine Pflicht, die er Gott, ſich ſelbſt, den Seinigen, und dem Staat ſchuldig iſt. Im uͤbrigen weiß er wohl, daß er bloß nur unter dem Gnadenſchutz Gottes ſicher ſeye, und daß er daher ſein groͤſtes Vertrauen auf die goͤttliche Vorſehung ſetzen muͤſſe. Hieraus aber wird, wie man leicht einſiehet, ein neuer Einwurf erregt. Fuͤnf-

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Zitationshilfe: Luz, Johann Friedrich: Unterricht vom Blitz und den Blitz- oder Wetter-Ableitern. Frankfurt und Leipzig, 1784, S. 123. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/luz_blitz_1784/139>, abgerufen am 26.09.2021.