fenheit ersetzen wollte, oder wenn ich von deiner Güte und Barmherzigkeit verlangte, daß sie mich künftig auf einmal aus einem lasterhaften Menschen zu einen tugendhaften umschaffen und das Andenken an mein auf der Erde geführtes Leben durch ein Wunder ver- tilgen sollte. Wie träge und verdrossen im Guten würden mich dieser Leichtsinn und diese von ihm be- günstigten Irrthümer machen! Wie viel würde ich da thun und unterlassen, dessen Folgen meine zukünftige Vervollkommnung und Glückseligkeit stören müßten!
Ferne sey es von mir, o Gott, die Geschenke deiner Hand leichtsinnig zu misbrauchen und die Freuden, welche du mir täglich anbietest, auf eine andere Art und aus andern Absichten zu genießen, als ich dieselben genießen soll. Welche Nachtheile würde ich mir dadurch zuziehen! Wie sehr würde ich mir meine Vergnügungen verkürzen und verbittern! Welchen Schmerz und welche unangenehme Nach- empfindungen würde ich mir dadurch bereiten! Nein, der Genuß des Vergnügens soll mich nie zur Zer- streuungssucht, zur Eitelkeit, zum Neide oder zur Verschwendung verleiten. Nie will ich die Zeit durch Lustbarkeiten verlieren, die ich der Tugend, mei- nen Pflichten, meinen Geschäfften widmen soll. Nie will ich mich so sehr an irgend eine Art von Vergnü- gen gewöhnen, daß ich meine Freyheit und den Ge- schmack an andern Freuden darüber verliere. Ich will nie blos niedriges und sinnliches Vergnügen; ich will auch höheres und geistiges suchen. Ich will nicht blos für die augenblickliche Befriedigung meiner sinn-
lichen
I
Entſagung des Leichtſinns.
fenheit erſetzen wollte, oder wenn ich von deiner Güte und Barmherzigkeit verlangte, daß ſie mich künftig auf einmal aus einem laſterhaften Menſchen zu einen tugendhaften umſchaffen und das Andenken an mein auf der Erde geführtes Leben durch ein Wunder ver- tilgen ſollte. Wie träge und verdroſſen im Guten würden mich dieſer Leichtſinn und dieſe von ihm be- günſtigten Irrthümer machen! Wie viel würde ich da thun und unterlaſſen, deſſen Folgen meine zukünftige Vervollkommnung und Glückſeligkeit ſtören müßten!
Ferne ſey es von mir, o Gott, die Geſchenke deiner Hand leichtſinnig zu misbrauchen und die Freuden, welche du mir täglich anbieteſt, auf eine andere Art und aus andern Abſichten zu genießen, als ich dieſelben genießen ſoll. Welche Nachtheile würde ich mir dadurch zuziehen! Wie ſehr würde ich mir meine Vergnügungen verkürzen und verbittern! Welchen Schmerz und welche unangenehme Nach- empfindungen würde ich mir dadurch bereiten! Nein, der Genuß des Vergnügens ſoll mich nie zur Zer- ſtreuungsſucht, zur Eitelkeit, zum Neide oder zur Verſchwendung verleiten. Nie will ich die Zeit durch Luſtbarkeiten verlieren, die ich der Tugend, mei- nen Pflichten, meinen Geſchäfften widmen ſoll. Nie will ich mich ſo ſehr an irgend eine Art von Vergnü- gen gewöhnen, daß ich meine Freyheit und den Ge- ſchmack an andern Freuden darüber verliere. Ich will nie blos niedriges und ſinnliches Vergnügen; ich will auch höheres und geiſtiges ſuchen. Ich will nicht blos für die augenblickliche Befriedigung meiner ſinn-
lichen
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Entſagung des Leichtſinns.
fenheit erſetzen wollte, oder wenn ich von deiner Güte
und Barmherzigkeit verlangte, daß ſie mich künftig
auf einmal aus einem laſterhaften Menſchen zu einen
tugendhaften umſchaffen und das Andenken an mein
auf der Erde geführtes Leben durch ein Wunder ver-
tilgen ſollte. Wie träge und verdroſſen im Guten
würden mich dieſer Leichtſinn und dieſe von ihm be-
günſtigten Irrthümer machen! Wie viel würde ich da
thun und unterlaſſen, deſſen Folgen meine zukünftige
Vervollkommnung und Glückſeligkeit ſtören müßten!
Ferne ſey es von mir, o Gott, die Geſchenke
deiner Hand leichtſinnig zu misbrauchen und die
Freuden, welche du mir täglich anbieteſt, auf eine
andere Art und aus andern Abſichten zu genießen,
als ich dieſelben genießen ſoll. Welche Nachtheile
würde ich mir dadurch zuziehen! Wie ſehr würde ich
mir meine Vergnügungen verkürzen und verbittern!
Welchen Schmerz und welche unangenehme Nach-
empfindungen würde ich mir dadurch bereiten! Nein,
der Genuß des Vergnügens ſoll mich nie zur Zer-
ſtreuungsſucht, zur Eitelkeit, zum Neide oder zur
Verſchwendung verleiten. Nie will ich die Zeit
durch Luſtbarkeiten verlieren, die ich der Tugend, mei-
nen Pflichten, meinen Geſchäfften widmen ſoll. Nie
will ich mich ſo ſehr an irgend eine Art von Vergnü-
gen gewöhnen, daß ich meine Freyheit und den Ge-
ſchmack an andern Freuden darüber verliere. Ich
will nie blos niedriges und ſinnliches Vergnügen; ich
will auch höheres und geiſtiges ſuchen. Ich will nicht
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Marezoll, Johann Gottlob: Andachtsbuch für das weibliche Geschlecht vorzüglich für den aufgeklärten Theil desselben. Bd. 2. Leipzig, 1788, S. 129. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/marezoll_andachtsbuch02_1788/141>, abgerufen am 23.09.2024.
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